Euro-Rettung

Europäischen Regierungen läuft die Zeit davon

Die Hilfe für Athen wird verschoben. Das bringt europäische Banken in Schwierigkeiten. Paris und Berlin streiten über Umschuldung Griechenlands.

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Im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise geraten die europäischen Regierungen in Zeitnot. Nachdem die Euro-Finanzminister die Auszahlung der nächsten Geldspritze für das marode Griechenland auf November verschoben, brach der Deutsche Leitindex (Dax) um über vier Prozent auf 5147 Punkte ein .

Der Euro fiel innerhalb eines Monats sogar um über zehn US-Cent. Vor allem die Banken geraten angesichts der Ungewissheit über die Zukunft Griechenlands und der daraus folgenden Turbulenzen an den Finanzmärkten inzwischen in ernsthafte Schwierigkeiten.

Die französisch-belgische Dexia braucht daher wieder Staatshilfe. Innerhalb eines Tages fiel der Aktienkurs des Kreditinstituts um fast 30 Prozent. Frankreich und Belgien versprachen jetzt finanzielle Unterstützung. Schon im Herbst 2008 musste die Großbank mit Milliardenbeträgen der Euro-Länder gerettet werden.

Allerdings trifft die Krise mittlerweile auch gesunde Banken. So zeigt die Deutsche Bank Schwäche. Angesichts der schlechten Entwicklung an den Kapitalmärkten warnte sie jetzt, dass sie ihr Gewinnziel von zehn Milliarden Euro nicht mehr erreichen werde. Die Krise kratzt damit an der Bilanz des scheidenden Vorstandschefs Josef Ackermann. Die Aktien der Bank verloren am Dienstag 5,8 Prozent. Der Konkurrent Commerzbank geriet daraufhin noch stärker in die Bredouille.

Entscheidung über Auszahlung der nächsten Hilfstranche verschoben

Zu den Turbulenzen führte vor allem die Erkenntnis, dass die Europäer das zweite Hilfspaket für Griechenland samt Beteiligung der privaten Gläubiger noch einmal aufschnüren dürften. Zunächst einmal verschob die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU die Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche aus dem laufenden Hilfspaket auf Ende Oktober.

Dafür gibt es nach Angaben aus Verhandlungskreisen drei Gründe: Erstens habe die Troika den neuen Prüfbericht noch nicht beendet. Zweitens werde der Rettungsfonds EFSF mit seinen erweiterten Aufgaben erst am 11. November stehen.

Athen in die Pleite schicken

Frühestens dann könnte die Euro-Zone Athen Geld verweigern und es damit in die Pleite schicken. Der erweiterte EFSF gilt als Brandmauer gegen das Übergreifen der Griechen-Krise auf den Rest der Währungsunion. Drittens aber wollen einige Euro-Länder auf den Wechsel an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) warten.

Deren Noch-Chef Trichet gilt als Gegner einer Umschuldung Griechenlands. Erst wenn er weg sei, hätten Deutschland und andere Staaten bessere Chancen, private Gläubiger stärker an der Euro-Rettung zu beteiligen, glaubt man in Berlin.

Sarkozy würde am liebsten bis nach der Wahl 2012 warten

Allerdings streiten die Deutschen in diesem Punkt mit ihrem Partner Frankreich. Während Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Pläne für eine geordnete Insolvenz Athens samt Umschuldung erarbeiten lässt, ist Paris seit Wochen gegen eine stärkere Beteiligung des privaten Sektors an der Lösung der Probleme. Das dürfte auch am großen Engagement französischer Banken in Athen liegen.

Ginge es nach Präsident Nicolas Sarkozy, würde er das Thema am liebsten bis nach der Wahl im April 2012 verschieben. Aus deutscher Sicht aber ist das keine Alternative. Die Bundesregierung ist für eine frühere Umschuldung – allerdings mit mehreren Bedingungen: Griechenland müsste im Gegenzug Souveränität über seine Finanzpolitik an Brüssel abtreten. Das Land soll gleichzeitig im Euro-Raum bleiben.

Gegen eine weiter gehende Beteiligung privater Gläubiger sprach sich der internationale Bankenverband IIF aus. Die Finanzinstitute beharren auf der Vereinbarung vom 21. Juli, die vorsieht, dass die Geldhäuser freiwillig auf 21 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland bis 2014 verzichten.