CSU-Mitglied aus Uganda

"Ich bin die Schwärzeste unter all den Schwarzen"

Eine gelungene Integration: Warum Stella Okech aus Uganda in die CSU eintrat und was sie mit Horst Seehofer verbindet.

Foto: Thomas Vitzthum

Die Vorurteile machten Stella Okech neugierig. Eine rechte, eine ausländerfeindliche, eine konservative Partei sei die CSU – sie hatte es zu oft gehört, um es nicht endlich selbst und besser wissen zu wollen. „Also bin ich vor zwei Jahren der Partei beigetreten und dadurch erst richtig in Deutschland angekommen.“ Okech ist, wie sie sagt, die Schwärzeste unter all den anderen Schwarzen. Sie stammt aus Uganda.

Auf klassischen CSU-Veranstaltungen wie dem politischen Aschermittwoch oder jetzt auf dem Parteitag am Wochenende in Nürnberg , an dem sie als Gast teilnimmt, fällt die 35 Jahre alte Frau aus Germering bei München jedem auf. Auch weil sie große Ohrringe mag und viel lacht – und gern Dirndl trägt. „Das ist doch schee, das Dirndl hat sich seit Jahrhunderten bewährt, darin sehen Frauen einfach gut aus“, sagt sie.

Stella Okechs Sprache verrät, dass sie Deutsch in Bayern gelernt hat. Sie rollt das R, grüßt mit „Servus“. Ums Anbiedern allerdings geht es ihr überhaupt nicht. Es ist mehr das Spiel mit den Möglichkeiten, die ihr Bayern gibt, das sie reizt. In jeder Hinsicht, eben auch in politischer.

Überrascht, dass es in Uganda eine Mittelschicht gibt

Knapp zehn Jahre ist es her, als sie allein nach Deutschland kam. Ihre Familie gehört zur ugandischen Mittelschicht. „Die Deutschen sind immer ganz überrascht, dass es das überhaupt gibt, eine Mittelschicht.“ Die prägende Figur war die Mutter. Sie war Bankerin, adoptierte eine Aids-Waise und holte mit 60 Jahren noch einen Universitätsabschluss in Agrarwissenschaft nach. „Heute bringt meine Mutter Menschen bei, wie sie ihre Felder besser bewirtschaften können.“

Britisch geprägt sei das System in Uganda, die Sprache, die Gesellschaft, das Schulwesen. Auf einem katholischen Internat in der Hauptstadt Kampala lernte Okech eine ihrer wichtigsten Lektionen: „Ich wurde dort streng erzogen, habe aber auch vermittelt bekommen, dass man nach den Sternen greifen kann und Träume zulassen soll.“ Wie in der Mittel- und Oberschicht des Landes üblich, sollte auch Okech ihr Studium im Ausland absolvieren. Sie entschied sich für Deutschland, „weil die Unis keine Gebühren verlangt haben damals“.

Schnell musste sie erleben, dass die Universität, diese Institution, die sich ihrer Internationalität rühmt, auch kein Raum ohne Vorurteile ist. Sie erlebte Vorbehalte durch Mitstudenten und Professoren, die über ihre guten Leistungen irritiert waren. Leute, denen sie erzählte, dass sie ihren Magister mache, fragten erstaunt, ob sie überhaupt Abitur habe. „Dass ich jetzt sogar promoviere, passt leider überhaupt nicht in das Weltbild vieler Leute“. Bei einem Arztbesuch klagte Okech über Unterleibschmerzen. „Das muss Aids sein“, bekam sie zur Antwort, „schließlich käme ich aus Afrika.“

Sie ist im Kreisvorstand der CSU Fürstenfeldbruck

Trotz dieser Erfahrungen ist Okech von der deutschen Gesellschaft nicht desillusioniert worden. Seit einiger Zeit ist sie deutsche Staatsbürgerin. „Wer sich integrieren will, der kann das schaffen. Und ich will das zeigen.“ Vorbilder seien für die Integration viel entscheidender als Gesetze oder große Reden. „Ich finde es wichtig, dass es Minister mit Migrationshintergrund gibt“, sagt die Politikwissenschaftlerin.

Nur gute Erfahrungen hat Okech mit ihrer Partei, der CSU, gemacht, obwohl die nun wahrlich nicht als eine gilt, die sich um Migranten bemüht. Und von den Zuwanderern auch nicht gewählt wird. „Ich bin dort wirklich gefördert worden, vor allem die Frauen-Union unterstützt mich.“ Die CSU und sie würden voneinander lernen, sagt Okech.

Sie ist im Kreisvorstand der CSU Fürstenfeldbruck und Mitglied im bayerischen Integrationsrat. Wohin es politisch noch gehen soll, will sie nicht verraten. Dem Vorsitzenden Horst Seehofer begegnet sie immer wieder. Er interessiert sich für sein Parteimitglied mit der besonderen Ausstrahlung. „Wir haben den gleichen Humor“, sagt Okech. Es ist wohl der Hang zur Ironie, zur Übertreibung, den beide teilen. Und dass sie auch einmal angefasst sind, wenn es ebenso laut aus dem Wald herausschallt, wie sie hineingerufen haben.

Ein Autounfall wurde zum Schlüsselerlebnis

Okech denkt viel über Fragen der Gerechtigkeit nach. An der Ludwig-Maximilians-Universität schreibt sie gerade eine Dissertation über „Globale Gerechtigkeit und den Zugang zu Medikamenten“. Das Thema ist ihr ein besonderes Anliegen. Aufgrund eigener Erfahrung.

Ein Autounfall wurde zum Schlüsselerlebnis. Als Jugendliche verunglückte sie auf dem Weg zum Internat. Ihre linke Hüfte brach, aber das war nicht das Schlimmste: „Ich lag sehr lange im Krankenhaus und musste erleben, wie jeden Tag neben mir ein Kind starb, einfach so.“ Den Kindern fehlte es an der nötigsten Versorgung. „Mir ist bewusst, dass ich es besser hatte als die meisten. Deshalb möchte ich etwas zurückgeben.“

An Bayern imponiert Okech der Stolz der Menschen. „Ich finde wichtig, dass Menschen auf das, was sie sind und wo sie leben, stolz sind.“ Dieses Gefühl fand sie in keiner Partei so deutlich ausgeprägt wieder wie in der CSU. Um die Verbindung von Tradition und Moderne gehe es auch ihr. „Ich bin schwarz, und die sind schwarz“, sagt sie und lacht, „wir mussten uns einfach finden.“

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