Ex-Unterhaltungschef Foht

Großrazzia in sechs Bundesländern wegen MDR-Affäre

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Erneut gab es in der Affäre um mögliche kriminelle Machenschaften des Ex-MDR-Unterhaltungschefs eine bundesweite Razzia. Damit erreicht die Affäre den gesamten ARD-Verbund.

Die Affäre um den früheren Unterhaltungschef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Foht, zieht immer größere Kreise. Nach Informationen von Morgenpost Online hat die Leipziger Staatsanwaltschaft am Donnerstag eine bundesweite Razzia durchführen lassen.

Der Sprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann, bestätigte den Vorgang: „Wir haben 19 Objekte in sechs Bundesländern durchsucht.“

Von der Maßnahme seien Produktionsfirmen und Wohnungen betroffen gewesen. Die Fahnder hatten bereits im September eine bundesweite Razzia veranlasst.

Weit größeres Ausmaß der Affäre

Dem ehemaligen MDR-Mitarbeiter Foht wird vorgeworfen, private Fernsehfirmen zu Zahlungen genötigt zu haben . Offenbar ist das Ausmaß der Affäre weit größer als bislang angenommen. Laut Oberstaatsanwalt Lehmann gibt es in dem Verfahren inzwischen bereits zwölf Beschuldigte.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen, das die Aktion koordinierte, haben die Durchsuchungen in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen stattgefunden. „Ingesamt waren 94 Beamte im Einsatz“, sagte eine LKA-Sprecherin.

Nach Informationen dieser Redaktion erhielt auch einer der bekanntesten deutschen Fernsehproduzenten Besuch von den Fahndern: Werner Kimmig, der in der ARD quotenträchtige TV-Formate wie die „Bambi-Gala“, den „Deutschen Fernsehpreis“ oder „Verstehen Sie Spaß“ verantwortet und im Jahr etwa 130 Sendungen herstellt. Kimmig, der in dem beschaulichen Schwarzwald-Städtchen Oberkirch lebt und dort seine Werner Kimmig GmbH angesiedelt hat, wird in dem Ermittlungsverfahren unterdessen ebenfalls als Beschuldigter geführt.

Büro und Wohnung von Werner Kimmig durchsucht

„Die Beamten waren im Büro sowie in der Wohnung von Herrn Kimmig und haben zwei Leitz-Ordner mit Unterlagen zu Geschäftsvorgängen mit dem MDR mitgenommen“, bestätigte ein Firmensprecher. Nach seinen Angaben werden Kimmig, der „vollumfänglich“ kooperieren wolle, Bestechungsdelikte vorgeworfen.

Der Badener Unternehmer Kimmig war nicht nur Trauzeuge, als Unterhaltungschef Foht heiratete – er ließ dem leitenden MDR-Angestellten auch ein Beraterhonorar in Höhe von 10.000 Euro zukommen.

Wie Morgenpost Online weiter erfahren hat, soll am Donnerstag auch die Saxonia Entertainment GmbH, eine der erfolgreichsten TV-Produktionsfirmen in Mitteldeutschland, durchsucht worden sein.

Das 2003 gegründete Unternehmen gehört zu 51 Prozent mehrheitlich der Bavaria Film GmbH, zu deren Gesellschaftern wiederum direkt oder indirekt der Westdeutsche Rundfunk (WDR), der Südwestrundfunk (SWR) und der Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) zählen.

Damit hätte die Affäre um mögliche kriminelle Machenschaften des Ex-MDR-Unterhaltungschefs Foht den gesamten ARD-Verbund erreicht.

( UM/nel )