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Ex-Minister Guttenberg schrieb bereits 2004 ab

Die Plagiatsjäger von GuttenPlag haben nach der Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs in die Öffentlichkeit ihre Arbeit wieder aufgenommen. Sie fanden einen Aufsatz aus dem Jahr 2004.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Eine „unglaubliche Dummheit“, ein „ungeheuerlicher Fehler“. Karl-Theodor zu Guttenberg pflegt sich kräftig über sich selbst zu empören, wenn er auf seine Arbeitsweise beim Erstellen seiner Doktorarbeit zu sprechen kommt. Dass er bei diesem Werk voller Plagiate aber betrogen habe – das streitet der Ex-Verteidigungsminister nach wie vor ab.

Ein Politiker also, der vom Stress überwältigt wurde? Eine neue Analyse der Internetplattform GuttenPlag, die Morgenpost Online vorliegt, wirft nun die Frage auf, ob Guttenbergs Methode nicht zum publizistischen System des CSU-Politikers gehörte. Die Plagiatsjäger waren bereits im Frühjahr maßgeblich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen Guttenberg beteiligt und haben bis heute 1218 Plagiatsfragmente aus 135 Quellen auf 371 von 393 Seiten der Dissertation aufgezählt. Vor ein paar Tagen begannen sie einen weiteren Text von Guttenberg aus dem Jahr 2004 umfassend auf Übernahmen hin zu untersuchen. Der aktuelle Stand der Analyse wurde am Samstag auf ihrer Website veröffentlicht. Es geht um den 33-seitigen Guttenberg-Aufsatz „Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU – eine ‚Privilegierte Partnerschaft'“.

Unter anderem mit diesem Aufsatz, der in einer Schriftenreihe der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung erschien, positionierte sich Guttenberg als Außenpolitiker in der Union. Weil es sich nicht um einen wissenschaftlichen Artikel handelt, gibt es fast keine Fußnoten. Doch die lose Zusammensetzung von teilweise wörtlichen Übernahmen fremder Textbausteine zeigt jene fragwürdige Systematik, die dem Oberfranken den Doktortitel erst einbrachte und ihn diesen dann kostete. Auf bisher 13 von 23 Textseiten des Aufsatzes haben die Rechercheure Textübernahmen aus verschiedenen Quellen nachgewiesen, unter anderem aus Zeitungsartikeln, Ausarbeitungen der Europäischen Union und einem Dokument des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Rund ein Drittel aller Textzeilen des Essays, der in der Zeitschrift „Aktuelle Analysen“ erschien, sind laut GuttenPlag plagiiert.

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