Zwickauer Terrorzelle

Carsten S. gesteht Waffenlieferung an Neonazi-Trio

Der mutmaßliche Helfer der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle, Carsten S., hat gestanden, dem Trio die wohl wichtigste Tatwaffe beschafft zu haben. Mindestens neun Menschen sollen durch die Ceska gestorben sein.

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Der mutmaßliche Terrorhelfer Carsten S. hat gestanden, der Zwickauer Terrorzelle ihre wichtigste Tatwaffe geliefert zu haben. Das erklärte sein Anwalt und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" . Mit der tschechischen Ceska sollen die Terroristen mindestens neun Morde verübt haben. Der Anfang Februar in Düsseldorf festgenommene frühere NPD-Funktionär habe bei Vernehmungen gestanden, der Zwickauer Zelle Ende 1999 jene Ceska gebracht zu haben.

Der kürzlich verhaftete Carsten S. war den Ermittlungen zufolge zeitweise der wichtigste Kontaktmann der im Januar 1998 in Jena abgetauchten Terroristen. Im Jahr 2000 brach er die meisten Kontakte in die rechtsradikale Szene ab. Kurz nachdem ein Zeuge die Strafverfolger Ende Januar auf seine Spur gebracht hatte, wurde er verhaftet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Seinem Geständnis zufolge erwarb S. die schallgedämpfte Pistole vom Typ Ceska 83 Ende 1999 im Auftrag des Neonazi-Trios in Thüringen. Das Geld für die Waffe – 2500 Mark – sei angeblich von dem inzwischen ebenfalls inhaftierten Ralf Wohlleben gekommen, der zeitweise dem thüringischen NPD-Landesvorstand angehörte.

Kontaktmann wusste angeblich nichts von geplanten Straftaten

Die Waffe, so S., sei seinerzeit in Chemnitz übergeben worden. S. habe sich mit dem mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt zunächst in einem Schnellrestaurant getroffen, danach sei man gemeinsam in ein nahegelegenes Abbruchhaus gegangen, wo S. Böhnhardt die Ceska nebst Schalldämpfer und 50 Schuss Munition ausgehändigt habe.

Sein Anwalt erklärte, Carsten C. sei zwar Kontaktperson gewesen und habe die Waffe organisiert. Er habe aber keine Kenntnis davon gehabt, dass das inzwischen als Zwickauer Terrorzelle bekannt gewordene Trio Straftaten geplant oder bereits begangen habe. Diesen Sachverhalt habe sein Mandant bereits am 1. Februar dem Haftrichter beim Bundesgerichtshof mitgeteilt.

Der tschechische Waffenhersteller Ceska hatte von dem Modell insgesamt nur 55 Exemplare angefertigt. 31, zu denen immer auch ein Schalldämpfer gehörte, wurden damals an die Stasi verkauft. Die übrigen Waffen wurden an einen Händler in der Schweiz verkauft.

S. engagierte sich für Aidshilfe

S. studierte Sozialpädagogik an der Fachhochschule Düsseldorf, arbeitete als Berater im sozialen Bereich für gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen. Bis zu seiner Festnahme arbeitete Carsten S. mehreren in Schwulen-Projekten. S. tauchte sogar auf einer NRW-Regierungswebsite für engagierte Bürger auf, im Zusammenhang mit einem Projekt der Düsseldorfer Aidshilfe. Ob der Milieuwechsel mit Hilfe des Aussteigerprogramms für Rechtsextreme geschah, darüber halten sich die Behörden bedeckt.