Bundeswehr

Abgeordnete wollen Feldpost 2.0 für Auslandseinsätze

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Simone Meyer

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Soldaten im Auslandseinsatz sollen bessere Möglichkeiten zum Austausch mit Freunden und Familie via Internet und Telefon bekommen – und mehr Privatsphäre.

Soldaten in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sollen bessere Möglichkeiten bekommen, mit ihren Angehörigen zu Hause per Internet und per Telefon zu kommunizieren. Das verlangen die größten im Bundestag vertretenen Fraktionen in einem gemeinsamen Antrag an das Parlament. Junge Abgeordnete von Union, FDP, SPD und Grünen fordern darin das Verteidigungsministerium auf, so schnell wie möglich Verbesserungsvorschläge samt Finanzierungskonzept vorzulegen.

Der fraktionsübergreifende Antrag, den grundsätzlich auch die Linkspartei unterstützt, soll noch im März im Parlament behandelt werden. In erster Linie geht es dabei um Videotelefonie. Möglichkeit zum Skypen haben beispielsweise die Soldaten in Afghanistan bisher nur an öffentlichen Plätzen wie Internetcafés, nicht aber in ihren Schlafcontainern. Das soll sich ändern. In Zukunft soll jede Kameradin und jeder Kamerad in der eigenen Stube die Chance haben, den Laptop aufzuklappen und über den Bildschirm mit seinen Angehörigen zu sprechen.

Skype-Plätze in Masar-i-Scharif werden kaum genutzt

Im zentralen Lager der Bundeswehr in Masar-i-Scharif gibt es neuerdings zwar Holzwände und Vorhänge an den einzelnen Skype-Plätzen im Internetcafé. Genutzt werden sie allerdings kaum. Den meisten Soldaten ist es offenbar doch zu unangenehm, in einem Raum über private Dinge zu sprechen, in dem theoretisch 20 andere Leute mithören könnten.

„Kommunikation ist eines der drängendsten Probleme, auf die wir in den Einsätzen immer wieder hingewiesen werden“, sagt der CSU-Abgeordnete Reinhard Brandl. „Für die Soldaten und ihre Familien ist das kein Randthema.“ Der neue Anbieter Astrium, der seit Sommer die Feldlager in Afghanistan versorgt, habe bereits Verbesserungsmöglichkeiten vorgeschlagen.

Diese prüfe das Verteidigungsministerium zurzeit. „Es geht jetzt darum, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen“, fordert der FDP-Abgeordnete Christoph Schnurr. Das Internet sei heute die „Feldpost 2.0“. Deswegen müsse man auch Mehrkosten akzeptieren, die sich in einstelliger Millionenhöhe bewegen könnten. „Geht nicht gibt’s nicht“, sagt Schnurr.

Für die Internetnutzung in Afghanistan müssen sich Soldaten Guthabenkarten kaufen, mit einem Code können sie dann ihren Zugang freischalten. Bisher kostet eine Minute im „normalen“ Internet fünf Cent. Für die Premium-Version, die auch Skypen ermöglicht, sind es 29 Cent. Telefonieren nach Deutschland kostet zwischen 23 und 39 Cent pro Minute. Sollte sich an den Tarifen etwas ändern, kommen mehr Kosten auf das Verteidigungsressort zu.

"Betreuungskommunikation" kostet bislang knapp 3 Millionen

Die Bundeswehr gibt für die Betreuungskommunikation derzeit knapp drei Millionen Euro pro Jahr aus, davon allein 2,7 Millionen für die Einsätze in Afghanistan (Isaf) und am Horn von Afrika (Atalanta). Durch die vorgeschlagenen Verbesserungen werde „kein Riesenbetrag“ zustande kommen – „er sollte es uns aber wert sein“, sagt die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger.

„Soldaten erleben in den Einsätzen viele belastende Situationen.“ Und die könnten sie besser verarbeiten, wenn sie darüber problemlos mit ihren Freunden und Angehörigen zu Hause sprechen könnten. Unabhängig davon, ob man zu dem Einsatz stehe oder nicht: Der Dienstherr habe eine Fürsorgepflicht. „Und das Verteidigungsministerium hat hier entscheidende Entwicklungen verschlafen.“

Seit Sommer ist ein neuer Anbieter für die Kommunikation in Afghanistan und Dschibuti zuständig, die Firma Astrium, eine EADS-Tochter. In den Verträgen mit dieser Firma kommt allerdings das Wort „Skype“ nicht vor. „Die jetzige Situation ist völlig unzureichend“, sagt Brugger. Für sie wären Verbesserungen in der Kommunikation ein „wesentlicher Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Dienst“.

"Ich wusste gar nicht, dass ich im Kriegsgebiet telefonieren kann"

Mit dem Telefonieren klappe es inzwischen einigermaßen, sagt Reinhard Brandl. Seit einem Anbieterwechsel im Herbst haben die Soldaten in den Einsätzen erstmals 30 Freiminuten. Diese Beschränkung möchten die Parlamentarier gern aufheben.

Der Haken dabei: Wenn grundlegende Vertragsbedingungen geändert werden, könnten andere Anbieter klagen, die sich damals mit um den Auftrag beworben hatten. Deswegen heißt es in der Beschlussvorlage: „Die Möglichkeit der kostenfreien Anrufe nach Deutschland soll insbesondere auch Bedingung bei zukünftigen Ausschreibungen sein.“

Im Einsatz ist die Zufriedenheit über Kommunikationsmöglichkeiten ähnlich gemischt wie die Affinität zum Internet. Die einen sagen: „Wow, ich wusste gar nicht, dass ich im Kriegsgebiet überhaupt telefonieren kann.“ Manche können vielleicht den Internetzugang in ihrem Büro nutzen.

Wieder andere haben sich daran gewöhnt, ständig im Internet zu sein, mit iPhone und Computer - und verlangen, dass eine moderne Armee in Einsatz im 21. Jahrhundert so etwas eigentlich auch bieten sollte. Generell seien die Leistungen im Vergleich zum vorherigen Anbieter schon besser geworden, heißt es.

"Es geht um Wertschätzung und Anerkennung"

Trotzdem sagt niemand: „Super, ich bin rundum zufrieden“ – genauso wenig wie in Deutschland jemand über die Telekom schwärmt. Im Vergleich mit anderen Nationen, die in Nordafghanistan stationiert sind, fühlen sich viele aber doch unterversorgt.

Beispielsweise die Amerikaner und die Niederländer lassen ihre Soldaten kostenlos nach Hause kommunizieren. Die bekommen allerdings auch keinen Auslandsverwendungszuschlag von 110 Euro pro Tag. Daran wollen die deutschen Parlamentarier auf keinen Fall rütteln.

„Es geht hier um Wertschätzung und Anerkennung“, sagt der SPD-Abgeordnete Lars Klingbeil. „Uns ist es wichtig, ein gemeinsames Zeichen zu setzen.“ Beim Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz habe eine ähnliche Vorgehensweise auch schon gewirkt. Der neue Antrag solle außerdem Maßstäbe setzen für künftige Einsätze.

Die Parlamentarier fordern auch, dass die Container-Unterkünfte der Soldaten künftig von Beginn an mit den nötigen technischen Voraussetzungen versehen werden. Afghanistan wird schließlich nicht der letzte Auslandseinsatz der Bundeswehr gewesen sein.

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