Thüringer Extremisten

Hinweise auf weiteren Neonazi-Anschlag in Köln

Die unter Mordverdacht stehenden Thüringer Neonazis sollen für einen weiteren Anschlag in Köln verantwortlich sein. Dabei sei 2001 eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Sprengfalle in einem Lebensmittelgeschäft schwer verletzt worden. Anhaltspunkte dazu hat die Polizei offenbar auf einer DVD gefunden.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Im Fall der mutmaßlichen Neonazi-Mordserie hat der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen die Verdächtige Beate Z. aus Thüringen erlassen. Der 36-Jährigen wird vorgeworfen, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Die unter mehrfachem Mordverdacht stehende Thüringer Neonazi-Gruppe soll für einen weiteren Anschlag in Köln verantwortlich sein. Das teilte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums am Montag in Düsseldorf mit. Dabei sei 2001 eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Sprengfalle im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt worden. Hinweise auf die Urheberschaft des Anschlags seien auf der DVD der mutmaßlichen Mörder entdeckt worden, auf der sich die Neonazis bereits zu dem Nagelbomben-Anschlag 2004 in Köln bekannt hatten.

Bei der Bombenexplosion in Köln-Mülheim am 9. Juni 2004 wurden 22 Menschen verletzt. Bis auf einen der Betroffenen waren alle Opfer Türken. Die Täter hatten die selbst gebaute Nagelbombe auf einem Fahrrad deponiert und per Fernsteuerung gezündet. Die Staatsanwaltschaft fahndet jahrelang nach zwei verdächtigen Männern zwischen 25 und 35 Jahren, die kurz vor der Explosion von einer Videokamera aufgenommen wurden.

Die Bundesanwaltschatf in Köln hat wegen des Anschlags offiziell Ermittlungen aufgenommen. Dies teilte ein Sprecher der Behörde am Montag mit. Nach Auskunft der Bundesanwaltschaft wird gegen die mutmaßlichen NSU-Mitglieder derzeit außerdem wegen neun Morden an ausländischen Kleingewerbetreibenden und dem Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn 2007 ermittelt.

Zudem sollen mehrere Banküberfälle auf das Konto der Täter gehen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen prüfen die Polizeibehörden der Länder, ob weitere, bislang nicht aufgeklärte Taten möglicherweise auf das Konto der Rechtsterroristen gehen.

Der am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommene mutmaßliche Helfer des Zwickauer Trios, der 37-Jährige Holger G., ist indes am Montagnachmittag in Karlsruhe dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) vorgeführt worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Zur Frage nach möglichen weiteren Beteiligten machte der Sprecher keine Angaben. Das Umfeld der Beschuldigten werde jedoch „intensiv ausgeleuchtet“.

Der BGH-Richter entscheidet über den Antrag der Bundesanwaltschaft auf Erlass eines Haftbefehls wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Holger G. soll sich 2007 der Gruppe angeschlossen haben, die für die „Döner-Mordserie“ und den Heilbronner Polizistenmord verantwortlich gemacht wird. Er wurde per Hubschrauber auf das BGH-Gelände gebracht.

Bereits am Sonntag hatte der Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen das mutmaßliche NSU-Gründungsmitglied Beate Z. aus Jena erlassen. Zwei weitere Mitglieder der Gruppierung hatten sich am 4. November selbst umgebracht.

Die Polizei prüft außerdem Verbindungen zu weiteren ungeklärten Anschlägen. Mehrere Taten, hinter denen die Behörden einen ausländerfeindlichen Hintergrund vermuten, sind bis heute nicht geklärt. Bei folgenden Fällen wird darüber spekuliert:

28. September und 19. Dezember 1998: Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden innerhalb weniger Monate zwei Anschläge verübt. Unbekannte Täter sprengen im September zunächst die Grabumfassung auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg. Im Dezember zerstört eine selbst gebaute Bombe die Grabplatte Galinskis.

9. März 1999: In Saarbrücken explodiert auf der umstrittenen Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein Sprengsatz. Bei dem Anschlag entsteht ein Schaden von mehr als einer halben Million Mark (rund 255 000 Euro). Die Ermittler stellen ein 17 Meter langes Elektrokabel und Teile eines Zeitzündermechanismus für die kiloschwere Bombe sicher. Die Ausstellung muss vom 9. bis 13. März geschlossen werden. Trotz eines anonymen Bekennerbriefes kann die Polizei die Tat nicht aufklären.

27. Juli 2000: Bei einem Bombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station werden zehn Einwanderer aus Osteuropa schwer verletzt und das ungeborene Kind einer 26-Jährigen von einem Metallsplitter getötet. Die Mehrzahl der Opfer sind jüdischen Glaubens. Die Sprachschüler kommen vom Unterricht, als die Splitterbombe explodiert. Binnen eines Jahres befragt die Polizei rund 1500 Menschen und stellt 451 Beweismittel sicher.

16. März 2002: Am Eingang des jüdischen Friedhofes in Berlin-Charlottenburg explodiert ein Sprengsatz. Am selben Tag werden in Marzahn das Grabmal für gefallene Sowjetsoldaten mit Hakenkreuzen beschmiert und Grabsteine umgeworfen. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts eines extremistischen Hintergrunds.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen