SPD in Niedersachsen

Gesucht wird Kandidat, der Merkel ans Messer liefert

| Lesedauer: 4 Minuten

Niedersachsens SPD wählt bei einer Urwahl einen Spitzenkandidaten. Er soll das Bundesland für die SPD zurückerobern und im Wahljahr 2013 für einen Triumph sorgen.

Wenn es nach den Plänen der Sozialdemokraten geht, dann wird an diesem Dienstagabend am Lüneburger Stadtrand ein neues Kapitel bundesdeutscher Geschichte geschrieben. Dann beginnt heute hier, in der Kulturhalle „Vamos“, wo sonst am Wochenende die „Toten Ärzte“ singen oder „40 up“ Partys gefeiert werden, die Merkel-Dämmerung. Der Anfang vom Ende der schwarz-gelben Bundesregierung.

Gesucht wird der Mann, so sehen es die Genossen, der gleich zu Beginn des Bundestagswahljahrs 2013 Niedersachsen für die SPD zurückerobert, den Amtsinhaber David McAllister (CDU) als Ministerpräsident ablöst, und so auch die Kanzlerin, die sich im Herbst 2013 zur Wahl stellt, ans Messer liefert.

Mit einer gewonnenen Niedersachsen-Wahl im Rücken, so das Kalkül der Genossen, ist der Triumph im Bund nur noch Formsache. Es gibt nicht wenige in der Union, die das ähnlich sehen.

Spitzenkandidaten-Kandidaten schlagen sich tapfer

Gemessen an diesen hohen Erwartungen schlagen sich die bundesweit eher unbekannten Spitzenkandidaten-Kandidaten in Lüneburg recht tapfer durch die erste von sieben Regionalkonferenzen. Die wird zwar im Internet per Livestream übertragen wird, dabei aber weißgott nicht zum Quotenhit werden.

Selbst vor Ort, in Lüneburg, bleiben einige Stühle frei. als Stephan Weil, der Oberbürgermeister von Hannover , und Olaf Lies, der Landesvorsitzende der niedersächsischen SPD häufig laut, aber selten zündend altbekannte sozialdemokratische Positionen vortragen.

Mehr arbeitsmarktorientierte Wirtschaftspolitik, mehr Gesamtschulen, mehr Ganztagsschulen, stärkere Förderung von Krippen und Kindergärten, Gorleben soll leben, Vermögensteuer, Windenergie ist die Zukunft undsoweiterundsoweiter.

Mit etwas gutem Willen hört man bei der 15-minütigen Selbstvorstellung der beiden Kandidaten heraus, dass es sich bei Lies um den etwas ungestüm-linkeren, bei Weil um den etwas erfahren-bürgerlicheren Kandidaten handelt. So verspricht der 44-jährige Friese Lies gleich am Anfang seines Auftritts, dass man gerade in den Bildungsbereich kräftig investieren werde. „Studiengebühren werden abgeschafft“.

Keine Spur von Spannung oder Dynamik

Weil (52) will zwar im Prinzip das Gleiche, stellt in seiner Ansprache jegliches Versprechen unter einen Finanzierungsvorbehalt. Aber das ist es dann auch schon mit den Unterschieden zwischen den beiden „unterschiedlichen Typen“. Hinzu kommt eine Moderation, die es nach Kräften vermeidet, auch nur einen Hauch von Spannung oder gar Dynamik in dieses Duell zu bringen.

Darunter und unter der manifesten Angst der niedersächsischen Sozialdemokraten, am Ende dieses von der Berliner Parteispitze ohnehin argwöhnisch beäugten Kandidaten-Duells als tief zerstritten dazustehen, leidet die ganze Veranstaltung. Man streitet vorsichtshalber gar nicht.

Selbst als Stephan Weil seinen jüngeren Kontrahenten ein einziges Mal an diesem Abend ziemlich giftig angeht und ihn mit den „Lindners, Röslers, Bahrs dieser Welt“ (und es gibt immerhin kaum eine größere politische Beleidigung derzeit unter Sozialdemokraten) vergleicht, findet kein einziges Widerwort statt. Keine Debatte, kein gar nichts.

Brav wird das Pensum runtergespult, noch ein Publikumsfragen weitergereicht. Und dann war’s das auch schon in Lüneburg. Ein torloses Unentschieden, um in der bei solchen Anlässen gerne bemühten Fußballersprache zu bleiben, bei dem sich keiner der beiden Kandidaten wirklich profilieren konnte.

Beiden bleiben jetzt noch sechs Regionalkonferenzen, um diesem sehr blassen Eindruck wenigstens etwas Kontur zu geben. Am 27. November sind die 65 000 niedersächsischen Genossen dann aufgerufen, ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 20. Januar 2013 zu wählen. Den Mann also, der der SPD die Kanzlerin ans Messer liefern soll. Im Moment muss Angela Merkel sich deshalb jedenfalls keine allzu großen Sorgen machen.

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