Lob für Köhler

"Sie waren ein überaus beliebter erster Mann im Staat"

Horst Köhler hat die Arbeit von Parteien und Politikern gewürdigt. In seinem Ortsverband erhält der Ex-Bundespräsident bei seiner Rede großen Zuspruch.

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In der Mitte eines Gartencenters steht Horst Köhler hinter dem Rednerpult. Der CDU-Ortsverein im rheinländischen Meckenheim hat den Bundespräsident a.D. eingeladen, damit er seine Parteimitgliedschaft auffrischen kann. Bis nach Berlin sind es 600 Kilometer. Der Abstand zwischen Köhlers altem und neuem Leben scheint genau so groß zu sein. Denn mit dem höchsten Staatsamt hat er abgeschlossen. Die Debatte um seinen Nachfolger Christian Wulff scheint ihn nicht zu beeindrucken.

In Anzug und rosafarbenem Schlips redet Köhler am Sonntagmorgen elf Minuten lang über die Zukunft Europas, seine Zeit in Meckenheim und lobt den anwesenden Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in höchsten Tönen. Schon fast unterwürfig sagt Köhler: „Ich stehe vor ihnen als ein einfaches CDU-Mitglied.“ Seine Gattin Eva Luise lauscht seinen Worten und wirft ihm hin und wieder ein Lächeln zu.

Mitgliedschaft in Meckenheim wieder aufgenommen

Vor ihm nehmen überwiegend betagte Herren und Damen auf harten Bierbänken Platz. Bei dem Neujahrsempfang werden Brötchen und Käsehäppchen gereicht. Dazu gibt es Sekt und Kölsch. In Meckenheim hatte Köhler zwischen 1977 und 1994 gewohnt, seine Kinder hier zur Schule geschickt und war 1981 in die CDU eingetreten. Während seiner Präsidentschaft ließ er die Mitgliedschaft ruhen. Jetzt ist er wieder zurück im Kreis seiner Parteifamilie.

Der Grund für den Wiedereintritt in die Partei sei die Treue zu seinen eigenen Wertevorstellungen, sagte Köhler. „Das muss ich nicht verbergen, nachdem ich aus dem Amt geschieden bin.“ Er wünsche sich, dass die CDU noch energischer als bisher die Zukunftsthemen des Landes anpacke. „Es gibt weiß Gott große Themen.“

Die Basis guter Politik werde nicht in Berlin oder den Landeshauptstädten gelegt, sagte Köhler. Die gute Politik, die das Volk mitnehme, die werde vor Ort erledigt. Er plädierte dafür, mit der Suche nach den Antworten auf die großen Zukunftsfragen nicht zuletzt auf kommunaler Ebene zu beginnen. „Jede Partei, ob CDU, SPD und Grüne, die sich vor Ort widmet, hat unseren Respekt verdient.“

Trotz aller Skepsis gebe es keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. „Wir haben Leistungsfähigkeit, wir haben Leistungskraft, wir haben erfahrene Politiker.“ Das Thema Euro sei lösbar. Es müsse über Risiken und Gefahren geredet werden. Man dürfe sich aber nicht einreden lassen, dass es nicht lösbar sei. „Diese europäische Politik positiv weiterzuführen, ist für mich eine stehende Lehre aus unserer Geschichte und ein Zukunftsfeld in Europa in den kommenden Jahren.“

Indirekte Rückendeckung für Wulff

Über seine Präsidentschaft, die er im Mai 2010 nach umstrittenen Äußerungen über den Afghanistaneinsatz überraschend beendete, verliert Köhler nur wenige Sätze. Erklären muss er sich nicht mehr. Und Wulff? Den Namen seines Nachfolgers, der auch am Wochenende wegen der Kredit- und Medienaffäre weiter in der Kritik stand, nimmt er nicht einmal in den Mund. Nur indirekt bittet er um mehr Zurückhaltung. „Politiker haben einen schweren Job. Wir sollten deshalb auch ein bisschen Verständnis haben, wenn es manchmal knirscht“, sagt Köhler.

Tatsächlich sind positive Stimmen über den amtierenden Bundespräsidenten derzeit eher selten zu hören. Der zurückgetretene Köhler erhält dagegen Balsam für die Seele. „Sie sind und waren in ihrer Person, aber auch durch ihre Amtsführung, ein überaus beliebter erster Mann im Staat“, sagt der CDU-Ortsvorsitzende Eike Kraft. Dies zeige auch der enorme Zuspruch für den Neujahrsempfang. Selten habe es so viele Anrufe auf seinem Anrufbeantworter gegeben.