Bundeswehrverband

Wehrreform wird zur Belastungsprobe für Soldaten

In 21 Jahren hat die Bundeswehr sechs Reformen erlebt. Alle haben sie Spuren bei den Soldaten hinterlassen. Der Bundeswehrverband kritisiert nun die fehlende Planungssicherheit für Soldaten und deren Familie und warnt zugleich vor Überlastungen.

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Die laufende Bundeswehrreform stellt die Soldaten nach Einschätzung des Bundeswehrverbandes vor eine noch nie dagewesene Belastungsprobe. Der Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch warnte am Donnerstag in Berlin vor Überlastung der Soldaten. Es gebe keine verlässlichen Strukturen mehr, nach denen die Männer und Frauen planen könnten. Als Folge seien die Soldaten und ihre Familien frustriert, unruhig und angespannt. Sie seien von Burn-outs bedroht, also von einer völligen Erschöpfung.

Die Bundeswehr hat nach Kirschs Angaben seit 1990 sechs Reformen erlebt. Aus jeder Reform gebe es noch heute „Altlasten“ abzuarbeiten, was aber immer schwieriger werde. Zum 1. Juli war der Wehrdienst ausgesetzt und die Bundeswehr zu einer Freiwilligenarmee geworden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will die Truppe von derzeit 200.000 auf 175.000 bis 185.000 Soldaten verkleinern. Die Entscheidung darüber, welche Standorte geschlossen werden, soll am 26. Oktober veröffentlicht werden.

Kirsch mahnte, die Bundeswehr müsse auch weiterhin in der Fläche vertreten sein. „Wenn wir aus der Fläche verschwinden, verschwinden wir aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und der Gesellschaft“, sagte er. Er forderte, den Dienst attraktiver zu machen und den Lohn für Überstunden von derzeit 2,50 Euro pro Stunde zu verdoppeln. Polizisten bekämen im Vergleich zu Soldaten das Dreifache für mehrgeleistete Arbeit. Auch müssten die Soldaten trotz der Reform die Perspektive behalten, innerhalb ihrer Laufbahn aufzusteigen. „Es darf keine Reformverlierer geben“, mahnte der Vorsitzende.

Kirsch kritisierte, dass die Zahl der Soldaten zwar massiv abgebaut werde, die Aufgaben aber dieselben blieben. Er regte eine stärkere Kooperation mit europäischen Partnern an, um Verantwortungen für bestimmte Aufgaben untereinander besser zu verteilen. So habe Deutschland besondere Fähigkeiten mit den Gebirgs- und den Fallschirmjägern.

Konkrete Zahlen darüber, wie viele Soldaten bereits an einem Burnout leiden, nannte Kirsch nicht. Es handele sich um eine „Grauzone“. Insgesamt sei aber klar: „Die Menschen in den Streitkräften wollen sich wieder auf die Politik verlassen können.“