SPD-Debatte

Für Thilo Sarrazin ist die K-Frage bereits geklärt

Berlins ehemaliger Finanzsenator hält Frank-Walter Steinmeier für den geeigneten Kandidaten und teilt gegen SPD-Chef Gabriel aus.

Geht es nach Thilo Sarrazin, dann ist die K-Frage in der SPD inzwischen entschieden. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier werde die Partei in die Bundestagswahl führen, ist der ehemalige Berliner Finanzsenator, Bestsellerautor und Ex-Bundesbankvorstand überzeugt: „In der Frage der SPD-Kanzlerkandidatur läuft alles auf Frank-Walter Steinmeier hinaus“, sagte Sarrazin Morgenpost Online.

Warum hält Sarrazin den Wettstreit zwischen Steinmeier, SPD-Chef Sigmar Gabriel und dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück für entschieden? Er verweist hier auf die entsprechende Intervention des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD). Der hatte sich am Wochenende klar für Steinmeier ausgesprochen. Die SPD will die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur dabei eigentlich erst im Januar 2013 – nach der Wahl in Niedersachsen – fällen.

„Das überaus eindeutige Plädoyer Torsten Albigs hat die Gewichte innerhalb der SPD extrem verschoben“, sagt Sarrazin – ohne für einen Kandidaten Partei zu ergreifen. „Steinmeiers Chancen steigen damit erheblich, während Peer Steinbrück das Nachsehen hat. Es ist ja bezeichnend, dass ein ehemaliger, exzellenter Mitarbeiter Steinbrücks sich dezidiert gegen dessen Kandidatur wendet.“

Sarrazin: „Steinbrück hat Fehler gemacht”

Steinbrücks Aussichten auf die Kanzlerkandidatur schwänden auch durch „eigenes Agieren“, sagte Sarrazin: „Er hat in den vergangenen Fragen inhaltliche und taktische Fehler gemacht, wenn er für eine Schuldenunion in der Euro-Zone plädiert. Damit hat er sich von den marktliberalen und konservativen Ökonomen völlig entfremdet.“

Steinbrück gibt in den Augen Sarrazins „die politische Mitte auf, ohne dass er damit auf der linken Seite etwas dazu gewinnt“. Er ist überzeugt: „Nur noch eine große öffentliche Welle könnte Steinbrück zum Kanzlerkandidaten machen.“

Nach Sarrazins Auffassung „schlagen sich viele maßgebliche Köpfe in der SPD, die eine Kanzlerkandidatur Sigmar Gabriels verhindern wollen, nun auf die Seite Steinmeiers“. Dieser sei „auch den Linken in der SPD zu vermitteln. Gabriel ist von seiner inhaltlichen Qualifikation und seiner geringen Akzeptanz nicht vermittelbar“.

Das Verhältnis zu Sarrazin zur eigenen Partei ist seit längerer Zeit problematisch. Als Finanzsenator, der die Schulden des Landes reduzieren wollte, machte er sich bei den Linken in seiner Partei unbeliebt. Für sein umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ handelte er sich ein Parteiordnungsverfahren ein. Das Ansinnen seiner Kritiker – den Ausschluss aus der SPD – scheiterte. Damals ging SPD-Chef Gabriel Sarrazin stark an.