Nordrhein-Westfalen

Norbert Röttgen wird zum Wahlkampf-Buhmann

| Lesedauer: 3 Minuten
Robin Alexander und Philipp Neumann

Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zögert, sich auch im Falle einer Niederlage als Oppositionsführer zur Verfügung zu stellen. Weil Röttgen sich nicht festlegen will, gerät sogar die Kanzlerin in Sorgen.

Norbert Röttgen hat ja versucht, in die Offensive zu kommen. Der Umweltminister und Spitzenkandidat der NRW-CDU will Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) an ihrer Achillesferse treffen: der Wirtschafts- und Finanzpolitik ihrer rot-grünen Regierung. Dazu wollte Röttgen einen wort- und wirkungsmächtigen Verbündeten gewinnen: Friedrich Merz, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag, nie ersetzter führender Wirtschaftspolitiker der Union und – obwohl er längst nicht mehr politisch, sondern für eine internationale Kanzlei tätig ist – hoch angesehen in Land und Partei.

Röttgen warb um Merz' Unterstützung. Am Wochenende kam es zwischen beiden zu einem Vier-Augen-Gespräch. Doch daraus entstandene Meldungen, Merz ginge ins Schattenkabinett von Röttgen, waren verfrüht. Eine damit verbundene Bewerbung für ein Ministeramt schloss Merz im Gespräch mit Morgenpost Online aus. Zwar wolle er Röttgen unterstützen, aber in der CDU wächst die Sorge, dass der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen schon beim Start verloren geht.

Der Grund ist: Statt um das Scheitern der Minderheitsregierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) oder die Verschuldungspolitik ihrer rot-grünen Regierung kreist die Debatte weiter allein um den christdemokratischen Spitzenkandidaten. Um Norbert Röttgen, der Umweltminister im Bundeskabinett ist und es augenscheinlich auch bleiben will. Zwar legte sich Röttgen auch am Montag nicht fest, jedoch verdichten sich Hinweise, dass er sein Ministeramt im Wahlkampf nicht niederlegen und auch nicht im Falle einer Wahlniederlage als Oppositionsführer nach Düsseldorf wechseln will. Lediglich im Falle eines Wahlsieges werde er sicher nach Düsseldorf wechseln – als Ministerpräsident.

„Norbert, bist du feige? Christian nicht“

Die anderen Parteien haben sich auf Röttgen als Buhmann des Wahlkampfes bereits eingeschossen – in teilweise heftiger Form. Nur als „Durchgangsstation für die eigene politische Karriere“ sehe Röttgen seine Kandidatur, ätzte SPD-Chef Sigmar Gabriel: Röttgen habe die Wahl „eigentlich schon verloren gegeben“. Selbst der Koalitionspartner im Bund, die FDP, schonte Röttgen nicht: Bundestagsabgeordnete wie Burkhardt Müller-Sönksen posteten hämisch ein im Stile der neuen FDP-Kampagne erstelltes Plakat: „Norbert, bist du feige? Christian nicht“. Das bezieht sich auf Christian Lindner, den FDP-Spitzenkandidaten, der im Gegensatz zu Röttgen erklärte, „selbstverständlich“ für eine Oppositionsrolle zur Verfügung zu stehen.

Röttgens Getreue reagieren zunehmend aggressiv auf die nicht abreißende Debatte: „Wir lassen uns unseren Ministerpräsidentenkandidaten nicht entmannen“, sagte der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke. „Wir brauchen keine Ratschläge von außen“, schimpfte der Fraktionsvorsitzende Karl-Josef Laumann.

Auch viele Röttgen-Anhänger sind enttäuscht

Röttgens Problem sind aber weniger die Attacken von außen als die nicht abreißende Diskussion in seinem eigenen Landesverband. „Es kann keinem gefallen, dass diese Frage offenbleibt“, sprach der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach aus, was viele denken. Bei der CDU in Rhein und Ruhr sind auch viele Röttgen-Anhänger enttäuscht. Sie hatten darauf gesetzt, dass sich der früh auf die Bundesebene gewechselte Politiker im Falle eines Wahlkampfes bedingungslos für das Land entscheidet. Röttgen hatte vor seiner Wahl zum Landesvorsitzenden diesen Eindruck auch durchaus geweckt.

Die Sorge um den verpatzen Wahlkampfstart treibt auch die Berliner Parteispitze um. Die Hinweise der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel in Richtung Röttgen gewinnen jedenfalls an Deutlichkeit.

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