Schmidts Wulff-Feier

Verdächtige Gästeliste bei Party des "Oberschnullis"

Neue Vorwürfe gegen Wulff: Seine eigenen Mitarbeiter durften offenbar Gäste für die Präsidentenwahl-Party auswählen, die Eventmanager Schmidt organisierte.

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Das Verhältnis zwischen Bundespräsident Christian Wulff und Unternehmern wirft neue Fragen auf, die Wulff in den Verdacht der illegalen Vorteilsnahme geraten lassen.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ und des Nachrichtenmagazins "Stern" organisierte die Staatskanzlei in Hannover die Gästeliste für eine Party , die der Eventmanager Manfred Schmidt am Abend von Wulffs Wahl zum Staatsoberhaupt in Berlin gab. Besonders pikant: Während es bisher immer um seine Amtszeit als Ministerpräsident ging, ist nun auch seine Amtszeit als Bundespräsident betroffen.

Insgesamt 80 Wulff-Bekannte im Luxus-Penthouse

Der niedersächsische Regierungssprecher Franz Rainer Enste bestätigte, dass im persönlichen Büro Wulffs eine Gästeliste erstellt worden sei. Auf dieser sollen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" über 80 Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur gestanden haben.

Auch Wulff selbst nahm an der Party teil, die Schmidt ausrichtete und bezahlte. Sie fand am 30. Juni 2010 in Schmidts Berliner Luxus-Penthouse "Residenz" nahe dem Brandenburger Tor statt.

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim sieht in der Gästeliste einen Grund, "gegen Wulff zu ermitteln": "Wenn Wulff bestimmen kann, wer eingeladen wird, ist das natürlich ein Vorteil", sagte er dem "Stern".

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt derzeit gegen Schmidt wegen des Verdachts der Bestechung und gegen Wulffs früheren Sprecher Olaf Glaeseker wegen Bestechlichkeit. Schmidt hatte auch den umstrittenen Nord-Süd-Dialog organisiert, eine Lobbyveranstaltung, an der er viel Geld verdient haben soll.

Einladungstext mit Ex-Sprecher abgestimmt

Für die Feier am Abend von Wulffs Präsidentenwahl soll sogar der Einladungstext mit Glaeseker abgestimmt worden sein. Auf der Gästeliste standen nach Informationen des "Stern" unter anderem Wulffs Unternehmerfreund Egon Geerkens, FDP-Chef Philipp Rösler sowie Wulffs CDU-Parteifreundin Martina Krogmann und deren Mann Alfred Draxler von der "Bild"-Zeitung.

Während Wulffs Gästelisten-Freunde alle umsonst an der Party teilnehmen konnten, soll mindestens ein Gast von Eventmanager Schmidt "Eintritt" bezahlt haben. Dem Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin, Hans Joachim Reck, sollen insgesamt 3000 Euro in Rechnung gestellt worden sein.

Gleichzeitig wirft der "Stern" auf der Grundlage neuer Informationen Wulff vor, als Ministerpräsident deutlich enger in die Suche nach Sponsoren für die "Nord-Süd-Dialoge" eingebunden gewesen zu sein, als es bisher bekannt war.

Bahn-Chef Mehdorn persönlich um Unterstützung gebeten

Wulff soll 2007 den damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn persönlich um Unterstützung bei der Veranstaltung gebeten haben. Dies gehe aus einer E-Mail des damaligen Mehdorn-Beraters Dieter Hünerkoch hervor. Zwischen 2007 und 2008 zahlte die Deutsche Bahn insgesamt 50.000 Euro für das Wirtschaftstreffen.

Anderes lässt derweil Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring CDU) verlauten: Glaeseker habe bei der Planung des Lobby-Treffs weitgehend eigenmächtig gehandelt:

Nach einer internen Überprüfung der Regierung in Hannover sagte Möllring: „Es hat sich gezeigt, dass Herr Glaeseker immer sehr selbstständig gearbeitet hat.“

"Schnulli", "Oberschnulli" und "Generalfeldschnulli"

Weitere interne E-Mails, die dem "Stern" vorliegen, sollen belegen, dass vor allem Glaeseker damals intensiv um Sponsoren für Schmidt geworben hat. Unter anderem konnte er die Deutschen Messe AG sowie Evonik als Sponsoren werben.

Der E-Mailverkehr zeigt auch interessante Details, die das persönliche Verhältnis der Akteure beleuchtet: Schmidt soll Glaeseker oft gelobt haben – und Glaeseker soll Schmidt freundschaftlich als seinen "Schnulli" und seinen "Oberschnulli" bezeichnet haben. Sich selbst habe Glaeseker in den Mails dagegen "Generalfeldschnulli" genannt.

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