Koch-Mehrin & Co.

Was für eine peinliche Woche für die Liberalen!

Eine Vorzeigefrau entpuppt sich als Blenderin, eine Außenpolitikerin verhält sich wenig diplomatisch, und der Parteichef eröffnet einen Krawattenladen.

Foto: pa/dpa/Sven Simon

Koch-Mehrin schwänzt die Ausschuss-Arbeit

Bitte richten Sie Ihren Blick auf die Dame auf Platz 657, die da so hellwach sitzt. Gut eingeprägt? Das Foto zeigt Silvana Koch-Mehrin, die am 6. Juli 2011 an einer Abstimmung im Europäischen Parlament in Straßburg teilnimmt.

Das ist momentan das Netteste, was über die Dame zu erzählen ist – denn zuerst wurde ihr von der Universität Heidelberg der Doktortitel aberkannt, den sie 2000 im Fachbereich Geschichte erwarb, dann trat sie von ihren Ämtern als Fraktionschefin der europäischen Liberalen und als Vizepräsidentin des EU-Parlaments zurück.

Diese Woche meldet nun noch das ARD-Magazin Panorama, Koch-Mehrin habe dieses wie auch letztes Jahr alle Sitzungen des Petitionsausschusses des Parlaments geschwänzt. Erste Parteifreunde rücken von ihr ab. Sieht nach einem traurigen Herbst aus.

Pieper brüskiert Namibia

Es sollte eine Geste werden: Am Freitag übergibt Deutschland in der Berliner Charité öffentlich 20 Schädel von Angehörigen der Herero und Nama an Vertreter der namibischen Regierung und der Stämme.

Einst waren die Deutschen dort Kolonialherren, der Vernichtungsbefehl des Oberbefehlshabers der deutschen Truppen, Lothar von Trotha, mündete 1904 in Folter und Ermordung von Tausenden von namibischen Einwohnern.

Auch die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, ist gekommen, sie spricht vom schweren Erbe der deutsch-namibischen Geschichte „und der daraus resultierenden moralischen und historischen Verantwortung“.

Doch ihre Worte, als Einzige hält sie ihre Rede auf Deutsch, kommen nicht an, am Ende wird sie vom Publikum ausgebuht. Und noch bevor der erste Vertreter der namibischen Regierung eine Rede halten kann, dreht sie sich um und geht. Auch das – eine Geste.

Rösler beim Krawattenkönig

Was den Parteivorsitzenden der Liberalen betrifft, so hatte Philipp Rösler in den vergangenen Wochen einen, sagen wir mal, tapferen Eindruck hinterlassen. Ist ja auch wirklich blöd, wenn es nichts zu verkünden gibt als Wahlniederlagen.

Wen wundert da, dass der Wirtschaftsminister gern mal seinen Verpflichtungen gegenüber dem Mittelstand nachkam und bei der Eröffnung des „Edsor-Flagship-Stores“ des Berliner Krawattenkönigs Jan-Hendrik Scheper-Stuke auftauchte. Der Store liegt in Mitte, genauer in den Hackeschen Höfen, sehr hip, obwohl inzwischen auch absolut touristisch.

Hätte Rösler bei einem Bauern in Niedersachsen vorbeigeschaut, hätte das wohl niemanden interessiert, aber mitten in Berlin wird so etwas eben schnell zum Event und das muss nicht unbedingt gut sein. Röslers Rede vor Persönlichkeiten wie Désirée Nick bestand dem Vernehmen nach ausschließlich aus rhetorischen Juwelen und gipfelte in der kühnen These: „Hier gibt’s für jeden was.“ Wir fragen leise: Auch für Philipp Rösler?