Aussage

Ex-Terroristin Becker bestreitet Beteiligung an Buback-Mord

Verena Becker hat vor Gericht erstmals ihr Schweigen gebrochen. Sie muss sich wegen Mittäterschaft am Mordanschlag von 1977 verantworten.

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat eine direkte Beteiligung am Buback-Mord bestritten. „Ich war nicht dabei“, sagte Becker am Montag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Sie muss sich dort wegen Mittäterschaft am Mordanschlag auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 verantworten.

Sie sei auch an den konkreten Anschlagsvorbereitungen nicht beteiligt gewesen, sagte sie. „Die Tatvorwürfe sind alles falsche Behauptungen, die ich so nicht stehen lassen kann.“ Sie sei bis zu ihrer Verhaftung im Mai 1977 nie in Karlsruhe gewesen, so Becker. Zur Zeit des Attentats habe sie sich „im Nahen Osten“ aufgehalten. Von dort sei sie erst am Tag nach dem Attentat nach Europa zurückgekehrt. Auch könne sie die Frage nicht beantworten, wer Buback ermordet habe.

Bei einem Treffen der RAF-Terroristen 1976 sei über ein mögliches Attentat auf Buback diskutiert worden, sagte Becker. Sie sei jedoch weder als Mitglied des Kommandos vorgesehen noch an den Vorbereitungen beteiligt gewesen.

In der rund 20-minütigen Erklärung führte Becker aus, sie habe sich bis einen Tag nach dem Attentat auf Buback im Jemen aufgehalten und sei über Rom in die Bundesrepublik zurückgekehrt. „Ich erfuhr in Rom aus Zeitungen vom Anschlag auf Buback“, sagte die Angeklagte

Die 59-Jährige hatte seit Prozessbeginn am 30. September 2010 geschwiegen. Die Angeklagte begründete ihre Aussage damit, dass gegen sie mehrere falsche Beschuldigungen erhoben worden seien, die sie nicht habe stehen lassen können. „Ohne falsche Behauptungen wäre eine Anklageerhebung nicht möglich gewesen“, sagte sie.

Am 7. April 1977 waren in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter getötet wurden. Bis heute ist ungeklärt, wer damals die tödlichen Schüsse auf Buback abgefeuert hatte.

Becker wird vorgeworfen, maßgeblich an Planung und Vorbereitung des Attentats beteiligt gewesen zu sein. Bei dem Anschlag waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten RAF-Terroristen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt.

Michael Buback, Sohn des RAF-Opfers und Nebenkläger im Prozess, ist davon überzeugt, dass Becker selbst die Todesschützin gewesen ist. Hierfür hat der Prozess allerdings bislang keine belastbaren Anhaltspunkte ergeben.

An Michael Buback gerichtet sagte Verena Becker im Gericht: „Sie wollen wissen, wer Ihren Vater getötet hat. Diese Frage kann ich nicht beantworten, ich war nicht dabei.“ Zu dem Umstand, dass bei ihrer Festnahme im Mai 1977 die bei dem Mordanschlag auf Buback benutzte Tatwaffe sichergestellt wurde, sagte die Angeklagte, mit dieser Waffe habe sie nie geschossen.