Deutsche-Bank-Chef

Brief an Ackermann war eine funktionsfähige Bombe

Den Behörden liegen erste Untersuchungsergebnisse vor: Die verdächtige Sendung an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war eine funktionsfähige Briefbombe.

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Versuchter Briefbombenschlag auf Josef Ackermann: Unbekannte haben einen Briefumschlag an den Chef der Deutschen Bank geschickt, der nach Angaben von hessischem Landeskriminalamt (LKA) und Staatsanwaltschaft Frankfurt eine „funktionsfähige Briefbombe“ enthielt.

Der persönlich adressierte DIN-A-5-Umschlag war am Mittwoch bei der Deutschen Bank in Frankfurt eingegangen. Als Absender war die Europäische Zentralbank in Frankfurt angegeben, wie es in Finanzkreisen heißt.

Die Untersuchungen dauerten noch an. Einzelheiten zur Zusammensetzung des Inhalts würden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in New York

Der DIN-A-5-Umschlag war in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen, weil er Drähte und Metallteile enthielt - vermutlich die Zündvorrichtung und der Auslöser. Daraufhin wurde die Polizei eingeschaltet, die einen Entschärfer des Landeskriminalamtes hinzuzog.

Nach dem Fund schraubte die Polizei in New York die Sicherheit in der Finanzmetropole hoch. Die New Yorker Polizei habe zusätzlich zu den Streifen rund um die Büros der Deutschen Bank in der Stadt 10.000 Sicherheitsleute alarmiert, berichtete die „New York Times“ in ihrem „Dealbook“-Blog.

Das FBI arbeite in diesem Fall mit den deutschen Behörden zusammen, hieß es in dem Blogbeitrag weiter. Für die Stadt New York gebe es aber keine spezifische Bedrohung, die mit dem Fund des verdächtigen Pakets zusammenhänge.

Occupy kritisiert Anschlagsversuch

Ackermann, der den Chefsessel der Bank im kommenden Jahr verlässt , gilt für viele in Deutschland als das Gesicht des Kapitalismus.

Als einer der wenigen Manager in Deutschland wird er von Leibwächtern geschützt. Auch als Vorsitzender der internationalen Bankenvereinigung IIF ist der Schweizer in der Euro-Schuldenkrise in den Medien stark präsent.

Sein Einsatz für die Belange der Finanzbranche hat ihn bei Bankenkritikern seit längerem zur Zielscheibe der Kritik gemacht.

Erst im November unterbrachen Aktivisten der bankenkritischen Occupy-Bewegung in Hamburg eine Rede Ackermanns zur Verantwortung globaler Unternehmen mit Sprechchören und Pfiffen. Die „irrwitzigen Renditevorgaben“ der Banken seien Hauptgrund für die Finanzkrise, sagte eine Occupy-Vertreterin damals.

Ein Occupy-Aktivist kritisierte in einer ersten Reaktion den Anschlagsversuch. „Wir verurteilen jegliche Aktionen, die irgendwie mit Gewalt zu tun haben“, sagte Frank Stegmaier von Occupy Frankfurt, die seit dem 15. Oktober in der Grünanlage vor der Europäischen Zentrale ein Protestcamp errichtet hat. „Occupy hat andere Möglichkeiten des Protests.“

Auch die Globalisierungskritiker von attac distanzierten sich. „Es gibt bei uns einen ganz klaren Konsens: Von uns geht keine Gewalt aus“, sagte attac-Sprecherin Frauke Distelrath.