Privatkredit-Affäre

Mehrheit der Deutschen vertraut Wulff

Die Deutschen halten einen Rücktritt von Bundespräsident Wulff für nicht notwendig. Allerdings gehen die meisten davon aus, dass Wulff sein Amt nutzt, um Freunden zu helfen.

Bundespräsident Christian Wulff hat nach der Affäre um seinen Privatkredit in Höhe von 500.000 Euro bei den Bürgern an Vertrauen eingebüßt. Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von „Bild am Sonntag“ haben 51 Prozent der Deutschen großes oder sehr großes Vertrauen in das Staatsoberhaupt.

48 Prozent haben allerdings nur noch geringes oder gar kein Vertrauen. 50 Prozent sind zudem davon überzeugt, dass Wulff seine Ämter dazu nutzte, um Freunden behilflich zu sein, 45 Prozent glauben das nicht.

Wulffs Entschuldigung für seinen Umgang mit der Affäre um seinen Privatkredit nehmen 63 Prozent der Befragten an – 30 Prozent tun dies nicht. Einen Rücktritt halten 73 Prozent der Deutschen nicht für notwendig.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht in der Finanzierung von Anzeigen für ein Buch des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten durch den Unternehmer Carsten Maschmeyer keinen Verstoß gegen das Parteiengesetz.

„Derzeit kann die Bundestagsverwaltung in diesem Sachverhalt keine Anhaltspunkte für einen Verstoß erkennen“, teilte eine Sprecherin des Bundestagspräsidenten der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ mit. Weitere Anfragen zur Prüfung der Rechenschaftsberichte der Landespartei lägen außerdem nicht vor, erklärte die Sprecherin.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat die Erklärung von Wulff zur Kreditaffäre als „guten Schritt“ gewürdigt. In der „Passauer Neuen Presse“ betonte Schneider, er würde es „als einen Verlust empfinden“, wenn Wulff von seinem Amt zurückträte: „Ich finde, dass er zunehmend gut ins Amt gefunden hat. In persönlichen Begegnungen habe ich ihn als sehr überzeugend empfunden.“

Schneider betonte zwar, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, „dass private Freundschaften mit Wirtschaftsleuten zu Klüngel und Vorteilsnahme“ führten. Doch müssten Menschen in politischen Ämtern „frei bleiben, ihren Freundeskreis selbst zu wählen und zu pflegen“.