Regierungspläne

EHEC-Taskforce soll dauerhafte Einrichtung werden

Die EHEC-Krise ist offiziell vorüber, doch die damit verbundene Task-Force soll bleiben. Ziel: Bund und Länder sollen im Notfall effektiver zusammenarbeiten.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Offiziell ist der EHEC-Ausbruch in Deutschland seit gut einer Woche beendet. Jetzt zieht die Bundesregierung erste Konsequenzen aus der Kritik an ihrem Management der Krise: Die kurzfristig eingesetzte Bund-Länder-Task-Force zur Aufklärung der EHEC-Quelle soll nach Informationen von „Morgenpost Online“ zu einer dauerhaften Einrichtung werden.

Im Falle eines Seuchenausbruchs oder Lebensmittelskandals soll diese Sondereinheit jederzeit zum Einsatz kommen können.

Der Mitarbeiterstab der neuen Task-Force soll ressortübergreifend, sehr flexibel und auf die Erfordernisse des jeweiligen Krisenfalls zugeschnitten sein. Denn jede Krise ist anders.

Bei der Suche nach überschrittenen Dioxingrenzwerten in Futtermitteln sind andere Sachkenntnisse und Vorgehensweisen erforderlich als bei der Suche nach dem Ursprung der lebensbedrohlichen EHEC-Epidemie. Mehr als 4300 Menschen hatten sich mit dem EHEC-Bakterium infiziert. Insgesamt 733 Patienten entwickelten als Komplikation das schwere Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS).

100 Patienten mit dauerhaften Nierenschäden

Möglicherweise bis zu 100 dieser Patienten werden dauerhaft unter Nierenschäden leiden. 50 Patienten starben an den Folgen der EHEC-Infektion.

Mitte Mai war das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) über eine auffällige Häufung von schweren Darminfektionen in Hamburg informiert worden. Der Krankheitserreger war schnell identifiziert. Die Suche nach der Quelle des ungewöhnlich aggressiven Bakteriums aber zog sich hin.

Zunächst gerieten spanische Gurken in Verdacht, den Keim nach Deutschland eingeschleppt zu haben. Wenige Tage später warnte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) im Alleingang vor dem Verzehr von rohen Sprossen und Keimlingen – ein Verdacht, der sich dann später bestätigen sollte.

Die Mehrheit der Deutschten aber war mit dem Krisenmanagement von Bund und Ländern unzufrieden: Zu viele Minister, zu viele Präsidenten verschiedener Bundesinstitute hatten sich zu Wort gemeldet. Das erweckte den Eindruck eines unkoordinierten Vorgehens.

Der Keim hatte Ressortgrenzen übersprungen

Der EHEC-Erreger befällt eigentlich Tiere und wird über Lebensmittel verbreitet. Das fällt in die Zuständigkeit von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Der gefährliche Keim aber hatte die Ressortgrenzen offensichtlich übersprungen und Menschen infiziert.

Dafür ist Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zuständig. Das, so die Befürchtungen besorgter Bürger, erzeugte Reibungsverluste, durch die wertvolle Zeit verloren gegangen sein könnte.

Die Kritik am Umgang mit der Krise wurde immer schärfer. Prompt folgten Forderungen, dem vermeintlichen Kompetenz-Wirrwarr der Behörden mit einer zentralen Seuchenbehörde zu begegnen – eine Forderung, die Aigner und Bahr strikt ablehnten: Es komme nicht auf die Anzahl der Behörden an, sondern darauf, wie sie zusammenarbeiten.

Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern war erfolgreich

Und: Eine neue Institution sorge nicht automatisch dafür, dass die Bevölkerung schneller und besser versorgt werde. Sie versprachen aber, nach der EHEC-Krise genau zu analysieren, wo es Verbesserungsbedarf beim Krisenmanagement gebe.

Erst die enge Zusammenarbeit der Behörden von Bund und Ländern in der kurzfristig eingesetzten Task-Force hat demnach zu der Quelle des EHEC-Erregers geführt. Die Untersuchungen aus dem medizinischen Bereich waren mit den Ergebnissen der Lebensmittelüberwachungsbehörden abgeglichen worden.

Mit geradezu kriminalistischem Spürsinn wurden Lieferströme anhand von Tausenden Einzeldaten zurückverfolgt. So gelten heute Bockshornkleesamen aus Ägypten sowie daraus gezogene Sprossen und Keimlinge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Auslöser des EHEC-Ausbruchs.

Task Force hat sich bewährt

„Die Task-Force zur Bekämpfung der EHEC-Krise hat sich bewährt und soll nach den Vorstellungen des Bundesverbraucherministeriums zu einem dauerhaften Instrument des Krisenmanagements weiterentwickelt werden“, bestätigte ein Ministeriumssprecher „Morgenpost Online“.

Auf der Verbraucherschutzministerkonferenz von Bund und Ländern Mitte September in Bremerhaven will Aigner ihre Pläne für die Task-Force vorstellen.

Als Standort ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin vorgesehen. „Dieser Standort hat sich während der EHEC-Krise bewährt. Es kann dort auf die vorhandene Infrastruktur zurückgegriffen werden“, so der Sprecher.

Zusätzlich zu den Experten von Bund und Ländern sollen im Krisenfall auch Experten aus dem Ausland hinzugezogen werden können, etwa von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.