Ministerpräsident

Kretschmann ruft in Bayern "grüne Südschiene" aus

Die Grünen in Bayern spüren die Regierungsmacht in greifbarer Nähe. Jetzt wollen sie von Gewinnern lernen: von Baden-Württemberg und Winfried Kretschmann.

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Euphorie, Aufbruchstimmung und zugleich nüchterne Arbeitsatmosphäre prägen den Landesparteitag der bayerischen Grünen in Bad Windsheim. Nach 25 Jahren in der Opposition wollen sie 2013 endlich im Landtag die Seiten wechseln. Das will gut vorbereitet sein. Die Grünen zurren daher nicht nur ihre politischen Ziele mit Blick auf die Landtagswahl 2013 fest. Sie schauen auch rüber gen Westen: In Baden-Württemberg regiert Winfried Kretschmann als erster grüner Ministerpräsident. Von ihm wollen sie lernen.

Und der Applaus für den Sieger will denn auch kaum enden. Wie ein Heilsbringer wird Kretschmann gefeiert, als er den Saal des Konferenzzentrums in Bad Windsheim betritt. Kretschmann hat geschafft, was die Grünen in Bayern noch erreichen wollen. „Das wichtige ist dabei, dass man an Wunder in der Politik glaubt“, rät der Stuttgarter Regierungschef seinen bayerischen Nachbarn.

Dass Kretschmann damit nicht das politische Wunder der Regierung meint, davon ist Bayerns Landesvorsitzender Dieter Janecek überzeugt: „Wir müssen daran glauben, dass wir wirklich etwas verändern können.“ Die Grünen hätten ja mit dem Atomausstieg und der Energiewende bereits Wunder geschaffen. Weitere Wunder wären, wenn künftig weniger statt mehr Autos auf bayerischen Straßen rollen würden oder wenn die Macht der Energiekonzerne gebrochen werden könnte, sagte Janecek.

In Anlehnung an die noch vor Monaten von den damals jeweils unionsgeführten Regierungen der Nachbarländer beschworene „Südschiene“ sagte Kretschmann: „Ich freue mich auf die grüne Südschiene. – Machen wir sie zu einem Motor der Nachhaltigkeit in allen politischen Bereichen.“ Die bayerische Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper stieg nur allzu gern darauf ein: „Diese grüne Südschiene – da werden wir die nächsten zwei Jahre eminent dran arbeiten. Die grüne Südschiene wird leben und wir werden sie füllen.“

Kretschmann bestärkt die Bayern-Grünen auch in ihrer Führungsrolle beim Thema Energiepolitik. Sowohl Bayern als auch Baden-Württemberg seien starke Industrieregionen. „Die Erwartungen sind sehr groß. Wir haben damit eine große Verantwortung. Dem müssen wir gerecht werden. Wir müssen jetzt zeigen, dass wir den Energieumstieg professionell gestalten können.“

Er warnte zugleich davor, sich bei Auseinandersetzungen Kompromissen zu verschließen. Natürlich müsse die Partei ihren Zielen treubleiben. Aber auf dem Weg dahin soll man immer gesprächsbereit sein. Das sei die große Lehre aus dem Konflikt um den Ausbau des Bahnhofs in Stuttgart, mahnte Kretschmann.

Die Bayern-Grünen wollen sich zwar viel vom Nachbarn abschauen, ihn aber in einem Punkt nicht kopieren: „Die Grünen in Baden-Württemberg haben 30 Jahre gebraucht, bis sie Regierungspartei wurden. Wir wollen es in 27 Jahren schaffen“, sagt Margarete Bause, Vorsitzende der bayerischen Grünen-Landtagsfraktion. Die Chance, mit der SPD und den Freien Wählern zusammen die CSU in die Opposition zu schicken, sei so groß wie nie.