Trauer im Landtag

"Verdammt noch mal, lieber Freund, du fehlst uns so"

Der niedersächsische Landtag trauert. Gleich drei Abgeordnete sind innerhalb kurzer Zeit verstorben. Der politische Schlagabtausch fällt aus.

Foto: dpa

Fast alle Abgeordneten tragen schwarz, viele Gesichter sind von Trauer und Erschütterung gezeichnet: Die Sitzung des Landtags in Hannover ist am Mittwoch überschattet gewesen vom Tod dreier Abgeordneter.

Kränze liegen auf den Plätzen, wo während der September-Beratungen noch der CDU-Abgeordnete Reinhold Coenen (69) und Ralf Briese (40) von den Grünen gesessen haben. Coenen war Anfang Oktober nach langer Krankheit verstorben, Briese am Sonntag tot in seiner Wohnung gefunden worden. Auch des bereits im Sommer verstorbenen CDU-Abgeordneten Karl-Heinrich Langspecht gedenken die Landtagsmitglieder noch einmal.

Landtagspräsident Hermann Dinkla würdigt die verstorbenen Parlamentarier. Er mahnt, dass Politiker keine stets funktionierenden Automaten sind, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen. Bei Briese geht die Polizei von einem Selbstmord aus.

"Wir sollten und müssen auch in diesen Tagen innehalten"

Eine Rose liegt auf dem Stuhl des Grünen-Abgeordneten. Während Dinkla ihn für seine engagierten und pointierten Redebeiträge lobt, ringen seine Fraktionskollegen mit ihren Emotionen. „Verdammt noch mal, lieber Freund, du fehlst uns so. Schon heute, schon gestern“, heißt es in einer Traueranzeige der Fraktion. „Du warst so erfrischend provokativ mit deinem fast hemmungslosen Humor und deiner abgrundtiefen Ernsthaftigkeit.“

Dinkla mahnt: „Wir sollten und müssen auch in diesen Tagen innehalten und uns fragen, ob viele von uns mit dem starken Zwang, der sich aus der politischen Arbeit ergibt, und dem Anspruch an uns selbst, immer ansprechbar sein zu wollen und keine Schwäche zuzulassen, manchmal die eigenen Kräfte überschätzen.“

„Mich macht auch traurig und betroffen, dass wir als Kolleginnen und Kollegen manchmal nicht spüren, unter welchem Druck der politische Freund und Kollege steht, welche Last er auch gesundheitlich trägt, weil die politischen Themen Priorität haben und die persönlichen, die mitmenschlichen Dinge zu kurz kommen“, gibt der Landtagspräsident zu bedenken.

Der übliche Schlagabtausch zwischen den politischen Lagern, er fällt matt aus, als im Anschluss als erster Punkt über den Nachtragshaushalt debattiert wird. Nur verhalten klopfen die Abgeordneten auf die Bänke. Er werde die Beiträge von Ralf Briese vermissen, sagt Linken-Parlamentarier Manfred Sohn, bevor er das Zahlenwerk kommentiert.

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