Abiaufgaben

Deutsche Schüler machen künftig Zentralabitur light

Die Kultusministerkonferenz will das Abitur stärker vereinheitlichen. Doch wie schwer die Prüfungen werden sollen, ist noch unklar.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der Hamburger Schulsenator und derzeitige Vorsitzende des Treffens der Fachminister aus den Ländern begrüßte am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel als kurzzeitige Teilnehmerin der Sitzung. Das hatte noch kein Bundeskanzler zuvor gemacht. SPD-Politiker Rabe betonte anschließend, als er mit der CDU-Chefin vor den Mikrofonen stand: Die Premiere zeige, "welche Bedeutung das Thema Bildung hat".

Nun holte der einstige Lehramtsstudent mit dem Fach Geschichte noch einmal weit aus: Die KMK habe Etwas "vielleicht als historisch" zu bezeichnendes auf den Weg gebracht. Und zwar den Fahrplan für einen Aufgabenpool, aus dem sich die Bundesländer in Zukunft bei den Abiturprüfungen bedienen sollen.

Versprechen – "Bildungsrepublik Deutschland"

Dass Merkel und die Kultusminister einen der derzeit wohl größten Streitpunkte, eine Rücknahme des Kooperationsverbots in der Bildung, erst gar nicht ansprachen und mit dem Schwerpunktthema Integration auf weitgehenden Konsens setzten zeigt, dass der eineinhalbstündige Besuch der Kanzlerin vielleicht doch eher symbolischer als historischer Natur war.Und auch der nächste Schritt auf dem Weg zu einer bundesweiten Angleichung des Abiturs kommt nach jahrelanger Diskussion alles andere als überraschend und gleicht eher einem Minimalkonsens.

Dennoch: Die Kanzlerin erweckt mit ihrem Auftritt zumindest den Anschein, als nehme sie es mit ihrem Versprechen der "Bildungsrepublik Deutschland" ernst. Und auch beim Abitur wird es von nun an für ein Bundesland schwer, aus der nun eingeschlagenen Richtung auszuscheren. Insofern hat Rabe in diesen Tagen viel erreicht - vor allem mit den Abmachungen bei den Abiturprüfungen.

Zentraler Aufgabenpool für Abitur

Ab dem Schuljahr 2016/2017 sollen sich die Länder für die Abiturprüfungen aus einem zentralen Aufgabenpool bedienen können. Rabe nannte dies in Berlin einen "großen Schritt". Dafür sollen ab kommenden Herbst bereits Standards für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch vorgelegt und verabschiedet werden. 2013 folgen die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Physik und Chemie.

Was das bedeutet? Die einzelnen Bundesländer werden Aufgaben für einen Pool entwickeln. Pro Fach werden dort "weniger 10, sondern eher 100" Aufgaben gesammelt, wie Rabe schätzte. Aus dieser zentralen Stelle können sich die Länder wiederum bedienen. Der KMK-Präsident Rabe wies darauf hin, dass derzeit viel mehr Aufgaben entwickelt würden. Allein in Hamburg würden pro Jahr rund 400 Abituraufgaben erstellt. Auf Bundesebene wäre es etwa der vierzigfache Wert.

Gleich schwere Aufgaben

Es wird für künftige Schülergenerationen also nicht so sein, dass alle Schüler in Deutschland im Abitur die gleichen Aufgaben gestellt bekommen. Jedoch: Die Aufgaben sollen eben immer etwa gleich schwer sein. Rabe sagte: Es dürfe am Ende nicht der Eindruck entstehen, dass es "in einem Bundesland schwer oder leichter ist, das Abitur zu bestehen".

Noch unklar ist, an welchem Leistungsniveau sich diese Standards orientierten sollen. In den vergangenen Jahren haben sich Schüler aus Bundesländern wie Bayern oder Sachsen in Vergleichsstudien als relativ leistungsstark erwiesen. Schüler aus Stadtstaaten und strukturschwachen Bundesländern schnitten schlechter ab. Programmiert ist damit eine Diskussion, ob das Ansehen des Abiturs durch den Aufgabenpool verwässert werden könnte.

Rolle Hamburgs beim Vorantreiben der Reform

Ein Zentralabitur, also das zeitgleiche Schreiben der Prüfung in der gesamten Bundesrepublik, wird nicht die Folge des Beschlusses sein. "Es ist kein Zentralabitur", sagte Rabe. So etwas sei aufgrund der verschiedenen Ferienzeiten nicht machbar. Zudem hätten Diskussionen in den vergangenen Jahren gezeigt, dass der Widerstand in der Bevölkerung und aus der Wirtschaft zu groß sei. "Diese Diskussion brauchen wir kein zweites Mal", erklärte Rabe.

Weniger deutliche Worte fand Rabe, als es um die Rolle Hamburgs beim Vorantreiben der Reform ging. Im Vorfeld des Treffens war bekannt geworden, dass eine Gruppe von sechs Bundesländern – darunter Nordländer wie Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und auch Hamburg – bereits 2014 Aufgaben aus einem gemeinsamen Pool anwenden will.

Genaue Prüfung in Hamburg

Rabe, der sich als KMK-Präsident in dieser Woche diplomatisch zeigen musste, beklagte, dass ein paar Länder einen festen Terminplan für das Voranpreschen vorgestellt hatten. So entstand das Bild einer Unstimmigkeit. Und das war wohl auch der Grund, warum Rabe am Donnerstag am Rande des Treffens Reportern gleich deutlich machte, dass er zunächst auf keinen Fall etwas zum Abitur sagen würde.

Am Freitag schließlich präsentierte Rabe den kleinen gemeinsamen Nenner. Von einem Konflikt wollte er nichts wissen. "Der Sitzungspunkt war nach 10 Minuten erledigt", sagte er. Dies zeige den großen Konsens. Und doch bestätigten am gleichen Tag mehrere Bundesländer, dass sie weiter an ihrem vorgezogenen Terminplan festhalten wollen. Als er auf Hamburgs künftigen Kurs angesprochen wurde, sagte Rabe lediglich: "Hamburg wird noch einmal genau bewerten, wie dies mit den eigenen Plänen zusammengeführt werden kann."

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