Kandidatur als Linken-Chef

Dietmar Bartsch kämpft gegen mächtige Widersacher

Linken-Fraktionsvize Bartsch wird für den Parteivorsitz kandidieren. Geht es nach ihm, soll die Basis mehr entscheiden dürfen. Doch aus der Partei droht Gegenwind.

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Es sind nur 50 Meter bis zur Parteizentrale der Linken in Berlin, doch an diesem Morgen tut sich ein Abgrund zwischen Dietmar Bartsch und Teilen seiner Partei auf.

Der Ex-Bundesgeschäftsführer steht in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und kündigt während einer Pressekonferenz einen offenen Machtkampf an: „Die Linke braucht einen neuen Aufbruch.“

Der in mächtigen Kreisen der Linken in Ungnade gefallene Bartsch hat am Mittwoch seine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. Der Vize-Fraktionschef knüpft seine Kandidatur aber an eine Bedingung: Er wolle nur antreten, wenn es zu einem Mitgliederentscheid über den Vorsitz kommen wird. Bartsch sagte: „Das Wort der Mitglieder muss mehr Gewicht erhalten.“

Der 53-Jährige will Linke-Chef Klaus Ernst ablösen, der die Partei seit eineinhalb Jahren zusammen mit Gesine Lötzsch führt, und laut Satzung muss die Parteispitze auch künftig von einem Mann und einer Frau gebildet werden.

Lötzsch will erneut antreten

Auf der Frauenseite hat Lötzsch bereits erklärt, dass sie erneut antreten will. Als mögliche Gegenkandidatin gilt Vizeparteichefin Sahra Wagenknecht, die Lebensgefährtin des mächtigen Ex-Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine. Ob bei den Männern aber noch einmal Ernst antreten will, ist unklar.

Dass Bartsch seine Kandidatur nicht in der Parteizentrale bekanntgab, ist wohl eher symbolischer Art. Auf Nachfrage sagte er: „Ich habe derzeit keine Position in der Partei. Die Nähe zum Karl-Liebknecht-Haus ist aber richtig gewählt.“

Bartsch war von 1997 bis 2010 Bundesgeschäftsführer zunächst der PDS und später der Linkspartei. Im Januar 2010 kam es zum Zerwürfnis mit Lafontaine, der Bartsch eine gezielte Intrige gegen ihn vorwarf.

Weil die Linke mehr Mitglieder im Osten als im Westen hat, werden dem Ost-Linken Bartsch gute Chancen eingeräumt, einen Mitgliederentscheid zu gewinnen. Die zuletzt von Ernst ins Spiel gebrachte Möglichkeit, die Basis per Urwahl über eine neue Führung entscheiden zu lassen, ist in der Partei allerdings umstritten.

Bartsch hat "ausführlich" mit Wagenknecht gesprochen

Sie könnte einerseits die nächste Führung stärken, andererseits die quälende Personaldebatte noch weiter intensivieren. Offiziell soll darüber im Dezember entschieden werden. Die neue Parteiführung soll im Juni 2012 gewählt werden.

Bartsch sagte, er habe am Montag „ausführlich“ mit Wagenknecht gesprochen. Am Dienstag habe er Fraktionschef Gregor Gysi und Lafontaine über seine Kandidatur informiert. Gysi und Lafontaine reagierten zurückhaltend.

Er habe die Bewerbung seines Stellvertreters „zur Kenntnis genommen“, sagte Gysi der „Märkischen Allgemeinen“. Lafontaine sagte der „Sächsischen Zeitung“: „Bei uns hat jeder das Recht zu kandidieren.“ Unterstützung erhielt Bartsch aus ostdeutschen Landesverbänden: Die Linke-Vorsitzenden aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern unterstützen seine Kandidatur.

Interessant war, was Bartsch am Mittwoch zur Zukunft der Linken sagte: Nicht nur, dass sie selbst wieder geschlossen agieren müsse. Bei der Bundestagswahl 2013 müsse sie auch wieder „bündnisfähig“ sein.

Absage aus der SPD

Aus der SPD kam dazu gleich eine Absage: „Ich glaube, dass das vergebliche Liebesmüh’ ist“, sagte der schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner „Morgenpost Online“. „Die Linkspartei ist insbesondere in den westlichen Ländern auf dem Weg aus den Parlamenten heraus.“

Mit seiner Ankündigung hat Bartsch nun alles auf eine Karte gesetzt. Neben der Ostdeutschen Lötzsch wäre der gebürtige Stralsunder als Parteichef nicht denkbar, die Frau neben ihm müsste aus dem Westen kommen.

Bisherige Gespräche darüber, zum Beispiel mit der Sprecherin der NRW-Linken Katharina Schwabedissen, verliefen erfolglos. Eine Option wäre Wagenknecht. Doch die hat schon erklärt, nicht gegen Lötzsch kandidieren zu wollen, und würde wohl nur dann nach vorn streben, wenn Lötzsch doch noch verzichten sollte. Zudem stehen sich Bartsch und Wagenknecht politisch wie persönlich einander nicht gerade nahe.

Scheitert Bartsch, dürfte das seine Ambitionen in der Linken dauerhaft beenden. Insofern beweist er mit seiner Kandidatur großen Mut.