Geheimtreffen

Piusbrüder verschwören sich gegen den Papst

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Gernot Facius

Nach dem Geheimtreffen geben sich die Piusbrüder kämpferisch. Sie wollen den Papst weiter mit Kritik am "modernistischen Rom" ärgern. Der Vatikan reagiert verwundert.

Der Ort war bewusst gewählt. Nach Albano vor den Toren Roms waren 28 Obere der traditionalistischen Piusbrüderschaft aus allen Erdteilen angereist, um zwei Tage vertraulich über eine Einigung mit dem Vatikan zu beraten. Am Ende der Klausur stand eine fünf dürre Sätze umfassende Erklärung.

In ihr wurde lediglich mitgeteilt, dass die Priestergemeinschaft „in einem vernünftigen Zeitpunkt“ ihre Antwort auf die „Lehrmäßige Präambel“ präsentieren wolle, die ihnen am 14. September von der Glaubenskongregation vorgelegt wurde.

Differenzen über Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils

Das lässt den Schluss zu, dass auf dem Weg zur vollständigen Rückkehr in den Schoß der Kirche noch einige Hürden zu nehmen sind – falls eine Einigung überhaupt denkbar ist.

Die gravierenden Differenzen über die Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils bestehen fort. Und es droht eine Fortsetzung der unendlichen Geschichte.

Das vatikanische Zugeständnis einer „legitimen Diskussion über die Überprüfung und theologische Deutung einzelner Ausdrücke und Formulierungen“, die sich in den Dokumenten des Konzils und des nachfolgenden Lehramtes finden, genügt den Traditionalisten nicht.

"Wir werden keine Kompromisse eingehen"

Sie bestehen, wie sich in Albano zeigte, auf deutlichen „Korrekturen“, um auch nur „den Schatten von Zweideutigkeiten und Missverständnissen auszuschließen – so der Erste Assistent des Generalrates der Bruderschaft, Niklaus Pfluger. Man werde Rom eine Antwort geben, die die Anliegen der Tradition klar zum Ausdruck bringe. „Wir werden keine Kompromisse eingehen.“

Im Vatikan wurde die Forderung nach Korrekturen mit Verwunderung aufgenommen. Es seien allenfalls Änderungen in einzelnen Formulierungen der „Lehrmäßigen Präambel“ denkbar, hieß es. Das Dokument wurde bislang weder von den Piusbrüdern noch von der Glaubenskongregation veröffentlicht.

Sein Inhalt ist lediglich in Umrissen bekannt: Es geht um „einige Lehrprinzipien und Interpretationen der katholischen Lehre, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche und das Fühlen mit der Kirche zu garantieren“. Stimmen die Piusbrüder diesem Text zu, kann über Modalitäten einer Wiedereingliederung verhandelt werden. Wenn nicht, sind die Gespräche gescheitert.

Aussagen über Religions- und Gewissensfreiheit

Das Kommuniqué von Albano betont, die Seminar- und Distriktsoberen – darunter der Deutsche Franz Schmidberger – hätten „feste Einheit im Willen gezeigt, an dem Glauben, den ihnen ihr 1988 exkommunizierter Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) übergeben hatte, „in seiner Gesamtheit und Vollständigkeit festzuhalten“.

Diese Formulierung deutet auf eine weitere Fundamentalopposition gegen wesentliche Ergebnisse des Konzils hin. Lefebvre hatte vor allem die Aussagen über die Religions- und Gewissensfreiheit, über die Ökumene und den interreligiösen Dialog sowie die Liturgiereform abgelehnt.

Seine Nachfolger hielten an dieser Nein-Position fest. Für sie sind die entsprechenden Konzilstexte Ausdruck von „Modernismus“, dem man um des „wahren Glaubens“ willen widerstehen müsse. Ein vatikanisches Friedensangebot müsse deshalb der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Freiheit garantieren, die Kritik am „modernistischen Rom“ weiterführen zu können.

Ausgang ist ungewiss

Ob sich die Glaubenskongregation und Papst Benedikt XVI. darauf einlassen können, scheint fraglich. Nach dem zwei Jahre währenden Dialog mit insgesamt acht Sitzungen war von vatikanischer Seite erklärt worden, alle Argumente seien ausgetauscht, nun müsse sich die Bruderschaft entscheiden.

Eine weitere Dialogrunde, so wurde signalisiert, sei wenig hilfreich. Nun will der Generalobere der Piusbrüder, Bischof Bernard Fellay, mit seinen Assistenten Pater Niklaus Pfluger und Alain-Marc Nely die „Lehrmäßige Präambel“ der Glaubenskongregation abermals prüfen und dann entscheiden. Der Ausgang ist, nach derzeitigem Stand, ungewiss.

Der Vorgang weckt Erinnerungen an den 5. Mai 1988. Damals, es war auch in Albano, unterzeichneten Kurienkardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst, und Erzbischof Lefebvre ein Protokoll samt einer „Lehrmäßigen Erklärung“. Kurz darauf zog der Traditionalistenbischof angeblich aufgrund von Hardlinern seiner Gemeinschaft die Zustimmung zurück.

Werden sich die Piusbrüder spalten?

Ende Juni 1988 weihte er gegen den Willen des Papstes vier Bischöfe, darunter Fellay, und vertiefte damit die Spaltung. Auch diesmal regen sich in der Piusbruderschaft Stimmen, die vor Zugeständnissen an die „Konzilskirche“ und vor einem Verrat an der „wahren Kirche“ warnen. Wird Fellay stark genug sein, sich durchzusetzen? Oder werden sich die Piusbrüder spalten?

Fellays Assistent Pfluger trumpfte auf: Die Situation sei heute eine andere als im Jahr 1988, die Bruderschaft stehe mit vier Bischöfen (deren Exkommunikation 2009 aufgehoben worden ist) und weltweit 550 Priestern gut da. Rom könne ihr darum „nicht mehr so entgegentreten wie vor 23 Jahren“.