Neue Vorwürfe

Maschmeyer zahlte Werbung für Wulff-Buch

Anwälte des Bundespräsidenten legen wichtige Dokumente aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident offen. Doch schon gibt es neue Vorwürfe: Der Unternehmer Carsten Maschmeyer soll Anzeigen für das Christian-Wulff-Buch "Besser die Wahrheit" bezahlt haben, in dem der heutige Bundespräsident sein privates und politisches Leben beschreibt.

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Im sechsten Stock eines Bürogebäudes am Leipziger Platz in Berlin herrscht Hochbetrieb. In mehreren Räumen tummeln sich Medienvertreter, um Einblick in private Akten von Bundespräsident Christian Wulff aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident zu nehmen. Die Unterlagen sollen Wulffs Reputation retten und etwa belegen, dass der K redit über eine halbe Million Euro aus dem Jahr 2008 wirklich von der Unternehmergattin Edith Geerkens und nicht etwa von ihrem Mann, dem Unternehmer Egon Geerkens, stammt.

Wulff hat mit dem Geld vor drei Jahren ein Haus in Großburgwedel bei Hannover gekauft, dem Heimatort seiner zweiten Frau Bettina. Großburgwedel ist ein gefragter beschaulicher Ort im Nordosten der Landeshauptstadt, mit Bahn und Autobahn sehr gut an Hannover angebunden. Wulffs neues Haus liegt in einer Sackgasse, ruhig und zentral.

Soweit ist alles normal. Doch Wulff hat ein Problem. 2010, noch als Ministerpräsident, wurde er im Niedersächsischen Landtag nach geschäftlichen Beziehungen zu dem ihm seit Langem bekannten Unternehmer Egon Geerkens gefragt. Damals verneinte Wulff. Er habe mit Geerkens und dessen Firmen „in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen“ unterhalten. Denn Wulff bekam den Kredit von Geerkens' Ehefrau Edith.

Obendrein berichtet jetzt die "Bild“ , dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer 2008 eine Anzeigen-Kampagne für ein Interview-Buch bezahlte, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt. Für die Zeitungsanzeigen, mit denen im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch „Besser die Wahrheit“ geworben worden sei, habe Maschmeyer rund 42700 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben.

Wulffs Reputation hat gelitten, auch weil es scheint, als gebe er nur zu, was zuvor Medien berichteten. Am vergangenen Freitag zitierte dann der „Spiegel“ Egon Geerkens, der davon sprach, er habe den Kredit mit Wulff verhandelt. Das Problem: Vielleicht verstieß Wulff mit der Annahme des Kredites gegen das niedersächsische Ministergesetz. Das schreibt vor, dass Mitglieder der Landesregierung „keine Belohnungen und Geschenke in Bezug auf ihr Amt annehmen“ dürfen. Egon Geerkens begleitete Wulff auf Ministerpräsidentenreisen als Wirtschaftsvertreter. Wulffs Anwälte bestreiten einen Bezug zum Amt.

Weil die Lage undurchsichtig ist, dürfen an diesem Montag Journalisten in zwei Konferenzräumen vorbereitete Aktenordner mit den Kopien der Unterlagen in Augenschein nehmen. Zu sehen sind:

Kaufvertrag Der Kaufvertrag für das Haus des Ehepaars Wulffs vom 1.Oktober 2008. Kaufpreis: 415.000 Euro. Fällig wurde die Summe am 1.Dezember desselben Jahres.

Darlehensvertrag Der Darlehensvertrag zwischen Edith Geerkens (gemeldet im schweizerischen Oberaegeri) sowie Bettina und Christian Wulff als Darlehensnehmer vom 25.Oktober 2008. Das Dokument wurde von allen drei Personen unterschrieben. Wörtlich heißt es: „Frau Edith Geerkens gewährt Herrn und Frau Wulff ein Darlehen in Höhe von 500.000 Euro.“ Zudem ist vermerkt: „Das Darlehen wird ohne Verwendungszweck zur freien Verwendung gewährt.“ Die Auszahlung wurde für Ende November 2008 vereinbart.

Für die Laufzeit von fünf Jahren wurde eine Verzinsung von vier Prozent jährlich festgesetzt, was eine monatliche Zinszahlung von 1666 Euro ergibt. Ein ursprünglich im Vertrag stehender Zinssatz von 4,5 Prozent ist durchgestrichen, der neue Satz von 4,0 handschriftlich ergänzt. Dazu haben die drei Vertragspartner auch noch am Rand unterschrieben.

Schreiben In einem Schreiben an Edith Geerkens aus der vergangenen Woche bestätigt die Sparkasse Osnabrück „wunschgemäß“, dass sie der Unternehmerehefrau am 18.November 2008 einen Bundesbankscheck über 500.000 Euro ausgestellt hat.

Schriftstücke In Schriftstücken aus der vergangenen Woche bestätigen die Sparkasse Osnabrück und die Sparkasse Hannover die Zinszahlungen Wulffs per Dauerauftrag über 1666 Euro monatlich an Edith Geerkens von Ende 2008 bis Ende 2009.

Überweisung Eine in Burgwedel ausgestellte Überweisung vom 27.März 2010 mit der Unterschrift Wulffs dokumentiert die Rückzahlung der 500.000 Euro an Edith Geerkens. Daneben bittet Wulff handschriftlich den Sachbearbeiter der BW-Bank, die Kontonummer von „Frau Edith Geerkens“ nachzutragen und die Überweisungen zum 1.April 2010 zu veranlassen. Wulff hatte nach eigenen Angaben bei der baden-württembergischen Bank einen neuen Kredit aufgenommen.

Grundbucheintrag Der Presse wird auch ein Einblick in das Grundbuch des Hauses gewährt. 500000 Euro Grundschuld mit 15 Prozent Zinsen jährlich und einer Nebenleistung von fünf Prozent einmalig für die Eigentümer Christian Wulff und Bettina Wulff sind dort eingetragen.

Ausweislich der Papiere hat Wulff den umstrittenen Kredit tatsächlich von Edith Geerkens bekommen. Allerdings klären auch diese Unterlagen nicht alle Fragen. Offen ist weiterhin, ob Egon Geerkens Vollmachten für die benutzten Konten besaß. Und ob er, wie er angab, den Kredit mit eingefädelt hat. Und woher Edith Geerkens das Geld eigentlich hat. Dem „Spiegel“-Bericht zufolge hörte sie bei ihrer Heirat mit Egon Geerkens auf zu Arbeiten, brachte kein nennenswertes Vermögen mit in die Ehe. Auch vereinbarten die beiden demnach Gütertrennung.

Auch Fragen zum Kredit der BW-Bank, der den Geerkens-Kredit ablöste, sind offen. Weiterhin gibt es keine Befreiung der Bank vom Bankgeheimnis in dieser Sache.