Antrittsbesuch

Gauck würdigt Bundeswehr als "Friedensmotor"

In Hamburg bezeichnet der Bundespräsident militärische Gewalt als "notwendiges Übel" und nennt Soldaten "Mut-Bürger in Uniform".

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Bundespräsident Joachim Gauck hat die Bundeswehr am Dienstag als „Friedensmotor“ gewürdigt.

Bei seinem Antrittsbesuch in der Hamburger Führungsakademie bezeichnete er militärische Gewalt zwar als ein Übel. „Aber sie kann – solange wir in der Welt leben, in der wir leben – notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden“, sagte Gauck. Die Soldaten lobte er als „Mut-Bürger in Uniform“.

Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenwürde entstünden nicht von allein, das wüssten gerade die Deutschen, denen einst ausländische Soldaten die Möglichkeit der Freiheit geschenkt hätten. Auf dem Balkan, in Afghanistan und vor Somalia sei die Bundeswehr heute im Einsatz gegen Terror und Piraten. Sie trage zur Lösung von Konflikten bei und schaffe friedliche Koexistenz, wo Hass regiere. Auf die geplanten Standortschließungen im Rahmen der Bundeswehrreform ging Gauck nicht ein.

Der Bundespräsident wurde in der Führungsakademie von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) mit militärischen Ehren begrüßt. Beide schritten eine Ehrenkompanie des Wachbataillons ab. Rund 100 Kinder des evangelischen Kindergartens in der Bundeswehreinrichtung hatten sich aufgestellt und überreichten dem Bundespräsidenten selbst gebastelte Papier-Blumen.

Der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Achim Lidsba, wertete Gaucks Besuch als Signal für die Arbeit der höchsten militärischen Ausbildungsstätte der Bundeswehr. Die Führungsakademie feierte am Dienstag „50 Jahre Internationaler Generalstabslehrgang“ - ursprünglich sollte Gaucks Vorgänger Christian Wulff zu der Veranstaltung kommen.

Gauck fordert mehr Verständnis für Soldaten

Gauck zitierte seinen Amtsvorgänger Horst Köhler, der ein „freundliches Desinteresse“ der Bürger für ihre Armee kritisiert hatte und appellierte an die Gesellschaft, den Aufgaben der Soldaten mehr Verständnis entgegen zu bringen. Als „Zivilist hier im friedlichen Deutschland“ könne man sich die Entbehrungen und Gefahren eines Lebens im afghanischen Mazar-i-Sharif oder in Prizren im Kosovo nur schwer vorstellen. Andere wollten nicht behelligt werden mit Gedanken an Terror, zerfallene Staaten oder die Missachtung von Menschenrechten.

Dabei müsse gerade den Deutschen klar sein, dass Frieden und Freiheit „nicht von allein entstehen“, mahnte Gauck. „Eine funktionierende Demokratie“ erfordere „Aufmerksamkeit, Mut und manchmal auch das Äußerste, was ein Mensch geben kann: das eigene Leben“.

Gauck wurde am Morgen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und einer Ehrenformation des Wachbataillons in der Clausewitz-Kaserne begrüßt. Anschließend hießen ihn Kinder der evangelischen Kindertagesstätte auf dem Gelände willkommen.

Gauck: "Bundeswehr ist Stütze der Freiheit"

Der Rostocker Gauck erinnerte in seiner Ansprache daran, dass er in seinem Leben das Militärische als Begrenzung der Freiheit kennengelernt habe. Die „Volksarmee“ der DDR sei einer Partei verpflichtet gewesen, die sich nicht scheute, Soldaten auch gegen das Volk einzusetzen.

Die Bundeswehr sei jedoch keine Parteienarmee, sondern eine „Parlamentsarmee“, deren Einsätze unter dem Vorbehalt der Volksvertreter stünden. „Diese Bundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sie ist eine Stütze unserer Freiheit.“ Der Aufbau der Bundeswehr sei ein Teil des „Demokratiewunders“, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen und vor mehr als zwei Jahrzehnten auch im Osten des Landes vollzogen habe.

Die Soldaten schützten Freiheit und Sicherheit, Menschenwürde und das Recht jedes Einzelnen auf Unversehrtheit. Es müsse mehr über die Einsätze der Bundeswehr debattiert werden.