Bonität

Ratingagentur Moody's stuft Kreditwürdigkeit Spaniens herab

Die Bonität Spaniens sinkt nach dem Hilfsantrag deutlich. Investoren sorgen sich auch um die Kreditwürdigkeit Deutschlands.

Foto: DPA

Die Ratingagentur Moody's hat am Mittwochabend Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Wie die Agentur mitteilte, sei die Bonität Spaniens von A3 auf Baa3 herabgesetzt worden. Erst vor wenigen Tagen hatten die Euro-Finanzminister Spanien bis zu 100 Milliarden Euro für die Sanierung maroder Banken zugesagt.

Auch die Kreditwürdigkeit Zyperns wurde um zwei Stufen gesenkt. Mit Verweis auf die engen Verbindungen zum krisengeplagten Griechenland stufte die Agentur die Bonität des zyprischen Staates von Ba1 auf Ba3 herab, wie sie mitteilte. Eine weitere Herabstufung werde geprüft.

Auch die Sorge um die Kreditwürdigkeit Deutschlands wächst: Investoren fürchten, dass wegen der milliardenschweren Rettungsschirme immer höhere Kosten auf Deutschland zukommen und darunter letztlich auch die Top-Bonität der Bundesrepublik leiden dürfte.

Die Investmenttochter der Allianz, Pimco, hat ihren Anteil an deutschen Staatsanleihen verringert. Grund seien die geringen Renditen, sagte Deutschland-Chef Andrew Bosomworth. Auch mögliche Risiken spielen eine Rolle: Pimco gehe es in der derzeitigen Krise zunächst um den Erhalt des Kapitals und dann um den Ertrag, hieß es. Anleger hatten bei deutschen Staatsanleihen zwischenzeitlich sogar negative Zinssätze in Kauf genommen, um an die als sicher geltenden Papiere zu kommen.

„Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität“, sagt Fondsmanager Bosomworth. Der Vermögensverwalter hat nur noch wenige Bundesanleihen in seinen Depots. Die mageren Renditen der deutschen Titel spielten nur eine untergeordnete Rolle: „Wir achten in erster Linie auf das Rückzahlungspotenzial.“

Die Weltbank warnte, das nervenzerrende Auf und Ab in der europäischen Schuldenkrise sei eine Belastung für die gesamte Weltwirtschaft. Jüngste Kursverluste an Börsen und steigende Zinsen für Staatsanleihen zeigten, wie anfällig und nervös die Finanzmärkte seien, hieß es in Washington. Es sei völlig klar: Weder reiche Länder noch aufstrebende Staaten würden verschont, „sollte sich die Situation in Europa deutlich verschlechtern“, hieß es. Selbst eine globale Krise vom Ausmaß der letzten zwischen 2007 und 2009 sei nicht undenkbar, sagte Weltbank-Ökonom Hans Timmer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in Berlin für Vertrauen in Europa und den Euro. „Wir stehen am Scheideweg“, mahnte Merkel. Die Kanzlerin betonte erneut, die Überwindung der Finanzkrise brauche Zeit. „Deshalb wäre es auch in Europa fatal, wenn wir jetzt, wo einige Länder begonnen haben, genau in die richtige Richtung zu arbeiten, das unterbrechen würden und auf halbem Wege stehen bleiben.“

Griechen heben Euro ab

Die EU-Kommission will offenbar gegen den Widerstand Deutschlands die Einführung von Euro-Bonds in der Währungsunion vorantreiben. „Wir brauchen eine ernsthafte Diskussion über die Vergemeinschaftung nationaler Schulden in Form von Stabilitätsbonds“, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso im Europäischen Parlament in Straßburg. Die Euro-Staaten sollten sich auf die Voraussetzungen sowie einen Zeitplan dazu einigen. Barroso sagte, die Kommission könne im kommenden Herbst Gesetzentwürfe zu einer gemeinsamen Bankenaufsicht und Krisenfonds vorschlagen. Mit einer Fiskalunion dürfen die einzelnen Mitgliedsstaaten nicht mehr selbstständig neue Schulden machen. Deutschland lehnt dies bislang ab.

In Griechenland heben Sparer vor den Neuwahlen an diesem Sonntag immer mehr Geld von ihren Konten ab. Nach offiziellen Angaben haben die Bürger seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 rund 80 Milliarden Euro von den Banken abgezogen. Die Wahl am Sonntag gilt als Richtungsentscheidung über den Verbleib des Landes im Euro-Raum. Sollte Griechenland aus dem Euro austreten, könnten die Nachbarländer gegebenenfalls die Grenzen schließen und Kapitalkontrollen einführen. Das EU-Recht erlaube dies unter bestimmten Umständen, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission. Auch eine Obergrenze für Abhebungen an griechischen Geldautomaten könnte eingeführt werden.

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