Organspende

Transplantationen - Grüne befürchten Ungleichbehandlung

Werden Privatpatienten bei der Organvergabe bevorzugt? Dieser Verdacht steht seit Dienstag im Raum.

Foto: dpa-Zentralbild

Für die Linken-Abgeordnete Martina Bunge ist die Sache klar: Bei Organtransplantationen zeigen sich „die zynischen Folgen der Zwei-Klassen-Medizin“. Und Eugen Brysch von der Hospiz Stiftung sieht eine „offensichtliche“ Benachteiligung von Kassenpatienten.

Zu einem echten Skandal taugt das, was der grüne Gesundheitspolitiker Harald Terpe entdeckt haben will, nicht. Es drängt sich höchstens ein Verdacht auf. Viel spricht dafür, dass Terpe ordentlich Wind um nichts macht. Vor zwei Wochen hatte das Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass Privatpatienten bei der Transplantation von Organen nicht bevorzugt würden. Der Anteil der Patenten, die im Jahr 2011 ein neues Organ bekamen, entspreche mit 9,8 Prozent fast genau dem Anteil der Mitglieder einer privaten Krankenversicherung an der Gesamtbevölkerung, sagten die Beamten von Minister Daniel Bahr (FDP). Damit war für sie der Fall erledigt. Für den Abgeordneten Terpe war er es allerdings nicht.

Terpe ließ sich von der Koordinierungsstelle Eurotransplant die Liste der deutschen Patienten geben, die im August 2012 auf ein Spenderorgan warteten. Dann schaute er auf die Transplantationen, die 2011 vorgenommen wurden. Das Ergebnis: Der Anteil der Privatpatienten, die ein neues Organ bekamen, war zum Teil deutlich höher als der Anteil der Privatpatienten auf der Warteliste. Zufall? Absicht? Wichtiger wäre die Frage gewesen: Kann man eine Momentaufnahme aus dem August 2012 mit dem ganzen Jahr 2011 vergleichen?

Terpe errechnete einen Anteil der Privatversicherten im August, die auf der Warteliste standen, für eine Leber von 9,7 Prozent. Der Anteil der Privatpatienten, die 2011 eine neue Leber bekamen, lag aber bei 13,1 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Herzen, bei Lungen und bei der Bauchspeicheldrüse, wobei einige Abweichungen durch statistische Fehler erklärbar seien, heißt es in Terpes Büro.

Das Gesundheitsministerium, die Bundesärztekammer und Eurotransplant bemühten sich am Dienstag, dem Verdacht nachzugehen. Sie präsentierten am Nachmittag eine Statistik, wonach Privatpatienten nach einer Transplantation häufiger sterben als gesetzlich Versicherte. Die Entscheidung, wer ein Spenderorgan bekomme, „findet ohne Berücksichtigung des Versichertenstatus statt“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministers. Auch werde der Versichertenstatus nachträglich erhoben. „Das Thema Organspende ist zu sensibel, um mit unverantwortlichen Spekulationen weiter Stimmung zu machen“, fügte er hinzu. Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn regte sich auf. Die Grünen würden einen „Feldzug gegen die Organspende“ führen und „Panikmache im Wochenrhythmus“ machen. Die Verunsicherung führe zu noch weniger Spenden.