Sex und Macht

Diese Politiker machten durch Affären von sich reden

Christian von Boetticher ist nicht der erste, der wegen einer Affäre gehen muss. Regelmäßig geraten Spitzenpolitiker wegen ihrer Eskapaden in die Schlagzeilen.

Foto: Reuters, pa/dpa (2) / Reuters, pa/dpa (2)/MORRIS MAC MATZEN, Jens Ressing, Jörg Carstensen

Wenn es ein Thema gibt, bei dem sich Politiker einmal nicht nach Meinungsumfragen richten, dann ist es der Sex. Laut Umfragen finden zwar nur 13,1 Prozent der Deutschen ihre Politikerinnen und Politiker sexy. Die Realität aber spricht eine andere Sprache. Geraten doch unsere tag- und nachtaktiven Amts- und Funktionsträger regelmäßig mit Eskapaden in die Schlagzeilen.

Ob sie dabei im Visier selbst ernannter Sittenwächter nicht nur das Amt, sondern auch Würden verlieren, hängt oft von Tageslaunen der öffentlichen Meinung, Zeitströmungen und von ihrem persönlichen Format ab. Was zudem zählt, ist ein mehr oder weniger umsichtiges Beziehungsmanagement.

Ein Meister dieses Fachs ist wohl der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne), der mit deutscher Gründlichkeit in der Regel seine (bekannt gewordenen) Affären heiratete und damit jedem unschicklichen Schein die Grundlage entzog. Ob Edeltraut, Inge, Claudia, Nicole oder – bislang als Letzte – Minu Barati. Auch wenn das im Umfeld grün-alternativen Laisser-faires nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Seehofer lächelte Affäre einfach weg

Weniger umsichtig und dazu noch in heiklem, nämlich wertekonservativ-christlichem Umfeld agierte da der ebenso charismatische Horst Seehofer (CSU) mit einer außerehelichen Beziehung zu einer Bundestagsmitarbeiterin inklusive außerehelicher Vaterschaft.

Was ihn auf dem Weg zum Parteivorsitz aber nicht nachhaltig aufhalten konnte. Auch wenn Parteifreunde kaum etwas unversucht ließen, um aus der Affäre ihrerseits Kapital zu schlagen. Seehofer gelang es, alles wegzulächeln.

Badefotos mit Freundin zwangen Scharping zum Rücktritt

Ganz anders Rudolf Scharping (SPD), der sich wegen zweifelhafter Dienstreisen im Zusammenhang mit seiner Beziehung zu Kristina Gräfin Pilati und öffentlicher Zurschaustellung von gemeinsamen Badefreuden als „Malle-Rudi“ beschimpfen lassen musste und schließlich sein Amt als Verteidigungsminister verlor.

Der Fall gilt seitdem als Paradebeispiel einer gelungenen Selbsthinrichtung. Scharping hatte sich für eine Illustriertengeschichte bereitwillig fotografieren lassen – in völliger Verkennung der öffentlichen Wirkung.

Strauß' Ausflug ins New Yorker Prostituiertenmilieu blieb ohne Folgen

Wie vermeintliche oder tatsächliche Fehltritte von Politikern im Echo der öffentlichen Meinung geahndet wurden, hing zu allen Zeiten vor allem von der Statur des Skandalisierten ab. So blieb Anfang der 70er-Jahre der Ausflug von Franz Josef Strauß (CSU) ins New Yorker Prostituiertenmilieu ohne Folgen für seine Karriere.

Wer mit wem damals anbandelte, blieb durchaus unklar. Einen vorzeigbaren Eindruck hinterließ Strauß danach allerdings nicht. Angeblich war er auf dem Strich am Central Park ausgeraubt worden. So genau aber wollte man es damals nicht wissen.

Seine Partei pflegte zu dieser Zeit ohnehin noch ein Bild vom Mann, das Diskussionen über solche Begebenheiten als unschicklicher erscheinen ließ als die zugrunde liegenden Umstände.

Brandts Lebenswandel wurde zur Frage nationaler Sicherheit

Das war auch bei Willy Brandt (SPD) nicht anders, jedenfalls solange ihm noch eine Aura ungebrochenen Erfolges zugesprochen wurde. Zwar musste er sich über weite Strecken seiner Karriere als „Schürzenjäger“ apostrophieren lassen, ansonsten aber galt für ihn wie für viele andere: Viel Weib, viel Ehr.

Dann allerdings wurde sein umtriebiger Lebenswandel zu einer Frage der nationalen Sicherheit gemacht. Im Zuge der Guillaume-Affäre stellte sich die Frage nach der Erpressbarkeit des deutschen Bundeskanzlers, weil Guillaume in Arrangements zu Brandts Damenbekanntschaften involviert gewesen sein soll.

Beust wollte sich nicht erpressen lassen – später ging er

So weit hat es der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gar nicht erst kommen lassen. Nachdem er eine frühe, ehrabschneidende Attacke seines damaligen Koalitionspartners Roland Schill auf seine gleichgeschlechtliche Orientierung rigoros abgewehrt hatte, kam er späteren Fragen nach wesentlich jüngerer Begleitung mit dem Abschied vom Bürgermeisteramt zuvor.

Auch von Beust konnte sich übrigens auf eine durchaus liberale Traditionslinie der Christdemokraten stützen. Schließlich nahm schon Konrad Adenauer in den 50er-Jahren seinen der Homosexualität verdächtigten Außenminister Heinrich von Brentano mit der Bemerkung in Schutz: „Also wissen Se, solange der misch nit anfasst, isset mir ejal!"