Verteidigung

Bundeswehr-Reservisten sollen Heimatschutz stärken

Ein neues Konzept definiert die Aufgaben der Reservisten im Heimatschutz. Verteidigungsminister de Maizière wünscht sich "Staatsbürger mit Uniform" als Spezialisten.

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Er hatte gerade den Wehrdienst angetreten, wollte eigentlich Offizier werden, doch schon nach anderthalb Monaten verweigerte Nikolaij Lankoff (23) nachträglich den Kriegsdienst. Weil er keinen Sinn in der Arbeit der Bundeswehr sah.

Zwei Jahre später änderte er seine Meinung und meldete sich als Reservist. „Den Ausschlag hat die Neuausrichtung der Streitkräfte gegeben“, sagt Lankoff, der inzwischen Politik in Freiburg studiert. „Heute geht es nicht mehr um pure Landesverteidigung, sondern auch um Krisenvorsorge, um Engagement für Zivilbevölkerung.“

"Reserve als Mittler für die Bundeswehr in die Gesellschaft"

Seit knapp einer Woche ist der 23-jährige Südbadener nun Vorsitzender der neuen Reservistenkameradschaft (RK) Kaiserstuhl.

Das ist die jüngste der bundesweit 2345 RKs, der Altersdurchschnitt der Mitglieder liegt bei 25 Jahren. „Wir wollen zeigen, dass die Bundeswehr nicht aus neofaschistischen Irren besteht, sondern aus Menschen, die sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verschrieben haben“, sagt Lankoff.

Damit ist der Südbadener das Paradebeispiel für den neuen Typ Reservisten, den sich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) für seine Bundeswehr 2.0 wünscht. „Mit ihrer Präsenz in der Fläche wächst die Relevanz der Reserve als Mittler für die Bundeswehr in die Gesellschaft“, heißt es in der neuen Konzeption, die Morgenpost Online vorliegt.

Zusätzliche Verantwortung für Reservisten

Durch das Aussetzen der Wehrpflicht gewinne die Reserve an Bedeutung „für einen der jeweiligen Lage angepassten Aufwuchs“.

Da die verkleinerte Bundeswehr künftig bis zu drei Auslandseinsätze beschicken soll, bekommen Reservisten zusätzliche Verantwortung. „In dem neuen Konzept wird zum ersten Mal ausbuchstabiert, welche Aufgaben sie im Heimatschutz übernehmen sollen“, sagt der zuständige Staatssekretär Christian Schmidt (CSU).

Bundesweit würden bis zu 25 Regionale Sicherungs- und Unterstützungseinheiten neu aufgestellt – „je nachdem, welches Potenzial sich in den einzelnen Regionen bietet“. Diese Einheiten unterstehen den jeweiligen Landeskommandos und haben Pateneinheiten in der aktiven Truppe. Eigene Ausrüstung haben sie nicht.

Die Aussetzung der Wehrpflicht verlange von den Reservisten auch neues Engagement in der Nachwuchsgewinnung. Da junge Menschen heute nicht mehr automatisch zum Bund kommen, entfällt eine wichtige Rekrutierungsbasis für Berufs- und Zeitsoldaten – und damit für Reservistenkameradschaften, die zu gut 90 Prozent aus Ex-Uniformträgern bestehen.

Hinzu kommt, dass im Zuge der Reform bundesweit 30 Standorte geschlossen werden – in den betroffenen Gemeinden ist die Bundeswehr eines Tages nicht mehr sichtbar.

Auch hier soll der Reservistenverband einspringen mit seinen rund 280 hauptamtlichen Mitarbeitern in 106 Kreis- und 16 Landesgeschäftsstellen. In den geplanten 16 Karriereberatungszentren der Bundeswehr soll der Verband deswegen die Möglichkeit haben, eigene Büros zu eröffnen.

Kooperation mit Unternehmen stärken

Auch generell werden die rund 122.000 im Reservistenverband organisierten Mitglieder bald enger in die aktiven Strukturen eingebunden. Auf allen Ebenen, bis hin zu Bataillonen, soll es Beauftragte für Reservistenangelegenheiten, kurz „BeResAngel“, geben.

Als zentrale Ansprechstelle wird zudem ein entsprechendes Kompetenzzentrum eingerichtet, möglicherweise bei der Führung der Streitkräftebasis in Bonn.

Dieses Zentrum soll auch die Kooperation mit Unternehmen stärken. Als „Staatsbürger mit Uniform“ möchte Minister de Maizière nämlich auch mehr ungediente Zivilisten als Spezialisten für die Truppe gewinnen.

„Bisher meldet sich ein Reservist, der eine Wehrübung machen will, bei der Bundeswehr, wird beordert und muss das dann bei seinem Arbeitgeber durchsetzen“, erklärt Schmidt.

Weiterbildungen in Personalführung, Management oder Sprachen

„Wir können ihn aber nur motivieren, wenn er sich nicht auch noch um das organisatorische Drumherum kümmern muss.“ Deswegen wolle die Bundeswehr auf die Unternehmen zugehen und ihnen die Vorteile aufzeigen, die entstehen, wenn sie ihre Mitarbeiter „verleihen“. Als Anreize könne die Bundeswehr etwa besondere Weiterbildungen in Personalführung, Management oder Sprachen bieten.

Nicht zuletzt sollen Reservisten auch thematisch in die Gesellschaft wirken und Diskussionen über Sicherheitspolitik in Gang bringen, aber nicht unbedingt bei romantischen Lagerfeuerveranstaltungen. „Es ist auch unsere Aufgabe, das Image der Reservisten zu ändern“, sagt Lankoff.

Er will mit seiner RK auch Diskussionen im Internet anbieten. Eine eigene Homepage und der Facebook-Auftritt seien in Arbeit. „Viele Menschen haben ein schlechtes Bild von der Bundeswehr“, sagt Lankoff. Für ihn sei das aber „eine ganz coole Truppe“.