Linken-Parteivorsitz

Sarah Wagenknecht stehen alle Wege nach oben offen

Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaines aus dem Machtkampf der Linken ist nun dessen Lebensgefährtin als Parteichefin im Gespräch.

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Oskar Lafontaine versuchte sich vornehm zurückzuhalten, als er nach Sarah Wagenknecht gefragt wurde. Anne Will wollte in ihrer ARD-Talkshow von ihm wissen, ob seine Lebensgefährtin denn als Chefin der Linken geeignet wäre. „Ich würde sagen, da sollte man Andere urteilen lassen“, antwortete er am Mittwochabend. Dann konnte er sich seine Empfehlung dann aber doch nicht verkneifen. „Ich habe den Eindruck, dass sie nicht so schlecht beurteilt wird.“

Die Werbekampagne für die frühere Wortführerin der linksorthodoxen Kommunistischen Plattform war unmittelbar zuvor von Parteichef Klaus Ernst eingeleitet worden. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ sprach er sich klar für Wagenknecht aus. Man kann davon ausgehen, dass er das nicht ohne Absprache mit Lafontaine und Wagenknecht tat. Ernst gilt im Machtkampf bei der Linken als Wortführer des Lafontaine-Lagers. Seine Gegner verspotten ihn inzwischen sogar als Pressesprecher des Saarländers.

Der IG-Metaller Ernst gehört zum westdeutschen Gewerkschaftsflügel der Partei, der nach dem Rückzug Lafontaines fürchtet, bei der Vorstandswahl Anfang Juni in Göttingen leer auszugehen. Erstes Ziel der Lafontaine-Treuen ist es, den ostdeutschen Reformer Dietmar Bartsch als Parteichef zu verhindern. Zweites Ziel ist es, in der neuen Parteiführung möglichst weit oben repräsentiert zu sein.

Traumjob Vorsitzende der Bundestagsfraktion

Wagenknecht war in den vergangenen Monaten immer wieder als potenzielle Kandidatin für den Parteivorsitz gehandelt worden, hatte Ambitionen aber stets bestritten. Ihr Traumjob ist eigentlich Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Bisher scheiterte dieser Karriereschritt an Gregor Gysi. Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag verhinderte zuletzt im November letzten Jahres, dass Wagenknecht an seine Seite aufrückt. Die gebürtige Jenaerin mit Wahlkreis in Düsseldorf musste sich mit dem Titel „Erste Stellvertreterin“ begnügen. Immerhin landete sie in der Fraktionshierarchie damit vor Bartsch.

Jetzt scheint der Parteivorsitz für Wagenknecht grundsätzlich infrage zu kommen. „Ich hoffe, dass diese Variante nicht notwendig sein wird, und wir trotzdem eine gute Lösung finden“, formulierte sie nach dem Vorstoß Ernsts vorsichtig. Im Klartext heißt das: Ich bin bereit, wenn ich heftig genug gebeten werde.

Nach diesem Motto war auch Lafontaine verfahren – und letztlich gescheitert. Wagenknecht könnte in einem zweiten Wahlgang antreten, wenn die sächsische Parteivize Katja Kipping im ersten Durchgang gewählt wird. Dann müsste sie sich gegen Bartsch und die Co-Kandidatin Kippings, Katharina Schwabedissen, durchsetzen.

Größtes Talent der Partei

Die Chancen Wagenknechts stünden nicht schlecht. Die 42-Jährige gilt als größtes Talent der Partei. Ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Plattform lässt sie seit ihrer Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden vor zwei Jahren ruhen, um klar zu machen, dass sie sich als Repräsentantin der gesamten Partei versteht.

Am vergangenen Sonntag hielt Wagenknecht auf einer Parteikonferenz in Berlin eine flammende Rede, in der sie die anstehenden Personalentscheidungen als strategische Weichenstellung wertete. Die Linke müsse wieder stark gemacht werden, „und deswegen dürfen wir sie nicht denen überlassen, die aus ihr eine Light-Version machen wollen“, rief sie. Lafontaine saß applaudierend in der ersten Reihe.