Reiter-Nachfolge

Karola Wille als neue MDR-Intendantin gewählt

Justiziarin Karola Wille wird Nachfolgerin des bisherigen MDR-Chefs Udo Reiter. Sie hat unter den MDR-Mitarbeitern viele Sympathien. Kritik kam jedoch von DDR-Opferverbänden.

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Die Justiziarin Karola Wille wird neue Intendantin des MDR. Der Rundfunkrat wählte sie mit 32 von 39 abgegebenen Stimmen zur Chefin der Dreiländeranstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, gab ein Sprecher des Senders am Sonntag bekannt. Erforderlich war mindestens eine Zweidrittel-Mehrheit für die 52-jährige Chemnitzerin, die bei der Rundfunkratstagung im thüringischen Friedrichroda die einzige Kandidatin war. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Als Nachfolger für den vorzeitig ausscheidenden Intendanten Udo Reiter (67) hatte der MDR-Verwaltungsrat den Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Bernd Hilder, nominiert. Bei der Abstimmung im Rundfunkrat scheiterte der Journalist jedoch deutlich an der nötigen Zweidrittel-Mehrheit.

Die Justiziarin Wille ist seit 1991 beim MDR beschäftigt und seit 2003 stellvertretende Intendantin. Sie ist unter anderem Mitglied im Digital-Ausschuss von ARD und ZDF, leitete die Verhandlungsgruppe „Kabel/DSL“ für die beiden öffentlich-rechtlichen Sender und ist für die ARD Verhandlungsführerin mit der Produzentenallianz. Im MDR leitet sie zudem die Arbeitsgruppe „Digitale Zukunft“.

Die Honorarprofessorin für Medienrecht an der Universität Leipzig hat eine Tochter und ist begeisterte Skifahrerin.

Die Rundfunkratsmitglieder applaudierten beim Bekanntwerden des Wahlergebnisses. Wille werden viele Sympathien unter den MDR-Mitarbeitern nachgesagt. Aufgrund ihrer Ausbildung als Juristin zu DDR-Zeiten und ihrer anschließenden wissenschaftlichen Tätigkeit war ihre Nomierung aber unter anderem von DDR-Opferverbänden kritisiert worden.

Der MDR war in den vergangenen Monaten mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Im Kinderkanal KI.KA, für den der Sender die Federführung hat, hatte ein leitender Mitarbeiter in den Jahren 2002 bis 2010 mehr als acht Millionen Euro veruntreut.

Die Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt zudem seit Juli gegen den suspendierten Unterhaltungschef Udo Foht. Ihm wird Bestechlichkeit, Betrug und Untreue vorgeworfen.

Der MDR hatte Foht suspendiert, nachdem bekanntgeworden war, dass dieser eine Produktionsfirma auf Briefpapier des MDR aufgefordert hatte, einen fünfstelligen Betrag an eine Berliner Firma zu überweisen.