Castor

Böller, Rauchbomben und Hassparolen im Wendland

Zwei Tage vor dem geplanten Eintreffen der Castor-Behälter ist es zu heftigen Ausschreitungen im Wendland gekommen. Mehrere Polizisten und Demonstranten wurden verletzt.

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Alles wie immer im Wendland – vorerst jedenfalls. Zwei Tage vor dem voraussichtlichen Eintreffen der elf Castor-Behälter mit stark radioaktivem Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague haben sich Polizei und der radikalere Teil der Anti-Castor-Demonstranten am Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag erste Scharmützel geliefert.

Es gab Rempeleien, erste Wasserwerfer-Einsätze, die üblichen Parolen und Provokationen. Salopp formuliert, eine Art Aufwärmtraining für das kommende Wochenende.

Dann werden erneut einige Tausend Demonstranten versuchen, das Eintreffen der Castor-Behälter im Zwischenlager Gorleben zu verzögern, wenn möglich sogar zu verhindern. Also zeigt man sich schon mal die Waffen.

In Metzingen, einem Nest zehn Kilometer westlich von Dannenberg, rüsten Atomkraftgegner aus diesem Anlass schon fast traditionell am Donnerstag vor dem Castor-Eintreffen zu einem "Laternenumzug". Dessen nicht erklärtes Ziel ist die Blockade der Bundesstraße 216 zwischen Lüneburg und Dannenberg. Man muss ja mal gucken, was möglich ist in diesem Jahr, beim 13. Castor-Transport.

Aktivisten werden wieder "schottern"

Und außerdem liegt um die Ecke gleich eines jener Protest-Camps, in dem sich vorzugsweise ein Teil jener "Aktivisten" sammelt, die es nur ungern beim passiven Protest gegen Atomkraft und Endlagerung und Castor-Transporte belassen.

Man wird viele von ihnen am Wochenende beim "Schottern" wiedertreffen, dem Versuch die Gleise der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg so zu unterhöhlen, dass sie für den Castor-Zug unpassierbar werden. Das aber will die Polizei unbedingt verhindern.

Muss sie ja auch, wie Lüneburgs Polizeipräsident Friedrich Niehörster vor Beginn des Castor-Transports noch einmal dargelegt hat. Proteste zulassen, heißt seine Devise, aber auch: Straftaten ahnden, besser verhindern, und am Ende einen ungehinderten Transport der elf Castor-Behälter ermöglichen.

Schließlich hat die Bundesrepublik sich verpflichtet den In Deutschland produzierten Atommüll auch wieder zurückzunehmen. Eine Einlagerungsgenehmigung für diesen aufgearbeiteten Strahlenabfall hat bisher nur das Zwischenlager in Gorleben. Also, was soll man machen?

Die Beamten in Metzingen demonstrieren in diesem Sinne schon mal Entschlossenheit. Die Bundesstraße 216 ist noch nicht ganz besetzt, da fahren auch schon die ersten Wasserwerfer vor. Man fackelt nicht lange, versucht die Protestler mit Macht und Kraft von der Straße zu drängen.

Als dies nicht vollends gelingt, kommen zügig die Wasserwerfer zum Einsatz, allerdings mit stark reduziertem Druck. Die Gegenseite antwortet mit Feuerwerkskörpern, Böllern, Rauchbomben und einigen ziemlich üblen Hassparolen. Acht Beamte sind durch Steinwürfe der Atomkraftgegner verletzt worden. Zudem hat eine Demonstrantin Verletzungen davongetragen, höchstwahrscheinlich ebenfalls durch Steinwürfe.

Schwere Ausschreitungen schon in Frankreich

Unterm Strich geht die Sache, so sieht es nicht nur einer der Konflikberater, die die Polizei hier im Einsatz hat, noch einigermaßen glimpflich über die Bühne. Mit etwas Glück bleibt das so an dieser ersten Adventswochenende mit Castor-Einsatz.

Bereits am Mittwoch hatte es in Frankreich erhebliche Proteste gegen den Castor-Transport gegeben. Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas gegen Atomkraftgegner ein, die in Sperrzonen vordringen wollten. 16 Demonstranten wurden festgenommen. Mindestens drei Menschen – darunter ein Gendarm – wurden leicht verletzt. Die nächtliche Fahrt verlief ohne große Störungen.

In Nordhessen verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf Signalanlagen der Bahn. Die Flammen beschädigten Leitungen, die für die Steuerungen von Signalen und Weichen zuständig sind. Ob die Tat mit dem Castor-Transport in Verbindung steht, war aber bis zum Freitagmorgen nach Polizeiangaben noch unklar.

Der Atommüll-Zug hatte am Donnerstagvormittag die französische Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken erreicht. Nach Greenpeace-Angaben deutete ein ungewöhnlich großes Polizeiaufgebot bereits auf einen längeren Halt hin. Offenbar sollten in Rémilly auch das Zugpersonal und die Lokomotive ausgetauscht werden.

Wenn der Zug die Strecke Richtung Saarbrücken nimmt, würde er über Neunkirchen Richtung Rheinland-Pfalz weiterfahren. In der saarländischen Stadt würden dann voraussichtlich deutsche Polizisten die Transport-Bewachung von den französischen Kollegen übernehmen.