Hausfrauenrolle schuld

Ostdeutsche Frauen risikofreudiger als westdeutsche

Westdeutsche Frauen, vor allem ältere, haben weniger Mut zum Risiko als ostdeutsche. Das liegt offenbar an der Hausfrauentätigkeit. Auch bei Männern gibt es einen Unterschied.

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Ostdeutsche Frauen haben mehr Mut zum Risiko als westdeutsche. Das geht aus einer Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts Berlin hervor. Am deutlichsten fällt der Unterschied in der Gruppe der zwischen 1950 und 1959 geborenen Frauen aus; bei später Geborenen nähert sich die Risikobereitschaft an.

Der Leiter der Studie, der Soziologe Christian Schmitt, führt dies auf einer stärkere Einbindung der ostdeutschen Frauen ins Arbeitsleben zurück. „Bei westdeutschen Frauen dominierte das Hausfrauenmodell“, sagte Schmitt „Morgenpost Online“. Das habe sich auch auf die Risikoneigung ausgewirkt. Insgesamt zeigten Frauen in Ost- wie in Westdeutschland aber weniger Risikoneigung als Männer.

Unterschiede bei Entscheidung für Kinder

Die Studie ergab zudem, dass risikofreudige ostdeutsche Männer sich eher für ein Kind entscheiden als andere. Zwischen 1991 und 1998 lag bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, sich für eine Vaterschaft zu entscheiden, um mehr als 60 Prozent höher als bei anderen.

„Die Jahre nach der Wiedervereinigung waren für viele Ostdeutsche mit zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit verbunden“, sagte Schmitt. „Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich vor allem risikobereite Männer fürs Vatersein entscheiden.“

Bei weniger risikobereiten ostdeutschen Männer, bei ostdeutschen Frauen sowie bei westdeutschen Männern und Frauen konnte der Soziologe keinen Zusammenhang zwischen der individuellen Risikobereitschaft und der Geburt des ersten Kindes feststellen. „Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, scheint mehr von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der persönlichen Arbeitsmarktsituation abzuhängen“, so Schmitt.

Risikoneigung im Osten nicht schwächer

So kam es in den 90er-Jahren, als die Ostdeutschen erstmals mit einem kompetitiv ausgerichteten Arbeitsmarkt konfrontiert waren, zu einem massiven Rückgang der Geburten in Ostdeutschland. In Westdeutschland hingegen verringerte sich die Zahl der Geburten zwischen 1999 und 2007, also zu einer Zeit, als der Arbeitsmarkt zunehmend flexibilisiert wurde. Christian Schmitt: „Für die Westdeutschen bedeutete das einen Bruch mit alt bekannten Sicherheiten. Das führte dazu, dass viele ihren Kinderwunsch aufschoben oder ganz auf Kinder verzichteten.“

Die Grundthese der Studie, dass die Risikoneigung im Osten bei den älteren Jahrgängen aufgrund der Sozialisierung in starren staatlichen Strukturen weniger ausgeprägt ist als im Westen, bestätigte sich nicht.

Die Studie basiert auf den Daten des so genannten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Dafür werden jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen in rund 11.000 Haushalten vom Umfraginstitut TNS Infratest befragt. Die Risikoneigung wird seit 2004 erhoben.