500.000 Euro geliehen

Christian Wulff und der Problemkredit

Der Umgang mit einem Privatdarlehen zum Kauf eines Eigenheims hat Bundespräsident Christian Wulff den Vorwurf der Täuschung eingebracht. Das deutsche Staatsoberhaupt lässt vehement dementieren. Seiner Glaubwürdigkeit tut die Sache nicht gut.

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Ein 500.000-Euro-Kredit aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident weckt Zweifel an der politischen Glaubwürdigkeit von Bundespräsident Christian Wulff. Die Grünen im niedersächsischen Landtag warfen Wulff am Dienstag vor, die Abgeordneten getäuscht zu haben. Es geht um einen Privatkredit, den das Ehepaar Wulff vom befreundeten Osnabrücker Unternehmerpaar Geerkens bekam. Mit dem Geld bezahlten die Wulffs nach Angaben des Bundespräsidialamts 2008 ihr Einfamilienhaus in Burgwedel.

Auch nach Ansicht der Linken hat das Ansehen Wulffs durch das umstrittene Privatdarlehen erheblich gelitten. Da er nur den Kredit der Unternehmerfrau Edith Geerkens angenommen habe, habe er zwar volljuristisch gesehen richtig gehandelt, sagte Ulrich Maurer, Mitglied des Vorstands, am Dienstag in Berlin. „Aber unsere Erwartungen an einen Bundespräsidenten sind etwas höher als nur formal juristisches Verhalten.“

Das Bundespräsidialamt hatte zuvor eingeräumt , dass es 2008 eine private Darlehensvereinbarung zwischen Wulff und Geerkens gab, über den die Familie Wulff ihr Einfamilienhaus finanzierte. Generell geht es bei dem Fall nicht so sehr um den Kredit an sich, als um die Begleitumstände. Das Darlehen stand im Februar 2010 im Mittelpunkt einer Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag. Die Partei wollte von dem CDU-Politiker Wulff wissen, ob geschäftliche Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens oder seinem Firmenumfeld bestünden. Wulff entgegnete, solche Beziehungen hätten nicht bestanden und bestünden nicht, wie das Bundespräsidialamt am Dienstag noch einmal betonte. Aber: „Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatvermögen“, erklärte das Amt.

Die konkrete Frage war also offenbar korrekt beantwortet, und so wollten selbst die Grünen Wulff am Dienstag nicht der Lüge bezichtigen. Fraktionschef Stefan Wenzel warf Wulff aber vor, dieser habe sich „dem Bemühen des Parlaments um Aufklärung des Charakters der Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens verweigert“. In seiner Antwort habe er „mit recht haarspalterischen Auslegungen versucht, diese Beziehungen so weit als möglich im Dunkeln zu lassen“.

Auch die SPD im Bundestag hat Zweifel. „Der Fall wirft viele Fragen auf. Für einen Bundespräsidenten gelten ganz besondere Maßstäbe. Deswegen wird Christian Wulff ein großes Interesse haben, alle Fragen aufzuklären“, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann in Berlin. Auch nach Oppermanns Einschätzung hat Wulff den niedersächsischen Landtag nicht belogen. „Aber: Ich kann den Ärger der Abgeordneten des Landtages verstehen. Denn Christian Wulff hat ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt.“

Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker bestätigte den Kredit. „Durch den privaten Darlehensvertrag mit der mit dem Bundespräsidenten seit vielen Jahren befreundeten Frau Edith Geerkens wurde 2008 der Kauf des privaten Einfamilienhauses der Eheleute Christian und Bettina Wulff in Burgwedel zu einem Zinssatz von vier Prozent finanziert“, erklärte er. Laut „Bild“ liehen sich die Wulffs 500.000 Euro und kauften dann für 415.000 Euro das Haus.

Zu dem danach gewährten Privatkredit erklärte Glaeseker, die fälligen Zinsen seien fristgerecht gezahlt worden. „Im Frühjahr 2010 ist dieses Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden.“

Laut „Bild“ ist Egon Geerkens ein Freund Wulffs und war sogar Trauzeuge bei der ersten Hochzeit des CDU-Politikers. Der Unternehmer aus Osnabrück schuf demnach sein Vermögen mit Geschäften mit Rohstoffen, Schrott, alten Autos, Antiquitäten und Schmuck. Inzwischen habe er seinen Wohnsitz in der Schweiz.

Geerkens selbst bezeichnete den 500.000-Euro-Kredit seiner Ehefrau an Wulff als „ein ganz sauberes Geschäft“. „Christian musste sein Leben neu ordnen, und jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind“, sagte der 67-Jährige am Dienstag „Spiegel-Online“. Zu Wulff „gab und gibt es keine Geschäftsbeziehung“, betonte er. Geerkens berichtet, dass er und seine Frau vor der Kreditgewährung nach einer Investitionsmöglichkeit gesucht hätten. „Uns war geholfen und ihm auch“, sagte er mit Blick auf das 2008 Wulff gewährte Darlehen. „Spiegel-Online“ zufolge räumte er auch ein, dass die Familie Wulff den Kredit 2010 auf ein gemeinsames Konto der Eheleute Geerkens zurückzahlte.

Laut „stern.de“ nahm Wulff Geerkens jedoch auch als Teil der Wirtschaftsdelegation in drei Fällen zu Auslandsreisen mit. Weder bei seinen Vorgängern im Amt des Ministerpräsidenten noch bei seinem Nachfolger David McAllister habe Geerkens zu derartigen Delegationen gehört, berichtete das Portal.

Bereits im Januar 2010 hatten die Reisebegleitungen dem Bericht zufolge für kritische Anmerkungen der Opposition gesorgt. Der damalige niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner stellte die Frage, warum „ein ehemaliger Familienunternehmer, der in der Schweiz seinen Ruhestand und den Lohn seiner Arbeit genießt“ als Teil einer Wirtschaftsdelegation gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten ins Ausland reise, wie „stern.de“ berichtete.

Geerkens Ehefrau bestätigte laut „stern.de“, dass ihr Mann seit der Aufgabe eines Juweliergeschäfts in Osnabrück im Jahr 2007 keine geschäftlichen Aktivitäten in Niedersachsen mehr unterhalte.

Die "Bild"-Zeitung hat die indes Darstellung zurückgewiesen, sie habe bei der Berichterstattung über den Privatkredit eine Zusage nicht eingehalten. Es sei nicht richtig, dass die Zeitung dem Präsidialamt zugesichert habe, den Namen der Kreditgeberin nicht zu veröffentlichen, erklärte „Bild“ am Dienstag. "Die Chefredaktion von 'Bild' legt Wert auf die Feststellung, dass der 'Bild'-Redakteur diese Zusage bei einem Termin am vergangenen Donnerstag ausdrücklich nicht gegeben hat.“ Vielmehr habe der Redakteur erklärt, dass er unter dieser Bedingung den Darlehensvertrag nicht einsehen wolle. Das Bundespräsidialamt habe dann dessen ungeachtet Einsicht in den Vertrag gegeben.

Zuvor hatte das Bundespräsidialamt betont, der Name der Kreditgeberin sei gegen die Zusage genannt worden, ihn aus Gründen des Datenschutzes und des Schutzes von Persönlichkeitsrechte nicht zu veröffentlichen.