Skandal um Titelseite

Gysi distanziert sich von Zeitung "Junge Welt"

Mit der "Jungen Welt" hat Fraktionschef Gysi "schon lange nichts mehr am Hut". Er will durchsetzen, dass die Zeitung für die Linke nicht mehr als Werbemedium genutzt wird.

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Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, zieht Konsequenzen aus dem Skandal um eine Titelseite der „Jungen Welt“ zum Mauerbau. Nach einem Bericht des in Berlin erscheinenden „Tagesspiegels“ will Gysi in seiner Fraktion durchsetzen, dass das Blatt nicht mehr als Werbemedium genutzt wird. Er habe mit dieser Zeitung „schon lange nichts mehr am Hut“, sagte Gysi dem Blatt.

Ohnehin würden in der Printausgabe keine Anzeigen mehr geschaltet. Ein Vertrag über Werbung in der Onlineausgabe laufe aus. „Ich werde dafür streiten, dass wir das nicht erneuern“, sagte Gysi. Eine „materielle Unterstützung“ der Zeitung sei nicht länger akzeptabel. Der Linkspartei-Fraktionschef lehnte allerdings einen Interview-Boykott der „Jungen Welt“ unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab.

Die „Junge Welt“ hatte am vergangenen Wochenende mit ihrer Berichterstattung über den 50. Jahrestag des Mauerbaus einen Eklat ausgelöst. Die Zeitung hatte über einem Foto bewaffneter Kampfgruppenangehöriger vor dem Brandenburger Tor gedruckt: „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke“.

Darunter hatte das Blatt 13 vermeintliche Errungenschaften der DDR aufgelistet und sich unter anderem für 28 Jahre des Stasi-Gefängnisses in Berlin-Hohenschönhausen ohne den jetzigen Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe bedankt.

Die Titelseite hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Politiker verschiedener Parteien und Intellektuelle hatten in einem offenen Brief ein Ende der Zusammenarbeit zwischen der Partei Die Linke und der Tageszeitung gefordert.