Geheimer Treffpunkt

Illegale Kneipe und Fotostudio in Bundeswehrkaserne

In einem stillgelegten Hangar sollen Militärangehörige eine Kneipe und ein Fotostudio betrieben haben. Unklar ist, ob der heimliche Treff auch ein Sexclub war.

Foto: dpa / dpa/DPA

In einer Berliner Bundeswehrkaserne sind eine illegale Kneipe samt Fotostudio ausgehoben worden. Zu dem geheimen Treff in einem stillgelegten Hangar auf dem Gelände der General-Steinhoff-Kaserne am westlichen Stadtrand seien extra Leitungen für Wasser und Strom gezogen worden, sagte Oberstleutnant Klaus Neumann vom Standortkommando Berlin. Ein Offizier und ein Unteroffizier sollen das Geschäft betrieben haben.

Unklar ist, ob der heimliche Treff im Flugzeughangar auch ein Sexclub war. Die „B.Z.“ berichtete, in einer anonymen Anzeige sei die Rede gewesen von fein gemachten Betten, auf denen Sexspielzeug lag.

Plötzlich passten die alten Schlüssel nicht mehr

Die Berliner Polizei, bei der die anonyme Anzeige laut Neumann einging, sei vor Ort gewesen, habe aber keine Verdachtsmomente für Sexpartys und Unzucht mit Minderjährigen gesehen. „Unabhängig davon verfolgen wird die Anschuldigungen“, unterstrich Neumann.

Am Eingang von Hangar 4 auf dem früheren Flugplatz Gatow waren auch Videokameras installiert, wie Oberstleutnant Neumann weiter mitteilte. Vor einer Woche sei das abgeschottete Lokal entdeckt worden – als die Lagerräume auf dem riesigen Gelände winterfest gemacht werden sollten und es plötzlich „Ungereimtheiten“ gegeben habe. Laut „B.Z.“ passten die alten Schlüssel nicht mehr.

Bier, Wein, Schnaps, Kühlschrank, Tresen, Tische

Drinnen dann die Überraschung: Bier, Wein, Schnaps, Kühlschrank, Tresen, Tische, Stühle – „Die Kneipe war mit allem Drum und Dran ausgestattet“, berichtete der Leiter der Abteilung Informationsarbeit. Das kleine Fotostudio sei bei der Überprüfung erst in einem weiteren Teil des Hangars gesichtet worden.

„Militärisch gesprochen hat ein Wehrdisziplinaranwalt der Bundeswehr die Ermittlungen übernommen“, sagte Neumann. Die beiden Bundeswehrangehörigen „etwas reiferen Alters“ seien nicht vom Dienst suspendiert worden. Einer der beiden soll ein Hobbyfotograf sein.

Künftig Luftwaffen-Führungskommando

Die Bundeswehr übernahm den Standort Gatow 1994, als die alliierten Briten Berlin verließen. Der Flughafen mit seinen Hangars wurde geschlossen. Auf dem Areal zwischen Berliner Stadtgrenze und der Havel sind mehrere hundert Militärangehörige stationiert. Wer in die illegale Kneipe ging und wie lange sie schon lief, war noch unklar. Warum der Laden nicht auffiel – darauf gibt es nur Schulterzucken.

Neben der Kaserne sind in Gatow auch das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr, das Luftwaffenmusikkorps und die Bundeswehrfachschule in Gatow. Die Kantine sei vor ein paar Jahren geschlossen worden. In Gatow soll künftig das Luftwaffen-Führungskommando angesiedelt werden.