Entschädigung

Weitere halbe Milliarde für Holocaust-Überlebende

Die deutsche Bundesregierung hat den Weg für weitere Entschädigungszahlungen für Holocaust-Überlebende freigemacht. Insgesamt sollen 485 Millionen Euro gezahlt werden.

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Mehr als 16.000 Überlebende der Judenvernichtung können nach Angaben der Jewish Claims Conference mit Entschädigungszahlungen rechnen. Mit der Bundesregierung sei die Zahlung von weiteren 485 Millionen Euro für eine Periode von zehn Jahren ausgehandelt worden, teilte die Organisation in New York mit. Im Schnitt erwarten damit mehr als 66 Jahre nach Kriegsende jeden Betroffenen etwa 30.000 Euro.

Das Bundesfinanzministerium widerspricht den Angaben und bestätigte lediglich die Herabsetzung der Mindestverfolgungszeit. An den Details werde noch gearbeitet.

Hintergrund ist eine Lockerung der Bedingungen für Entschädigungszahlungen, für die sich die Claims Conference eingesetzt hatte. Bislang mussten Holocaust-Überlebende nachweisen, dass sie während der NS-Zeit mindestens 18 Monate in einem Ghetto, einem Versteck oder unter falscher Identität gelebt haben.

Ab 1. Januar 2012 reicht der Nachweis von zwölf Monaten. Schätzungen zufolge können davon 8.000 Überlebende profitieren.

Zusätzliche Rente von 240 beziehungsweise 200 Euro

Zudem werden den Angaben zufolge Überlebende, die 75 Jahre und älter sind und mindestens drei Monate in einem Ghetto verbrachten, eine zusätzliche Rente erhalten. In westlichen Ländern betrage sie 240 Euro, in den Staaten des ehemaligen Ostblocks 200 Euro im Monat.

Die Claims Conference ist der 1951 gegründete Dachverband 24 internationaler jüdischer Organisationen. Sie vertritt die Interessen der jüdischen Gemeinschaft bei Verhandlungen zur Entschädigung von NS-Opfern und deren Erben. Im Auftrag der Bundesregierung verwaltet die Organisation verschiedene Härtefonds und ist Rechtsnachfolgerin für erbenloses und nicht beanspruchtes jüdisches Vermögen in den östlichen Bundesländern.