30.000 Tote in Afghanistan

Münchner Zeitungsverkäufer soll Massenmörder sein

Ein Ex-Geheimdienst-General hat in den 80er-Jahren in Afghanistan offenbar Massenerschießungen angeordnet. Gegen den 60-Jährigen, der heute in München lebt, wird ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen einen früheren afghanischen Geheimdienst-General, der in den Tod von 30.000 Menschen verwickelt sein soll. Der 60-Jährige arbeitet nach einem Bericht des Magazins „Focus“ heute als Zeitungsverkäufer in München und hat mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft.

Das Bayerische Landeskriminalamt sei mit der Untersuchung beauftragt. Für den Fall seien länderübergreifende Recherchen notwendig, sagte Ermittler Thomas Steinkraus-Koch dem Magazin.

Für Geheimdienst der damaligen kommunistischen Regierung tätig

Dem Bericht zufolge war der Mann vor und nach der sowjetischen Invasion im Dezember 1979 im Geheimdienst der damaligen kommunistischen Regierung tätig. In dieser Funktion sei er der Hauptverantwortliche für die Untersuchung politischer Delikte gewesen. Außerdem sei er Chef aller Haftanstalten sowie Leiter der Verhör- und Folterzentralen gewesen.

Er soll unter anderem verantwortlich für ein Massaker mit Massenerschießungen im berüchtigten Foltergefängnis Pul-i-Charkhi im Jahr 1988 gewesen sein. Die ersten Hinweise seien vor drei Jahren in der beim Bundeskriminalamt angesiedelten Zentralstelle für die Bekämpfung von Kriegsverbrechen und Völkermord eingegangen.

Zwei Staatsanwaltschaften in Hessen und Nordrhein-Westfalen ermitteln laut „Focus“ gegen fünf weitere in Deutschland lebende Ex-Offiziere des früheren afghanischen Geheimdienstes.