Vorsorge verbessern

Regierung beschließt Anti-Krebs-Gesetz

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Foto: DPA

Jeder Vierte stirbt an Krebs – und die Zahl der Neuerkrankungen steigt. Das Rezept der Regierung: mehr Daten und Vorsorge.

Mit einer Verbesserung der Früherkennung will die Bundesregierung die Volkskrankheit Krebs entschiedener die bekämpfen. Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzesentwurf, mit dem die gesetzlichen Leistungen etwa für die Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs oder Darmkrebs ausgebaut werden sollen. Zudem sollen die Länder verpflichtet werden, in allen Krankenhäusern Krebsregister einzurichten. Hintergrund sind die Empfehlungen des Nationalen Krebsplans.

Umfangreicher als bisher sollen die Bürger künftig zur Früherkennung eingeladen werden. Sie sollen regelmäßig persönliche Briefe zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs-Untersuchungen erhalten. Bisher gibt es ein organisiertes Früherkennungsprogramm nur zur Brustkrebsfrüherkennung.

Die unterschiedlichen klinischen Krebsregister sollen bundesweit ergänzt und vereinheitlicht werden. Erfasst werden sollen die Daten der Patienten zu Diagnose, Behandlung, aber auch Nachsorge und zu Rückfällen. Die Therapien in den einzelnen Kliniken sollen so besser überprüft werden können. Die Qualität in weniger erfolgreichen Kliniken soll steigen.

Zudem sollen Erkenntnisse über die wirkungsvollsten Behandlungen gewonnen werden, so dass die Betroffenen generell davon profitieren. Vor allem in Ostdeutschland gibt es solche Datensammlungen traditionell seit Jahren, im Westen klaffen große Lücken.

Daten anonymisiert zur Verfügung stellen

„Diese Schritte sind notwendig, da Deutschland wie vergleichbare Industrienationen angesichts des demografischen Wandels vor wachsenden Herausforderungen in der Krebsbekämpfung steht“, sagte Bahr in Berlin.

Im folgenden parlamentarischen Verfahren kann es noch Änderungen geben. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn regte im Internetportal „Zeit online“ finanzielle Anreize für Vorsorge und Früherkennung an.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Pläne unzureichend. „Die Daten stehen nur Wissenschaftlern und der Politik zur Verfügung, aber nicht der allgemeinen Bevölkerung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Die Menschen wollen wissen: Wie hoch ist das Krebsrisiko in einer bestimmten Region – etwa in der Nähe einer Chemiefabrik? Wie sind die Ergebnisse in den Kliniken?“ Die Daten müssten generell anonymisiert zur Verfügung gestellt werden.

Die Deutsche Krebsgesellschaft lobte die geplante Vereinheitlichung und Ergänzung der bestehenden Register. „Es muss primär darum gehen, dass man die Patientendaten mit einer Bundesbetrachtung auswerten kann“, sagte Generalsekretär Johannes Bruns der dpa. „Von vielen lernen ist leichter als von wenigen.“

Einheitlichkeit ist ein zentraler Punkt

Gerade bei den Krebsarten mit weniger großen Fallzahlen reichten regionale Register allein nicht aus. „Wenn man schon den Schritt macht, sollte man es auch so machen, dass man aus den großen und den kleinen Datenbeständen etwas lernen kann.“ Diesem Anspruch könne das Gesetz gerecht werden.

Für wissenschaftliche Fortschritte bei den Therapien insgesamt komme es hingegen auf die bundesweite Zusammenführung und Analyse der Daten an. „Ansonsten schlummern solche Daten in den Krankenakten“, sagte Bruns. Erst auf diese Weise sei zum Beispiel erkannt worden, dass bei Brustkrebs nicht unbedingt die Entfernung bestimmter Lymphknoten nötig sei.

Die Verbesserungen bei den Daten sollen spätestens in sechs Jahren umfangreich greifen. Laut Bruns müssen erst die Krankenkassen die Details erarbeiten, dann müssten die Vorgaben umgesetzt werden.

Die Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, mahnte, bei den Krebsregistern sei Einheitlichkeit zentral. „Es darf kein Wildwuchs entstehen.“

Bruns begrüßte auch die Pläne zur Früherkennung. Zwang solle es dabei nicht geben. „Es geht um eine aufgeklärte Entscheidung.“

( dapd/dpa/nbo )

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