40 Jahre danach

Bewegende Erinnerung an Opfer des Olympia-Attentats

Mit einer Gedenkfeier wurde der 1972 ermordeten israelischen Sportler bei den Olympischen Spielen in München gedacht.

Foto: DAPD

Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung ist 40 Jahre nach dem Münchner Olympia-Attentat in Fürstenfeldbruck an die Opfer erinnert worden. Spitzenpolitiker aus Deutschland und Israel mahnten dabei am Mittwoch, aktuellen Terrorgefahren entschieden entgegenzutreten. Scharfe Kritik gab es am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wegen der Weigerung, auch bei den Olympischen Spielen in London mit einer Schweigeminute an das Attentat zu erinnern.

Am 5. September 1972 waren in München palästinensische Terroristen in das Quartier der Israelis im olympischen Dorf eingedrungen. Sie töteten zunächst zwei Mitglieder der israelischen Sportmannschaft. Später starben weitere neun Geiseln und ein deutscher Polizist bei einem Befreiungsversuch auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck.

Dort verlangte bei der Gedenkveranstaltung die Witwe des ermordeten Fechttrainers Andre Spitzer, Ankie Spitzer, die Herausgabe sämtlicher Dokumente über die misslungene Befreiungsaktion an die Hinterbliebenen. Sie mahnte: „Wir wollen endlich wissen, aus welchen Kugeln unsere Liebsten getroffen worden sind.“

Bundesinnenminister Friedrich mit emotionaler Rede

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte in einer emotionalen Rede: „Ausgerechnet wir, die wir eine besondere Schutzverpflichtung für Israel hatten und haben, ausgerechnet wir konnten die israelischen Sportler nicht schützen.“ Er versicherte zugleich mit Blick auf die Angehörigen: „Im Namen der Bundesregierung und im Namen des deutschen Volkes möchte ich Ihnen sagen: Sie und Ihre Lieben bleiben in unserem Gedächtnis und in unseren Herzen.“

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sprach von einer Serie von Fehlleistungen der damals Verantwortlichen. Er fügte hinzu: „Meine Wut ist nicht vergangen, mein Zorn ist nicht verraucht, meine Tränen sind nicht getrocknet und mein Herz ist noch immer zerrissen von Schmerz.“ Beim IOC herrsche weiter eine „vereiste Seelenlosigkeit“.

Auch der israelische Vize-Premierminister Silvan Schalom zeigte sich empört darüber, dass in London nicht mit einer Schweigeminute der Opfer des Olympia-Attentats gedacht wurde. Er dankte ausdrücklich den „deutschen Gastgebern“ und betonte: „Die Deutschen und die Israelis vergessen die Vergangenheit nicht.“ Schalom forderte zugleich: „Die internationale Staatengemeinschaft muss dem Iran mit Entschlossenheit entgegentreten.“ Die iranische Führung versuche, eine Atombombe zu entwickeln, und wolle Israel zerstören.

Ministerpräsident Seehofer ruft zu Wachsamkeit auf

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) rief zu Wachsamkeit wegen der anhaltenden Gefahr terroristischer Anschläge auf. Besonders gefährdet seien israelische und jüdische Einrichtungen. Seehofer versicherte: „Wir in Bayern werden auch in Zukunft alles dafür tun, dass antisemitischer Hass und rechtsextreme Tendenzen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.“ Er setze sich zudem nachdrücklich dafür ein, dass die Israelis in sicheren Grenzen und in Frieden leben können.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, kritisierte, in London sei den Opfern ein würdiges Gedenken verwehrt worden. Dies bleibe „ein Schandfleck auf der olympischen Weste“. Umso mehr freue sie sich über „das Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein unserer deutschen Funktionsträger“.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach sagte, die Erinnerung an die Toten solle mit der Botschaft der Toleranz und des Friedens verbunden werden. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) betonte, er verstehe den Wunsch der Angehörigen nach Aufklärung und Aufarbeitung. Die „Versäumnisse“ im Zusammenhang mit dem Attentat seien zu lange unter Verschluss gehalten worden.