Bürgerfest

Bundespräsident Joachim Gauck lädt alle Berliner ein

Das Bürgerfest am 8. und 9. September wird erstmals zwei Tage dauern. Führungen durch das Schloss und den großen Garten sind geplant.

Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck öffnet in diesem Jahr die Pforten des Schlosses Bellevue für alle Berliner. Das diesjährige Bürgerfest findet erstmals an zwei Tagen statt. Voraussichtlich am Sonnabend, dem 8. September, lädt der Bundespräsident Menschen aus ganz Deutschland ins Schloss Bellevue ein und ehrt sie für ihr bürgerschaftliches Engagement. Am Sonntag, den 9. September, soll das Bürgerfest dann erstmals offen für alle Berliner sein. „Es sind Führungen durch das Schloss und den Park geplant“, sagte der Sprecher des Bundespräsidenten, Andreas Schulze, am Freitag.

Wegen des kurzfristigen Amtswechsels hatte Joachim Gauck das für Juni geplante Bürgerfest verschoben. Gauck werde die Tradition eines großen Festes im Park von Schloss Bellevue zur Würdigung von Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich für Demokratie und das Gemeinwohl engagieren, fortsetzen, hieß es im Bundespräsidialamt. „Die konzeptionellen und planerischen Vorbereitungen für dieses Fest haben bereits begonnen.“ Offiziell soll das Programm des zweitägigen Bürgerfestes Ende Juli oder Anfang August vorgestellt werden.

Seit dem Umzug nach Berlin laden die Bundespräsidenten jährlich zum Sommerfest in das Schloss Bellevue ein. Finanziert werden die Feste nicht aus Steuergeldern, sondern durch Sponsoren, die im Gegenzug die Möglichkeit erhalten, sich und ihr soziales Engagement auf dem Fest zu präsentieren. Von Jahr zu Jahr wechselt der Großteil der Sponsoren. Welche Unternehmen das Fest in diesem Jahr unterstützen, ist noch nicht endgültig geklärt.

Sponsoring-Affäre Wulff

Neben dem Bürgerfest des Bundespräsidenten veranstaltet auch die Bundesregierung zu wichtigen Jahrestagen ein öffentliches Bürgerfest, zum Beispiel zum Gründungstag der Bundesrepublik Deutschland am 24. Mai – zuletzt 2009 – oder dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Nach der Affäre um Gaucks Vorgänger waren die Sponsorentätigkeiten von Unternehmen für politische Events in die Kritik geraten. Wulff war unter anderem wegen Sponsorengeschäften beim sogenannten Nord-Süd-Gipfel in die Kritik geraten und schließlich im Februar dieses Jahres zurückgetreten. Im Zuge der Affäre kündigten mehrere Unternehmen an, künftig keine oder weniger Sponsoringaktivitäten zu leisten.

Im vergangenen Jahr stand das Fest unter dem Motto der Kinder. Das Ehepaar Wulff hatte rund 500 Kinder in das Schloss geladen und sie und ihre Eltern bewirtet. Schauspielgruppen unterhielten die insgesamt rund 5000 Gäste. Probleme bereitet dem Bundespräsidialamt nach Informationen der Berliner Morgenpost, wie der Besucheransturm bewältigt werden kann. Mehrere Einlassschleusen werden den Zugang zum Schloss regeln. Besucher des Festes werden mit langen Wartezeiten rechnen müssen. Es wird das erste Mal sein, dass der Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten öffentlich zugänglich ist.

Nach dem Rücktritt Wulffs im Februar hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Joachim Gauck als dessen Nachfolger vorgeschlagen. Die Bundesversammlung wählte Gauck am 18. März dieses Jahres mit 991 Stimmen zum Bundespräsidenten, die Kandidatin der Linkspartei, Beate Klarsfeld, erhielt 118 Stimmen. In seiner Antrittsrede widmete sich Gauck den zentralen Themen Freiheit und Gerechtigkeit. Er betonte zugleich, dass er den von seinem Vorgänger begonnenen Ansatz einer einladenden, offenen Gesellschaft fortsetzen wolle. Die Öffnung des Bürgerfestes für alle Berliner und deren Gäste ist also ein erstes Zeichen dieser Öffnung.

Bereits 2010 war Gauck als Kandidat für das Amt angetreten, damals von der SPD und den Grünen nominiert. Damals unterlag er dem Kandidaten der Bundsregierung, Christian Wulff.

Amtssitz seit 1957

In der kommenden Woche reist Gauck zunächst zu einem Staatsbesuch nach Israel. Der Bundespräsident besucht im Rahmen dieser Reise zugleich die palästinensischen Gebiete. Am Mittwoch wird er vom israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres empfangen.

Das Schloss Bellevue ist seit 1957 der Berliner Amtssitz des Bundspräsidenten. 1994 verlegte Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz von Bonn nach Berlin, in den folgenden Jahren entstand neben dem Schloss das neue Bundespräsidialamt. 2004 wurde das Schloss renoviert und zwei weitere Jahre später dem Bundespräsidenten erneut übergeben.

Das Schloss Bellevue wurde vom jüngsten Bruder Friedrich II., Ferdinand von Preußen, in Auftrag gegeben. Fertiggestellt wurde das Gebäude im Jahr 1786. Ferdinand von Preußen nutzte es bis zu seinem Tod 1813 als Lustschloss. Danach wechselten die Eigentümer und Nutzer häufig. 1843 wurde es von Friedrich Wilhelm IV. erworben, der in einem Flügel des Erdgeschosses das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Preußen eröffnete. Die „Vaterländische Galerie“ war der Vorläufer der heutigen Nationalgalerie.

Im Ersten Weltkrieg diente Schloss Bellevue als Sitz der Obersten Heeresleitung, später wurde es als Volksküche, Bürogebäude, Ausstellungshalle und Gästehaus genutzt. Bundespräsident Roman Herzog war der erste Amtsinhaber, der auch in einem Seitenflügel des Schlosses wohnte.

Den Namen erhielt das Schloss Bellevue („schöner Ausblick“) wegen des damaligen Ausblicks nach Westen in den Tiergarten hinein, der bis zum Schloss Charlottenburg reichte, und der direkt nebenan fließenden Spree.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen