Ranking

Die Forschungsministerin bekommt die Note Vier

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Foto: dpa / dpa/DPA

Deutschlands Hochschullehrer vermissen an ihren Wissenschaftsministern vor allem visionäre Kraft und Charisma. Die zuständige Bundesministerin ist da keine Ausnahme.

Rache ist süß und selbst ehrenwerten Hochschullehrern ist dieses Gefühl natürlich nicht fremd. Viele von ihnen leiden darunter, dass sie und ihre Arbeit ständig in Rankings auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Verantwortlich dafür sind häufig die Wissenschaftsminister und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Dort wurden Exzellenzinitiativen erfunden, werden Studien und Institute finanziert, die nach Qualität suchen und sie hie mehr, da weniger finden. Nun rächen sich die Betroffenen – und bewerten diejenigen, die ihnen das Ranking-Unwesen aufgezwungen haben: die Wissenschaftsminister.

Der Deutsche Hochschulverband, in dem die Hochschulprofessoren, Privatdozenten und Habilitanden organisiert sind, hat seine Mitglieder gebeten, ihren jeweiligen Landesministern und der Bundesbildungsministerin Annette Schavan Noten zu geben. Rund 3300 haben geantwortet. Das Ergebnis: Ganz oben landet die weitgehend unbekannte Ressortchefin aus Sachsen-Anhalt Birgitta Wolff (CDU) mit Note 2,77. Am Montag wird sie in Hannover den Preis als Wissenschaftsministerin des Jahres entgegennehmen.

Annette Schavan landet mit 3,79 auf Platz neun

Es folgen auf den Plätzen zwei und drei Johanna Wanka (CDU) aus Niedersachsen (3,11) und der, zum Zeitpunkt der Befragung noch im Amt befindliche Bildungssenator aus Berlin, Jürgen Zöllner (SPD, 3,17). Auf den letzten Plätzen finden sich Svenja Schulze (SPD) aus Nordrhein-Westfalen (4,08), Jost de Jager (CDU, 4,29) aus Schleswig-Holstein vor der hessischen Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die knapp an Note 5 entlangschrammt (4,44). Annette Schavan landet mit 3,79 auf Platz neun zwischen den Ministern aus Sachsen und Thüringen.

Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen, die Auswahl habe etwas mit Standesdenken zu tun. An der Spitze stehen drei Politiker, die die Universitäten bestens von innen kennen, weil sie selbst lange als Professoren gearbeitet haben. Wolff hat zudem Heimbonus – sie hat einen Lehrstuhl an der Uni Magdeburg.

Die Kenntnis inneruniversitärer Abläufe gehört für die Befragten zu den vier wichtigsten Eigenschaften eines Ministers – nach Durchsetzungskraft im Kabinett und einer generell guten Hochschulpolitik. „Egal wie gut ein Minister abgeschnitten hat, es wird beklagt, dass er im Kabinett eher ein Dörnröschendasein führt“, sagt Georg Rudinger von der Universität Bonn, der die Befragung mit einem Kollegen durchführte.

Politiker, ohne Titel und Ruf

Am wichtigsten ist den Befragen der Einsatz für eine angemessene finanzielle Ausstattung der Hochschulen. Für am wenigsten relevant erachten sie Charisma, rhetorische Kompetenz und: gute Politik für Fachhochschulen. Das verrät wohl, Professoren welcher Hochschulen sich vornehmlich an der Studie beteiligt haben.

Ganz unten im Ranking landen die „reinen“ Politiker, jene ohne Titel und Ruf. Es hat den Anschein, als hätten sie per se einen Vertrauensrückstand aufzuholen. Peinlich ist die schlechte Platzierung vor allem für Jost de Jager. Er will im Mai Ministerpräsident in Schleswig-Holstein werden. Offenbar macht er nach Meinung derjenigen, für die er in den letzten Jahren Verantwortung trug, aktuell noch keinen besonders guten Job.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan erreicht ihr bestes Ergebnis (Note: 2,83), wenn danach gefragt wird, ob sie sich mit ihrer Aufgabe identifiziere. Für einen Politiker ist das schon was. Darüber hinaus hält man sie für weitgehend integer, wenngleich man bei ihr, wie auch bei den übrigen Ministerin visionäre Kraft und Charisma vermisst. Das dürfte Schavan, die bisweilen selbst mit ihrer Glanzlosigkeit kokettiert, freilich nicht sonderlich belasten.

Bessere Bezahlung für junge Professoren

Unerfreulich für sie dürfte hingegen sein, wie eines ihrer Hauptanliegen bewertet wird: die Bologna-Politik. Den Reformprozess, der sich nach der oberitalienischen Stadt benennt und die Einführung von Bachelor und Master meint, hat Schavan seit den Studentenprotesten 2009 zu ihrem Thema gemacht. Sie hat eine jährliche Konferenz einberufen und mahnt regelmäßig die Hochschulen weitere Reformschritte zu wagen. Doch die Reform ist so unbeliebt, dass wohl jegliches Bemühen darum, nicht hilft, den eigenen Ruhm zu mehren. So muss sich die Ministerin hier mit einer kläglichen 4,33 bescheiden.

Noch weniger überzeugen kann nur noch ihr Einsatz für eine angemessene Vergütung wissenschaftlicher Arbeit (4,49). Die Besoldung der Hochschullehrer hat sie tatsächlich öffentlich nie wirklich thematisiert. Vor Kurzem wurde sie dazu genötigt, als das Bundesverfassungsgericht in der Angelegenheit eines Chemieprofessors entschieden hat, dass das Land Hessen dessen Gehalt nicht angemessen angesetzt hat.

Danach sprach sich Schavan dafür aus, vor allem junge Professoren besser zu bezahlen. Ob es hilft und die Hochschullehrer ihr Sternchen kleben, wird das kommende Jahr zeigen. Dann wird die Befragung wiederholt. Es wird weiter zurückgerankt.

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