Köln

Neonazis kündigen für 2012 Demonstrationswelle an

Gerade nach dem Terror der Zwickauer Zelle suchen die Nazis die Öffentlichkeit. Sie fühlen sich beflügelt, doch zur Demo gegen "Polizeirepression und Medienhetze" kamen nur 50 Teilnehmer.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach den Morden der Zwickauer Terrorzelle kündigen Neonazis ein "demonstrationsreiches Jahr 2012" an. Doch die gewünschte Erhebung, für die schon viele Aufmärsche angemeldet sind, beginnt erst einmal sehr schwach.

Axel Reitz, auch bekannt als der "Hitler von Köln", macht aus seiner Gesinnung keinen Hehl: "Ja, wir sind Nazis", verkündet der eher klein gewachsene Mann mit dem grauen Schlapphut auf einer Demonstration vor dem Polizeipräsidium in Köln-Kalk am Samstag. Und stellt bedauernd fest: "Wir Nazis haben keine Lobby."

Neonazis wollen "Kampf um die Straße" nicht aufgeben

Zuvor war Reitz gemeinsam mit dem bundesweit bekannten Neonazi-Führer Christian Worch und knapp 50 Gesinnungsgenossen gegen "Polizeirepression und Medienhetze" durch Kalk gezogen. "Linkes Gezeter – 9 Millimeter", "Macht den Zecken richtig Dampf – Straßenkampf" und "Nationaler Sozialismus bis zum Tod" waren ihre Parolen während des von der Polizei eskortierten und von Hunderten Gegendemonstranten begleiteten Demonstrationszuges.

Sie machten deutlich: Gerade nach dem Terror der Zwickauer Zelle suchen die Nazis die Öffentlichkeit, wollen sie den "Kampf um die Straße" weder aufgeben noch aussetzen. Sie fühlen sich vielmehr beflügelt.

Heiligabend will die Szene in Bielefeld demonstrieren, und für das kommende Jahr stehen heute schon die Termine für drei Großdemonstrationen der Rechtsradikalen fest: Im Februar werden Nazis in Dresden ihre jährliche Demonstration gegen den Bombenangriff der Alliierten am 13. Februar 1945 veranstalten.

Allein in Dortmund sind für 2012 zwei Großdemos geplant

Für Anfang September wurde bereits zum "Antikriegstag" in Dortmund aufrufen. Auf beiden Demonstrationen könnten über 1000 Nazis aufmarschieren – vor allem aus dem Milieu der Nationalen Autonomen und der Freien Kameradschaften. Aus dieser Szene gingen auch die Mitglieder der NSU, der Zwickauer Terrorzelle hervor, die für zehn Morde und mehrere Anschläge verantwortlich gemacht werden.

Auch am 1. Mai wollen die Nazis in Dortmund marschieren – auf den Tag drei Jahre, nachdem sie dort Teilnehmer einer Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes überfallen und mit Steinen und Holzprügeln verletzt haben.

Die Ruhrgebietsstadt ist eine der Hochburgen der Nationalen Autonomen in Deutschland, was auch an dem laxen Vorgehen von Polizei und Justiz liegt: Keinem der an dem DGB-Überfall aus dem Jahr 2009 Beteiligten wurde bislang der Prozess gemacht.

Der Neonazi Christian Worch unterstrich in Köln-Kalk das Ziel, auf den Straßen auch künftig präsent zu sein auf der Abschlusskundgebung am S-Bahnhof in Kalk: "Ich wünsche uns allen ein demonstrationsreiches Jahr 2012."