Öffentliche Versöhnung

Bosbach nimmt Pofallas Entschuldigung an

Nach seiner Verbalattacke hat sich Kanzleramtsminister Pofalla bei Parteifreund Bosbach entschuldigt. Für den ist die Sache erledigt, für Teile der Basis noch nicht.

Foto: pa/ dpa (2) / pa/ dpa (2)/Soeren Stache, Marc Müller

Nach der jüngsten Verbalattacke rund um die heikle Euro-Abstimmung im Bundestag haben sich Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach öffentlich versöhnt.

Pofalla entschuldigte sich per Zeitungsinterview für seine Entgleisung. Bosbach gab sich nicht nachtragend. Innerhalb der CDU gibt es jedoch weiter Unmut über internen Umgang und das äußere Erscheinungsbild der Partei.

Der CDU-Innenexperte Bosbach gehört zu den zehn Unions-Abgeordneten, die in der vergangenen Woche im Bundestag nicht für die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF gestimmt haben. Medienberichten zufolge hatte Pofalla seinen Parteikollegen Bosbach vor der Abstimmung mit Sätzen wie „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ attackiert.

Pofalla entschuldigte sich bereits am Tag danach auf direktem Weg bei seinem Parteikollegen. Nun zeigte er auch öffentlich Reue. Der „Bild“-Zeitung sagte der Kanzleramtschef: „Ich ärgere mich selbst sehr über das, was vorgefallen ist, und es tut mir außerordentlich leid.“ Bosbach nahm die Entschuldigung an. „Die Sache ist damit für mich endgültig erledigt“, sagte er dem Blatt. „Für mich bleiben weder politisch noch persönlich Differenzen zurück.“

An der Basis haben sich die Gemüter aber offenkundig noch nicht beruhigt. Der niedersächsische CDU-Politiker Frank Oesterhelweg bezeichnete Pofallas Äußerungen als „Frechheit“ und verlangte, „in der Unions-Spitze dringend personelle Veränderungen vorzunehmen“.

Um das Erscheinungsbild der Union stehe es denkbar schlecht. „Viel zu lange haben wir als Basis dieses Trauerspiel hingenommen“, beklagte er, „wenn jetzt nicht bald aufgeräumt wird, dann laufen uns Mitglieder und Wähler in Scharen davon.“ Auch aus der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CDU, war die Forderung nach personellen Konsequenzen gekommen.

„Der schlechteste Kanzleramtschef aller Zeiten“

An Pofallas Eignung gibt es aber nicht nur bei Teilen der Basis und beim Parteinachwuchs Zweifel. Die „Berliner Zeitung“ zitierte in ihrer Dienstagausgabe einen namentlich nicht erwähnten führenden Koalitionspolitiker mit den Worten, Pofalla sei in seinem Amt überfordert und zudem wegen seiner cholerischen Art nicht dafür geeignet. Er sei „der schlechteste Kanzleramtschef aller Zeiten“.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, kritisierte Pofallas Verhalten bei „Morgenpost Online“ als „niveaulos und selbst entlarvend“.

Rückendeckung bekam der Kanzleramtsminister dagegen aus den Reihen der Grünen. Der frühere Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer, der im Umgang mit Parteikollegen selbst als wenig zimperlich galt, äußerte Verständnis für Pofallas Wutausbruch.

Der „Leipziger Volkszeitung“ sagte Fischer: „Mir ist ein deftiges Wort des Zorns immer lieber als eine scheinbar freundlich vorgetragene süßsaure Hinterhältigkeit.“