Politbarometer

Wulff ist für die Deutschen dauerhaft beschädigt

In der Kredit- und Medienaffäre um Christian Wulff rutschen dessen Glaubwürdigkeitswerte in den Keller: Drei Viertel der Bürger halten ihn wegen seiner Affäre für dauerhaft beschädigt und nur noch wenige Politiker liegen auf der Beliebtheitsskala hinter dem Bundespräsidenten.

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Fast drei Viertel der Bürger halten Bundespräsident Christian Wulff durch seine Kredit- und Medienaffäre für dauerhaft beschädigt.

Angesichts anhaltender Vorwürfe und Kritik an seinem Umgang mit der Affäre um Kredite und Urlaubsreisen bleibt das Image von Bundespräsident damit angeschlagen. Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer hält ähnlich wie in der vergangenen Woche nur etwas mehr als ein Drittel der Bundesbürger Wulff für glaubwürdig. Eine sehr deutliche Mehrheit von fast drei Vierteln der Befragten (72 Prozent) glaubt, dass er als Bundespräsident dauerhaft beschädigt bleiben wird.

Auf der Beliebtheitsskala der Politiker kommt Wulff genau einen Monat nach Beginn der Affäre um seinen Hauskredit nur noch auf einen Durchschnittswert von minus 0,5. Zu Beginn der Affäre Mitte Dezember hatte er auf der Skala von plus fünf bis minus fünf noch einen Wert von 1,2 erreicht. Einen Rücktritt Wulffs befürworten weiter nur 44 Prozent der Befragten, etwas mehr als die Hälfte ist für seinen Verbleib im Amt.

Die Union leidet unter der Affäre der Umfrage zufolge nicht: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU und CSU jetzt auf 36 Prozent (plus zwei) der Stimmen. Die SPD läge bei unverändert 31 Prozent, die FDP bliebe bei vier, die Linke bei sechs Prozent und die Piratenpartei bei vier Prozent. Die Grünen rutschten demnach um zwei Punkte auf 15 Prozent ab. Damit hätte Rot-Grün laut Politbarometer weiterhin eine knappe Mehrheit in einem Parlament ohne FDP und ohne Piraten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von den Bürger so positiv bewertet wie lange nicht: Dass sie ihre Sache eher gut macht, meinen jetzt 73 Prozent, eine Verbesserung von vier Punkten. Es ist die beste Beurteilung Merkels seit April 2010.

In der Beliebtheitsskala der Politiker liegt Merkel mit einem im Vergleich zu Dezember um 0,3 Punkte verbesserten Wert von 1,7 an der Spitze. Das Schlusslicht bildet Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler, der einen neuen persönlichen Negativrekord von minus 1,4 erzielt. Sein Vorgänger als Parteichef, Außenminister Guido Westerwelle, konnte sich von minus 1,6 im Dezember auf ebenfalls minus 1,4 verbessern.

Für das repräsentative ZDF-Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche 1359 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

Niedersachsen-CDU gibt Wulff Rückendeckung

Trotz der desaströsen Umfragewerte stellt sich die niedersächsische CDU hinter Bundespräsident Christian Wulff. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen, Björn Thümler, sagte am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“, er gehe davon aus, dass Wulff Präsident bleiben werde. Auch seine Umfragewerte würden wieder steigen. Die Stimmungslage kippe und viele Menschen zeigten sich angewidert davon, wie die Kampagne gegen Wulff am Leben gehalten werde.

Die Fragen und Antworten von Wulff sollten veröffentlicht werden, sagte Thümler. Es sei ein „Schlussstrich“ zu ziehen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg wies am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“ darauf hin, dass solche durch ein „Pressefeuerwerk“ zustande gekommenen Werte sich schnell ändern könnten. Sofort nach Rücktritt zu schreien halte er für nicht richtig. Vielmehr sollte die Aufklärung der Vorwürfe abgewartet werden.