Schriftsteller

Günter Grass provoziert Israel mit neuem Gedichtband

In seinem Gedicht ruft der Literaturnobelpreisträger zu militärischem Geheimnisverrat auf - und feiert einen Spion als „Held unserer Tage“.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

In seinem neuen Gedichtband „Eintagsfliegen“ liefert Günter Grass wieder Zündstoff für politische Kontroversen mit Israel. Der deutsche Literaturnobelpreisträger würdigt den wegen Spionage zu 18 Jahren Haftstrafe verurteilten israelischen Nukleartechniker Mordechai Vanunu als „Held unserer Tage“ und „Vorbild“. Der Band kommt an diesem Wochenende in den Buchhandel.

Vanunu hatte 1986 im Ausland das geheime Nuklearprogramm Israels öffentlich gemacht. Der israelische Geheimdienst Mossad lockte ihn danach nach Rom und entführte ihn per Schiff nach Israel, wo er vor Gericht kam. In seinem Gedicht ruft Grass zwischen den Zeilen zum militärischen Geheimnisverrat auf – überall dort in der Welt, wo Vernichtungswaffen hergestellt werden.

Bereits im April hatte Grass mit dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ Israels Regierung verärgert. Innenminister Eli Jischai sprach gegen den deutschen Dichter ein Einreiseverbot aus. Grass hielt in dem Text Israel vor, mit seinen Atomwaffen den ohnehin brüchigen Weltfrieden zu gefährden und das Recht auf einen militärischen Erstschlag gegen Irans Atomanlagen zu beanspruchen.

Grass hat die zunächst in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichte Fassung des Gedichts für den neuen Gedichtband überarbeitet: So heißt es jetzt nicht mehr, die „Atommacht Israel“ gefährde den Weltfrieden, sondern „die gegenwärtige Regierung der Atommacht Israel“.