Frankfurt am Main

Polizei riegelt wegen Blockupy-Protest Bankenviertel ab

Blockupy-Aktivisten haben trotz Verbots in Frankfurt protestiert. Die Polizei rückte mit Wasserwerfern vor der Europäischen Zentralbank an.

Foto: MANG, CHRISTIAN

Demonstranten der Blockupy-Bewegung und die Polizei haben sich am Freitag in Frankfurt am Main ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert. Nach dem von der Stadt verhängten Versammlungsverbot zogen die Demonstranten in mehreren Gruppen durch Frankfurt, um gegen den Kurs der Politik in der Euro-Schuldenkrise zu protestieren.

Die Polizei, die das Bankenviertel und den Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) abgeriegelt hatte, löste mehrere Kundgebungen auf. Bis zum Mittag nahm sie rund 400 Menschen vorübergehend in Gewahrsam. Die Polizei sprach von insgesamt etwa 1000 Demonstranten. Ein Sprecher der Veranstalter schätzte deren Zahl auf 3000 bis 4000. Beide Seiten bezeichneten die Proteste als im Wesentlichen friedlich.

Es kam zu Verkehrsbehinderungen, ein Teil der Stadtautobahn und mehrere Hauptstraßen wurden gesperrt – ebenso wie einige U-Bahn-Stationen in der Innenstadt. Am Hauptbahnhof verriegelte die Polizei zahlreiche Zugänge zur U- und S-Bahn, Passanten mussten durch ein Spalier von Polizisten gehen. In vielen Straßen beherrschten Polizisten in schwarzer Schutzkleidung sowie parkende Kolonnen von Polizei-Mannschaftswagen aus mehreren Bundesländern das Bild.

Etwa 200 Demonstranten der Blockupy-Bewegung ließen sich unter den Augen von etwa genauso vielen Polizisten an den Absperrgittern vor dem EZB-Hochhaus nieder. In Sprechchören prangerten sie die Krisenpolitik der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds an. Im Hintergrund hatte die Polizei Fahrzeuge mit Wasserwerfern aufgefahren.

Der Begriff „Blockupy“ setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „block“ (blockieren) und „occupy“ (besetzen).

„Die EZB sollte das billige Geld nicht den Banken, sondern den Staaten geben“, sagte der 62-jährige Sozialpädagoge Günther Stamer aus Kiel. Die EZB sei Teil der Krise, pflichtete die 16-jährige Schülerin Lucia aus Bremen bei. Deutschland bereichere sich auf Kosten von Griechenland, erklärte der 17-jährige Schüler Fabian.

Rund 40 Organisationen haben noch bis Sonnabend unter dem Schlagwort „Blockupy“ zu Protesten in Frankfurt gegen die Krisenpolitik aufgerufen. Die Stadt hat die meisten Demonstrationen verboten und zur Begründung auf Sicherheitsbedenken verwiesen. Ausnahme ist ein Demonstrationszug am Sonnabend. Dazu werden bis zu 30.000 Menschen erwartet, darunter auch rund 2000 gewaltbereite Autonome aus ganz Europa. Die Polizei setzt nach eigenen Angaben 5000 Beamte ein, äußert sich aber nicht zu ihrer Einsatzstärke an einzelnen Tagen.

Polizisten hatte bereits am Donnerstag den Rathausplatz geräumt, wo 700 Aktivisten demonstrierten. Am Mittwoch war das Protest-Camp vor der EZB aufgelöst worden.

Die Banken in Frankfurt bemühten sich um Normalbetrieb. Etliche Mitarbeiter nutzten den Brückentag nach Christi Himmelfahrt als Urlaubstag oder arbeiteten von zu Hause. Störungen gebe es aber nicht, hieß es unisono aus den Bankentürmen. „Unser operatives Geschäft ist nicht eingeschränkt. Wir waren gut vorbereitet“, sagte eine Sprecherin der Commerzbank. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Deutschen Bank.

Die Commerzbank hatte bereits angekündigt, ihre Zentrale in der Innenstadt bis Sonntag geschlossen zu halten. Das gelte vorübergehend auch für einige Filialen. Bei der Helaba kamen am Freitag nur ein paar hundert Mitarbeiter zu Arbeit – normalerweise sind es etwa 2000.

Viele Geldhäuser hatten ihren Angestellten geraten, den Anzug zu Hause zu lassen und stattdessen in Freizeitkleidung zur Arbeit zu kommen. Die Deutsche Börse verlegte den schon länger geplanten Börsengang der chinesischen Bekleidungsfirma Goldrooster wegen „Blockupy“ von Frankfurt nach Eschborn. „Es ist damit der erste Börsengang in Eschborn“, sagte ein Konzernsprecher.