Ehemalige Kandidatin

Hamm-Brücher für Direktwahl des Bundespräsidenten

Hildegard Hamm-Brücher, die 1994 selbst Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin war, will das Wahlverfahren dem "Kalkül der Parteien" entziehen.

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Die frühere FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher fordert für die Zukunft eine Direktwahl des Bundespräsidenten. Amt und Wahlverfahren müssten „dem unmittelbaren Kalkül der Parteien“ entzogen werden, schreibt die frühere Staatsministerin im Auswärtigen Amt in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“.

Das bisherige Wahlverfahren durch die Bundesversammlung sei „eine Konsequenz aus den negativen Erfahrungen der Weimarer Demokratie“ mit „Reichspräsident von Hindenburg als Schreckgespenst“. Inzwischen könnten aber „zumindest teilweise auch die Bürgerinnen und Bürger in dieses Auswahlverfahren mit einbezogen werden“, so Hamm-Brücher, die 1994 selbst Kandidatin der FDP für das Amt des Bundespräsidenten war. „Alle unsere Nachbarn, soweit es keine Monarchien sind, lassen das Volk wählen.“

Den künftige Bundespräsidenten Joachim Gauck bezeichnet die 1921 gebrorene Ham-Brücher als „eine inspirierende Persönlichkeit“. Sie denke, dass er die notwendigen Initiativen gegen die Verdrossenheit der Menschen, die Entfremdung zwischen Parteien und Bürgergesellschaft ergreifen wird. Die Linken-Kandidatin Beate Klarsfeld würdigt Hamm-Brücher als jemand, der in Erinnerung rufe, „wie wenig erfolgreich in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik die Aufarbeitung der Vergangenheit betrieben wurde“.

Hamm-Brücher ist die älteste unter den Wahlleuten, die am Sonntag den neuen Bundespräsidenten wählen. Sie kehrte den Freidemokraten vor zehn Jahren den Rücken und wurde nun von den hessischen Grünen für die Bundesversammlung vorgeschlagen.

Die jüngste Wahlfrau ist Katharina Digel, die mit gerade einmal 19 Jahren über das neue deutsche Staatsoberhaupt abstimmt. Die engagierte Jugendgemeinderätin ist Mitglied der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos. Die Gymnasiastin aus Reutlingen muss nach der Wahl schnell zurück in die Heimat fliegen – am Montagmorgen steht ihre schriftliche Abiturprüfung in Deutsch an.

Auch drei deutsche Spitzensportlerinnen aus dem Behindertensport werden am 18. März ihre Stimme abgeben. Die blinde Skilangläuferin Verena Bentele ist vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin. Schwimmerin Kirsten Bruhn ist seit einem Motorradunfall querschnittgelähmt. Die mehrfache Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin hält mehrere Weltrekorde. Vanessa Low verlor bei einem Unfall beide Beine und trägt nun Prothesen. Mit 3,98 Metern hält sie den Weltrekord im Weitsprung.