Politik und Familie

Viele Frauen im Bundestag bleiben kinderlos

Weibliche Bundestagsabgeordnete haben seltener Kinder als andere Frauen. Das ist bei den männlichen Kollegen anders. Die meisten Kinder bekommen CSU-Politikerinnen.

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Weibliche Bundestagsabgeordnete bekommen einer Studie zufolge weniger Kinder als der Durchschnitt der Frauen in Deutschland. Laut der unter anderem im Internet veröffentlichten Untersuchung der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung bekommen Frauen in Deutschland im Schnitt 1,36 Kinder, Bundestagsabgeordnete aber nur 1,22 Kinder.

Als Hauptgründe machte die Studie eine hohe zeitliche Belastung der weiblichen Abgeordneten und einen Rechtfertigungsdruck in der Gesellschaft aus.

Kritische Äußerungen von Wählern und Kollegen

Für die Studie wurden die Familienstandsangaben aller 620 männlichen und weiblichen Bundestagsabgeordneten untersucht, hinzu kamen eine Online-Befragung mit 69 Abgeordneten und Einzelinterviews mit sechs Parlamentarierinnen.

Die interviewten Mütter berichteten dabei von kritischen Äußerungen sowohl von Wählern als auch Kollegen. „Denk doch auch mal an dein Kind! Das wurde mehrfach in der Fraktion ausgesprochen“, berichtete eine Politikerin. Und bei den Wählern heiße es: „Auch die Leute aus dem Wahlkreis, gerade die Älteren sagen, 'mir tut Ihr Kind total leid. Dann sage ich, 'mir nicht, der gehts gut.“

Diskrepanz zwischen Männern und Frauen

Der Untersuchung zufolge werden die weiblichen Abgeordneten weit verbreitet mit der Ansicht konfrontiert, dass Kinder grundsätzlich zur Mutter gehörten und idealerweise von dieser betreut werden sollten. Organisatorisch das größte Problem stelle für die Frauen die Distanz zwischen dem Wohnort und dem Parlamentssitz in Berlin dar.

Die große Mehrheit der Familien von Abgeordneten lebe weiter im Wahlkreis, so dass während der Sitzungswochen die Familien getrennt sind.

Bei der Übernahme der Betreuung der Kinder zeige sich aber eine große Diskrepanz zwischen männlichen und weiblichen Abgeordneten, heißt es in der Studie. Während bei den Männern in vielen Fällen eine gar nicht oder nur Teilzeit arbeitende Ehefrau die Familienarbeit vollständig mache, übernähmen bei den Müttern im Parlament in der Regel nicht die Ehemänner die Betreuung.

Männliche Abgeordnete haben im Schnitt 1,63 Kinder

Kinderlos sind laut Untersuchung fast ein Drittel aller Abgeordneten. Hier ist der Anteil mit 35 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer in etwa gleich. Männliche Abgeordnete haben mit im Schnitt 1,63 Kindern aber mehr Kinder als die Frauen mit ihrem Schnitt von 1,22 Kindern.

Der Studie zufolge trägt zu diesem Unterschied bei, dass mehr als ein Viertel der männlichen Abgeordneten in kinderreichen Familien mit drei und mehr Kindern leben. Bei den weiblichen Abgeordneten sind dies nur 11,5 Prozent.

Bei der Elternschaft haben die Mitglieder der CSU-Landesgruppe mit im Schnitt 2,1 Kindern pro Parlamentarier den meisten Nachwuchs, die der Linksfraktion mit 1,1 Kindern den wenigsten. CDU und Grüne kommen auf je 1,8 Kinder, FDP und SPD auf 1,3. Nach Geschlechtern unterschieden haben Grünen-Männer mit 2,5 insgesamt die meisten Kinder, bei den Frauen sind es CSU-Abgeordnete mit 1,8 Kindern.

Die wenigsten Kinder haben Linke-Frauen mit im Schnitt 0,9 und Linke-Männer mit im Schnitt 1,2. Am häufigsten kinderlos sind mit 42 Prozent die FDP-Männer und mit 41 Prozent die Grünen-Frauen.