Grünkohlkönig

Rösler legt sein Amt nieder – Oettinger übernimmt

Ein verfluchter Posten: Guttenberg trug den Titel, ebenso Christian Wulff. Jetzt legt FDP-Chef Rösler das Amt des Grünkohlkönigs nieder. Eine Bürde für den Neuen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nur widerwillig trat Philipp Rösler zurück. „Ich habe mich sehr an das Amt gewöhnt, gebe ungern die Würde ab“, waren seine Abschiedsworte am Montagabend. Doch schließlich dankte er ab – nicht als Vizekanzler, Wirtschaftsminister oder FDP-Chef. Sondern als Grünkohlkönig. Feierlich übergab er das Zepter, einen Strauß aus Kohlblättern, an seinen Nachfolger: EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU). Übernommen hatte Rösler das Amt zuvor von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg – und auch der in der Kritik stehende Christian Wulff trug den Titel bereits.

Zur Inthronisierung hatte die Stadt Oldenburg wie jedes Jahr in die niedersächsische Landesvertretung in Berlin geladen zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“, also dem kollektiven Verspeisen von jeder Menge Grünkohl, Pinkel, Kochwurst, Kasseler und Speck. Polit-Prominenz aus Berlin trifft dort traditionell zusammen mit Oldenburgern – so pflegt die 165 000-Einwohner-Stadt ihre Kontakte in die Hauptstadt.

McAllister – "In Niedersachsen hast Du viele Freunde"

Das Oldenburger „Kohl-Volk“ kennt seit 1956 „Kohl-Majestäten“, Oettinger wird der 55. Regent. Die einzige Verpflichtung für den Grünkohlkönig: Die Stadt einmal zu besuchen. Philipp Rösler, der selbst aus Niedersachsen stammt, kam sogar zweimal – und könne ruhig noch häufiger kommen, rief ihm Ministerpräsident David McAllister (CDU) zu.

„Wenn Du irgendwann in Saarbrücken oder Berlin wieder die Nase voll hast – Du weißt, in Niedersachsen hast Du viele Freunde.“

Die letzte Amtshandlung besteht laut Protokoll darin, in einer Rede voller politischer Seitenhiebe Rechenschaft über das Herrschaftsjahr abzulegen. Rösler jedoch, dessen Partei mit Umfragewerten teils von nur zwei Prozent in der Krise steckt, wirkte angespannt und konnte nur wenige Lacher landen.

Einer davon: „Die letzten vier amtierenden Bundeskanzler waren im richtigen Leben auch mal Grünkohlkönig. Merkel, Schröder, Schmidt und – na klar – Kohl.“

"Ich habe den Bürgern Bonbons zugeworfen"

Rösler bemühte sich um die Sympathie der rund 330 Gäste, als er von seinem Besuch auf dem Oldenburger Kramermarkt erzählte. Dabei sei ihm der Zustand der FDP deutlich geworden: „Ich habe den Bürgern Bonbons zugeworfen. Was soll ich sagen? Nur Blumen haben wir zurückgekriegt. Ne Menge. Sehr, sehr viele. Gut, es hingen unten noch die Töpfe dran.“ Eine Pointe, die allerdings ziemlich ins Leere lief.

Neuer Grünkohlkönig – oder, wie McAllister sagte, „green cabbage king“ – ist der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger, der mit seinem schwäbelnden Englisch schon für viel Belustigung sorgte. Eine Kostprobe davon gab er bei der Grünkohlkrönung nicht. Doch war sein Dialekt unter all den Norddeutschen in der Landesvertretung unüberhörbar. Auch, als er tapfer alle drei Strophen von „Heil Dir oh Oldenburg“ mitsang.

Anspielung auf Tattoo von Präsidentengattin

Als Beweis für seine Verbundenheit zur Stadt sagte Oettinger: „Meine Frau hat einen Oldenburger im Stall. Der hat auf der rechen Hinterhand, auf der Pobacke, ein „O“. Ich dachte, das sei für Oettinger. Aber Oldenburger ist damit gemeint“, erklärte er.

Und ergänzte, in Anspielung auf das viel diskutierte Oberarm-Tattoo von Präsidentengattin Bettina Wulff: „Jetzt habe ich auch dieses Tattoo eines weiteren Niedersachsen näher kennengelernt.“

Weniger Nähe zu Oldenburg zeigte der 58-Jährige aus dem Land von Maultaschen und Spätzle beim Essen: Denn Oettinger nahm sich zwar reichlich Würste und Kartoffeln, vom Grünkohl jedoch nahm er nur einen winzigen Löffel. Und selbst dieser blieb weitgehend unberührt auf seinem Teller.

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